Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

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jedoch hiebei nicht aufhalten, sie wendet
sich der Betrachtung der bildenden
K u n st zu.

Die ältesten Söflinger Denkmale der-
selben, die uns erhalten sind, habe ich
im Jahrgang 1915 dieser Zeitschrift2)
bekannt gegeben in meinem Aufsatz iiber
den Söflinger B o d e n f l i e s e n f u n d.
Seither habe ich noch einige weitere
Muster von Bodensliesen aufgefunden,
die aber leider nicht vollständig erhalten
sind. Ich werde jedoch durch die große
Anzahl verschiedener Muster solcher Flie-
sen in meiner Ansicht bestärkt, die dahin
geht, daß das hiesige Klarissinnenkloster
in seinem eigenen Zi-egelstadel diese
Kunsterzeugnisse für sich und vielleicht
auch für andere Herstellen ließ.

Zugleich mit den Bodenfliesen Halle
ich auch noch eine Anzahl von Teilen
der Gewölberippen aus der go-
tischen Zeit des Klosters aufgesunden.
Dieselben sind ebenfalls aus Ton gefer-
tigt und zeigen eine ganz hübsche Profi-
lierung. Diese Reste des Gewölbes im
alten Klosterbau waren ebenfalls in die
1492, entstandene Klostermauer zur Aus-
füllung des Mauerwerks verwendet.

In der Kunstgeschichte hochbedeutsam
ist der Bildhauer Jörg S y r l i n,
dessen Abstammung von Söflingen ge-
schichtlich erwiesen ist. Sein Vater, der
Zimmermann Hainz Syrlin, wanderte
1412 nach Ulm ein ch. In Söflingen
selbst hat sich Wohl nur ein Werk Syr-
lins oder seiner Werkstätte erhalten. Es
ist dies ein ausgezeichnet fein geschnit-
tener Grab ch r i st u s in Lebensgröße,
der einst an einem Privathaus ange-
bracht war, durch Stadtpfarrer Schö-
ninger jedoch siir die hiesige Kirche ge-
wonnen wurde. Einige andere gotische
Figuren: Johannes und Maria unter
dem Kreuz, die sich in der hiesigen Sa-
kristei befinden, und eine Kreuzigungs-
gruppe in einer Nische am hiesigen
Gasthaus „zum Schatten" dürften kaum
mit Syrlin in Zusammenhang gebracht
werden können. Das Andenken an Jörg
Syrlin ist in Söflingen durch die Be-
nennung einer Jörg-Syrlin-Straße fest-
gehalten, wie auch die Meinlohstraße

5 Archiv f. chr. Kunst 1915, S. 90—99.

1) Mg. Deutsche Möge. XXXVII, 166.

das Andenken des schon genannten
Minnesängers forterhalten will.

Als K l e i n k ü n st l e r kommen viel-
leicht in Betracht die im Raisregister 4)
von 1519 genannten Maister Hans Ring-
macher und Maister Hans Berlinmacher.
Jedenfalls weist die Bezeichnung „Mai-
ster", die bei sämtlichen anderen Namen
fehlt, auf rin besonderes Ansehen der
Bezeichneten hin, deren Kunstfertigkeit
damit wohl hervorgehoben werden soll.

Das Seelbuch des Klosters vom Jahr
1753, durch ein gütiges Geschick wieder
an das Stadtpfärramt gelangt, bietet
einige Notizen iiber den alten K i r -
ch e n s ch a tz d e s K l o st e r s. Darin
find genannt: eine Muskatnuß in Sil-
ber gefaßt, Stiftung des Pfarrers Georg
Mayer in Harthausen; ein silbernes
halbes Brettspiel, gestiftet von der Fa-
inilie Johann Simon und Anna Bar-
bara Meister in München; die Stiftung
des Matthias von Reyschach, gestorben
1581, dessen Grabstein heute noch hinter
dein Hochaltar in di-e Wand -eingelassen
ist. Er war der Vater der Aebtissin
Kleopha von Reyschach, erwählt 1565.
Ans dem Silber, das er vermachte, wurde
das Bild des hl. Franziskus gegossen.
Eine Monstranz um 300 Gülden stiftete
Dominikus Stengel, der" langjährige
Gart-enmeister des Klosters. Alle diese
Gegenstände sind verschwunden bis auf
einen silbernen vergoldeten Kelch, der
von Johann Georg Roth von Ulm ge-
stiftet wurde. Wohl werden diese Dinge
alle nicht in Söflingen selbst gearbeitet
worden sein, so wenig wie die noch jetzt
vorhandenen: Monstranz, Kreuzpartikel,
Kelche, massiv silbernes Meßbuchbeschläg,
zehn silberne Leuchter und -eine silberne
Ewiglichtlamp-e, die alle Augsburger
Arbeit sind. Doch lebte um die Wende
des 18. und 19. Jahrhunderts dahier
ein Goldschmied, von dessen Arbei-
ten heute noch einiges dahier vorhanden
ist. Das war Christian! Schön-
m a it n, Sohn des Goldschmieds Bruno
Schönmann von Jchenhausen, geboren
15. Juni 1777, in Söflingen verheiratet
1802 mit Jsabella Schwarz, Tochter des

0 Berte id-iguny iber Freiheit uns Jinme-
dtetät . . . Das Gotteshaus Söflingen 1772.
Beilagen S. 107. 108.
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