Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

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l a st i k a, die links und rechts vom Chor-
bogen zu sehen inaren, den Umrissen
nach schlank und hoch, der Unter-
schrist nach sBenajckiel as, Aeliolsustieas
zweifellos bezeichnet als Ordensstister
der neuen, ins weltverlorene Hochtal
wandernden schwarzen Mönche. Die
Farben waren braun und gelb, ähnlich
den Fresken im Chor. Renaissance-
architektnr, Kränze, Kapitelle waren zu
sehen. Zwischen den beiden Wappen war
oberhalb des Bogens in der Mitte eine
Madonna ans einer Weltkugel ge-
malt, ganz erhalten. Etwa da, wo die
Füße der Immakulata überm Chorbogen
z-n sehen waren, also jedensaüs unter i
einer wohl älteren Schicht, kam ein ganz
eigenartiger, ausdrucksvoller Franenkops
zum Vorschein, in brauner Farbe gemalt.
Eine Skizze des jungen Künstlers hat
die flüchtige Erscheinung festgehalten.

Weiterhin zeigte sich über der ziem-
lich niederen viereckigen, wahrscheinlich
früher gewölbten Südtüre") eine treff-
liche Renaissaucearchitektur als Portal-
krönung: Pyramiden, Gesimse, ähnlich
auch über dem Nnndsenster oberhalb
der Westtiire.

Endlich waren über dem Fenster der
Südwand zur Linken und Rechten zwei
flott gezeichnete Engel in Vollgestalt zu
sehen, teils schlvebend, teils sitzend, Kreuz
und Anker haltend, darüber etwa in der
Mitte über dem Halbkreis eine Ge-
stalt mit einem Herz, also jedenfalls
Symbole der drei göttlichen Tugenden ,
Glaube, Hoffnung und Liebe. Kräftige '
Voluten, Eierstabgesims umrahmen den
Unterteil.

Auf der gegenüberliegenden, tief im
Erdboden steckenden feuchten Nordseite
treten keine Spuren von Wandgemälden
bis jetzt zutage. Dagegen sind an allen
Fenstern und Türen der anderen Sei-
len Ornamenteinsasstlngen unterhalb, zu
beiden Seiten lvie oberhalb entdeckt
worden.

i4) Nach Rechnungen der Pfarregistratur
wurde 1892 -die Südtüre -erlhöht. 1891 wurlde

Vas.Innere frisch geweißnet. Doch ist Visse

jüngste blau-weiße llebeüm'alung miud-elsteüs .

die zweite Tünche, der die Bemalung zlum
Opfer fiel. Das Innere mißt nach einer
Abmessung in den dortigen -Akten 57‘ in
der Länge und 26' in der Breite und faßt

in 19 Stichlen 60 Personen.

Eine Vermutung über den Ur-
s p r n n g der Wand- oder Deckengemälde
in Ensmad, aber nur sehr hypothetisch,
mangels jeder urkundlichen Beglaubi-
gung, möchte ich nicht ganz unterdrücken.
Der Annalist Arsenius Snlger 13) berich-
tet unterm Fahr 1661, dem vierten Abts-
jahr von Christoph Raßler, des Restau-
rators der Ensmader Kapelle: Abt

Christoph ließ eine neue Gruft und
Gruftkapelle für die Aebte und Mönche
des Klosters erbauen, die 1661 vollendet
lvurde. Der Maler Christoph Störer
aus Konstanz, ick l e m p oris a 1 e-
m u li n i a o A pell e s nennt ihn der
Chronist, zum Jahre 1661, schmückte den
Altar und die Wände dieser im italieni-
schen Stil erbauten Krypta mit Bildern
a'ns dem Leben des hl. Benedikt. ,,Ora-
torium ex Italorutii ingenio prae-
alta cuppa et fenestrata turricula
Castigiatum." Die picturae funerales
e divi Benedicti historia de-
promptae kopierte dann B. RuPe r t
H e l b l i n g, vivaei p ostea imita-
tione feliciter expressis, die dann zur
Zeit Snlgers (gestorben 1691) in der
Basilika ans der neuen Südseite in der
Nähe der Altäre ausgehängt wurden 1G).
Als Bildhauer war um jene Zeit fürs
Kloster tätig ein Künstler, Schenk, der
die zum Dank für Wiedergenesnng des
Priors Job. Martin Gleiz, des späteren
Nachfolgers des Abtes Christoph, 1671 er-
baute, 1675 eingeweihte Loretto-
k a p e l l e bei Sonderbuch mit geschätz-
ten Bildern, Christus am Kreuz, zur
Seite Maria und Johannes, schmückte ").
Ans einem thronus elegans pro Vir-
ginea Statua und Christi ex sublimi
pendentis simul et adstantium Divae
natris et Discipuli imagines4 * * * 18) prae-
stantissimi ex aetate sculptoris opus.
Ob das Kruzifix in Ensmad am Chor-
bogen genügende Zeichen der Verwandt-
schaft aufweist mit der jetzt in der Ka-
pelle in Sonderbuch stehenden Gruppe,
um einen Schluß auf denselben Meister

1ä) Annales Zwifalt. II, 280.

") Ebenda II, 280.

)7) Sulger, Ann. Zwif. II, 300, 310;
Schurr, Münster zu Zwiefalten, 'S. 30.
War die Slatue -l>er Mutter Gottes schon
vorher foa, !wi'e der Wortlaiut -es helegt?

") Sulger II, 311.
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