Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

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heiratet mit Klara, die ihm von 1670
bis 1681 fünf Kinder schenkte, darunter
einen am 11. Mai 1676 geborenen Georg.
Dies kann jedoch keineswegs der Ma-
ler Wolcker sein, der erst 1766 im 66.
Jahre seines Alters starb und gebiirtig
von Burgau iit Bayern war. Er lernte
bei seinem Vater und in Augsburg bei
Johann Georg Bergmüller, dem be-
rühmten und schaffensfreudigen Akade-
miedirektor. Er malte um 1733 ein
Deckenfresko in Stetten im Lontal, eine
Madonna in Deilingen, DA. Spaichin-
gen, andere Werke von ihm. befinden sich
in Augsburg, Kaufbeuren, Amberg und
Bamberg. Diesen von Pfeiffer, Male-
rei der Nachrenaissance in Oberschwa-
ben 7), genannten Werken vermag ich
zwei weitere Werke aus Söflingen bei-
zufügen. Das eine ist eine auf Lein-
wand gemalte M a r i ä Hi in m e l -
f a h r t, signiert I. G. Wolcker 1748 und
in der Kirche zu Söflingen befindlich.
Das Bild hatte einen eigentümlichen
Zweck. Es war urspriinglich in den
Orgelprospekt des Singchors der Klo-
sterfrauen eingefügt. In der Mitte des
Bildes ist ein Oval ausgeschnitten, das
durch ein Scharnier geöffnet werden
konnte und der orgelspielenden Kloster-
frau den Ausblick auf den Altar gestat-
tete, damit sie mit ihrem Spiel der li-
turgischen Handlung folgen konnte. Das
Oval stellte im Gemälde gerade nur die
Figur der in den Himmel entschweben-
den Maria dar. Tie Farben dieses Bil-
des sind heute noch frisch und gilt, die
Zeichnung ist flott und sicher. — Ein
anderes Oelgemälde desselben Malers,
signiert I. G. W. 1720, habe ich erst
kürzlich aus Privatbesitz erworben; es
stellt die Stifterin des Klarissinnen-
orden.s, S. Klara von Assisi, dar mit
der Monstranz und ist ebenfalls ein gu-
tes Bild jener Zeit.

Ein zweiter Meister, der für die Söf-
linger Kirche gewonnen wurde, ist K o n-
r a d H über „von Weihenhorn", der
in Altdorf-Weingarten 1752 geboren
ward, sich später in Weißenhorn nieder-
lieh und 1830 starb. Von ihm stammt
das ebenfalls bei Pfeiffer I nicht ge-

0 Württ, ViertÄsahrAheste 1903 (XII),
S. 55.

8) 1. e., S, 57.

nannte große Altarblatt „Mariä Him-
melfahrt" in der Stadtpfarrkirche zu
Söflingen. Das Bild ist signiert:
Hüller pinxit tüeissenlionijii 1822.
Das Oberaltarbild stellt in ovalem Rah-
men „die heilige Familie" dar.

Die Zeichnung ist gut, doch zeigt die
Farbengebung zu wenig Kontraste, um
scharfe und weite Wirkung git erzielen.

Von einigen anderen noch aus Klo-
sterzeiten stammenden Bildern kennen
wir die Meister nicht. Das schon zi-
tierte SeelbnchZ von 1753 spricht von
einem Bild „Mariä vom guten Rat",
vas in reicher Rokokorahme noch unsere
Kirche ziert und einst von R. D. Franz
Manch, Kirchenpräfekt S. J. in Augs-
burg, gestiftet wurde, zugleich mit einem
Bild des hl. Aloisius, das verschwunden
ist. Zwei andere Bilder eines unbe--.
kannten Meisters: ein Salvatorbild nrid
Mariä in Betrachtung, im Chor der
Söflinger Kirche sind laut desselben
Seelbuchs10) von R. 16 Honorius, Ba-
ron von Pemmelberg, des hochfürstlichen
Stifts Kempten Kapitular, gestiftet.
Auch eine auf Holz gemalte „Aebren-
madonna" zeigt ihren Meister nicht an
und dürfte ins 17. Jahrhundert zurück-
reichen.

Von den in Söflingen -beheimateten
Künstlern ist zuerst zu nennen Franz
A n t o n K r a u s, geboren 19. Februar
1705. Er ist das vierte von acht Kin-
dern des Johann Georg Kraus und der
Maria. Sein jüngster Bruder Franz
Karl war Schultheiß in Söflingen, der
am 4. April 1776 im Alter von 64 Jah-
ren am Schlage plötzlich verstarb. Man
liest manchmal"), daß der Künstler aus
einer Schuhmacherfamilie abstanunke.
Die Taufregister geben jedoch darüber
keinen Aufschluß. Die Malerei erlernte
Kraus zunächst bei einem K'lostermaler
in. Söflingen, kam dann nach Augsburg,
wurde Schüler der dortigen Kunstakade-
mie, wo man auf seine Fähigkeiten auf-
merksam wurde. Nach kurzem Aufent-
halt in Regensburg kam er nach Vene-
dig, wo er mit Johann Heinrich Tisch-
bein einer der besten Schüler des Gio-

ll S. 111.

") S. 142.

") Tiöz.-Arch. t>. Schwaden 1905, S. 17.
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