Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

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bannt Battista Piazetta lvurde. Nach
siebenjährigem Aufenthalt in der Lagu-
nenstadt besuchte er andere Städte Ita-
liens, besonders auch Trtrin. Darauf
zog er nach Paris, wo er das einst be-
rühmte Gemälde „Die Snltanin ini
Bade" schuf, jedoch vergeblich feine Aus-
nahme in die Akademie der schönen
Künste erhoffte. Enttäuscht ging er
nach Langres, wo er einige Altargemälde
nnb besonders viele Porträte malte.
Nach seiner Verheiratung mit einer Fran-
zösin in Langres fand er in den Schlös-
sern der Umgebung viele Beschäftigung.
Sodann malte er in der Karthanse zu
Dijon, wie Füßli12) meint, seine vor-
nehmsten Werke. Es waren sieben Bil-
der ans dem Leben Mariens (Anbetung
der Hirten und Könige; Mariä Reini-
gung; Flucht nach Aegypten; Verkündi-
gung; Heimsuchung; Darstellung im
Tempel) und das Speisesaalgemülde:
Magdalena beim Gastmahl des Phari-
säers Simon, das als sein Meisterstück
galt. Trotz der vielen Aufträge kam er
nicht vorwärts. In Schulden gestürzt,
mußte er nach Lyon ziehen, wo er drei
Altarblätter malte, die jetzt verschwun-
detr sind. Hier erreichte ihn die Be-
rufung des Fürstabts Nikolaus 14 von
Einsiedeln, ivohin er nach einigem Auf-
enthalt in Bern reiste. In Einsiedeln
malte er in sechs Monaten das Bild
zum Patroziniumsaltar um 500 Gulden,
das zur Zufriedenheit der Klosterherren
anssiel. 1746 entwarf er das Modell
für bett Chornmbau der Wallfahrts-
kirche. Es wurde ihn: vom Kloster die
ganze Bemalung des unteren Chores
samt Statuen und Bildern, Stukkatnr-
und Marmorarbeit übertragen um 18 000
Gulden nebst freier Station. Noch im
gleichen Jahr begann er das Riesen-
werk mit Hilfe einiger anderer Meister
ltnb fertigte die Fresken: „Das Para-
dies" und „Sodoma". Mitten in den
anstrengenden Arbeiten überfiel ihn
aber eine schwere Krankheit (die Was-
sersucht), die ihn 1748 dem Tode nahe
brachte. Nach seiner Genesung malte
er in dem nahen Willerzell zur Dank-
sagung das Bild des hl. Joseph als
Altarblatt und darauf für den Chor zu

") Alkg. KünsÄer-lexiton, S. 347.

Einsiedeln das riesige Altarbild „Mariä
Himmelfahrt" in Oel ul firesco. Lei-
der wurde dasselbe 1858 von P. v. De-
schwanden fast ganz nett gemalt. Nur
zlvei Engel und ein Apostelkopf von
Kraus sind noch erhalten. Das Stifts-
archiv Einsiedeln bewahrt noch die
Skizze des Originals und eine Rötel-
zeichsnung anf: heilige Familie mit

S. Anna und Engeln von 1723. Nach
Vollendung des unteren Altarbildes
malte er ein gewaltiges Altarblatt
„Christus am Kreuz" für den oberen
Chor, den Mönchschor. Da ihn die
Krankheit wieder überfiel, so konnte er
seine Arbeiten in Einsiedeln nicht voll-
enden. 1749 reiste er über Augsburg
nach Wien, ivo er in „Schloßneugebän"
mit anderen Künstlern zusammenarbei-
tete. Noch wollte er in Wien das Rosen-
kranzbild für Einsiedeln malen, brachte
aber nur noch die Skizze dazu fertig
und die .Zeichnung für die Madonna mit
dem Jesuskind. 1752 kehrte er krank
nach Einsiedeln zurück und glaubte, sein
Werk vollenden zil können. Doch der
Tod nahm ihm bert Pinsel aus der
Hand. In der Benediktuskapelle auf
dem Friedhof zu Einsiedeln ruht dieser
bedeutende Sohn Söflingens. Paul
Beck, dessen Biographie des Malers 13)
ich im Vorstehenden gefolgt bin, meint,
in Süddeutschland wisse er nur ein Werk
von Kraus, nämlich das Leinwandge-
mälde: „Maria mit dem schlafenden
Jesuskind im Schoße", das früher im
Speisesaal des Bittricher Nonnenklosters
zu München sich befand. Auch Pfeiffer
meint, daß sich in Oöerschwaben fein
Bild von Kraus vorfinde. Demgegen-
über mache ich auf die Tradition in
Söflingen aufmerksam, wonach das
Seitenaltarbild in der hiesigen Stadt-
pfarrkirche: „Joachim, Anna und Ma-
ria" von Kraus herstammt.

lieber den Künstler schreibt P. Galt,
v. Satzkern in seinem Tagebuch, er sei
eitr sehr gescheiter Mann von reichem
Wissen und ein ausgezeichneter Mal-
künstler gewesen; vornehmlich habe er
sehr gut verstanden, bei der Darstellung
von Personen die Natürlichkeit und

") Diüz.-Archiv von Schwallen 1605,
S. 17 ff.
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