Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

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war Mavgareta ton Nellenblurg. Diese war
mit ben Grafen von Vertnigen nächst-
perlwanibt. Deswegen nennt den Bischof b'ile
beiden Veringer Grafen consnnAuinei. Wer
die beiiden Benediktiner Wertem, denen! Ens-
merb vertielhen würbe, ist nicht näher be-
kannt. Vielleicht gehörten beide dem Kloster
Zwiefalten an. Der Bischof verlieh der
Kapelle giulbem Ablässe für das Fest der
Kirchweihe, des Kirchenpatrons nnd anderie
Feste des Kirchensaihrs.

lieber sie Weiterentwicklung Ensinads
geben noch Urkunden des 15. Jährchunderts
erwünschten Aufschluß. Die Urkunde von
1466 nennt als festum cleckieationis das Fest
der hl. Ursula unid i'hrer Genossinen, „die
Hailigen eilftnsent mägt västemit zu Enß-
mad". Äonrad Zindelin von Al>tlhes>in, OA.
Riedlingen, verkauft an bim Pfleger zu Ens-
mad, Jörg Llich und Bentz Mock, wohl Bür-
ger in Ittenhausen, ein Pfund Heller Zins
Riedli nger Währung! ans einem Janchart
Acker am Kbosterweg. Wi^dumacker und S.
Mathiasacker we-riden als Grenzmark an-
gegeben, jedenfalls Llltiheimer Flurnamen.
Der in Allheimer Urkunden öfters als Sieg-
ler genannte Truchseß von Ringingen, OA.
Gammertingen, Junker Heinrich und der
Riedlinger Schulmeister und Staldtarninann
Heinrich Weinschenk hängen ihr Sieget an
den Zinsbrief, der gegeben ist ans Sonntag
nach L. Jörgentag >27. Aprilj 1466.

Die Kirchenpflege von Ensniad gelangte
zu Geld un>b lielh am Reontag nach Michaeli,
1. Oktober 1481, dem Hans Schwenk, Bür-
ger von Altheim, 20 Pfund Heller gegen
Verpfändung mehrerer Güter auf Allheimer
Maükung.

Ende des 15. Jährhunderts leiht Ens-
mad dem Mathias Schlmid von Veringen-
stwdt 21 Pfd. Heller gegen 1 Pfnno Heller
Zins ans mehreren Gätern, seinem Hans
zu Beringen am Markt!und dessen Zubehör.
Der Schmiid gibt als Unterpfand sogar sein
eigen Schmiedgeschirr, „es sig (sei) Ambos,
Balg, Hammer und alles so dar zn gelhört".

Im 16. Jahrhundert ging Ensmäd an
Kloster Zwiefalten über. Das Lagerbuch
des Klosters vom Jahre 1600 ") irennt als
Pächter von 'Ensmäd Marche Kintztoch!.
.Ebenfalls gemeint i!st Ensmad iin Lager-
bnch Nr. 2064 vom Jahr 1626.

Um diese Zeit hat Zwiefalten ein Mis-
fale für die Kapelle gelstiftet, das 1603 ge-
druckt und mit einzelnen Jnili-aken ge-
fchmückt ist.

Gin letztes Aktenstück, das im Reperto-
rium Zwiefalten Ensmads Namen meGet,
handelt von der Bermarlkung der Ensmäder
Halde am 17. Novelmlber 1730. Infolge
eines Streites zwischen! der Gemeinde Itten-
hausen und dem Mesner Jakob Koch zu
Ensmad über die Ensmäder Halde und der
Beholzung 'halber wurlde i-m Beiselin lbe§

"') Staatsarchiv Stuttgart. Rep. Zivie-
falten, Nr. 2041, S. 96.

hochw. Herrn Paters Oekonom Joh. Bapt.
OberMmr, des Johann Maier, lSchrnWeiß,
Michel Ott, herrschaftl. Bürgermeisters, Jos.
Mäher, Guksbürgermeisters, Johann Ott und
Jakob Gahlser, Untergeher, sowie des Jakob
Koch, Mesners zu Ensmad, „vermarkt und
verkochet". Am 28. Febr. 1731 wurde der
Vermavöunlgsunterigang Ibeurkurchet und be-
siegelt.

k)ie ^reskomaler Anton und Job.
Aaptift änderte von Söflingen.

Von Itadtpfarrer W e s e r in Söflingen.

Tie jetzige Vorstadt Ulm-Söflingen
mit über 5000 Einwohnern war im An-
fang des 19. Jahrhunderts noch ein
Dorf Non etwa 1300 Seelen und wird
in früheren Jahrhunderten noch bedeu-
tend weniger Einwohner gezählt haben.
Bei dieser bescheidenen Größe des Ortes
ist es geradezu auffallend, welch man-
nigfaches künstlerisches Streben hier
seine Heimstätte hatte oder von hier sei-
nen Ausgangspunkt nahm. Es wird
wohl wenige Orte von so kleinem Um-
fang geben, die so viele immerhin be-
denkende Künstler hervorgebracht haben
mie Söflingen. Freilich hat daran das
feit der zweiten Hälfte des 13. Jahr-
hunderts hier befindliche Kloster der
Klarissinnen natürlich wohl das größte
Verdienst gehabt. Auf einige dieser
künstlerischen Erscheinungen und Betä-
tigungen muß hier einleitend aufmerk-
sam gemacht werden. Wir hoffen da-
durch auch der kunsthistorifchen Wissen-
schaft einen nnverächtlichen Beitrag zn
liefern.

I. S ö f l i n g e r K u n ft u n d K ü n st-
l e r i m allgemeine n.

Vor allem soll nur im Vorübergehen
erwähnt sein, daß aus Söflingen ein
alter Minnesänger, M e i n l o h v o n
S e v e l i n g e n, stammt, von dem uns
die Literaturgeschichte noch einige Lie-
der aufbewahrt hat, und daß die be-
rüchtigten A m o r e s S o e f 1 i n g e n-
s e s 1), wenn fte auch keinen bedeuten-
den zeitgeschichtlichen Inhalt haben,
immerhin ein willkommenes Denkmal
des mittelalterlichen deutschen Brief-
stils darstellen. Unsere Arbeit kann sich

0 B'ievl'imgs, Alemäunia III (1875),

S. 86 ff.
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