Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

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Eigentümlichkeit auszudrücken. Eine
sehr gute Zeichnung itnb ein kräftiges
Kolorit wird ihm nachgerühmt. Füßli
schreibt, er habe in seinen Farben sehr
viel Beergelb und Auripigment ver-
wendet, weshalb sich seine Gemälde nicht
gut halten. An seinem Charakter ta-
delt derselbe, er habe gern andere ge-
ring geachtet und sich felbft in zu hohem
Selbstbewußtsein überschätzt. Jedenfalls
aber müsse er unter die guten Künstler
gezählt werden. .

Durch irgendwelche Werke nicht be-
kannt ist eine Reihe von Persönlichkei-
ten, die in den Matrikeln von Söflingen
als pietor bezeichnet sind, womit wohl
zumeist Klostermaler gemeint sind.

Der älteste, den ich so bezeichnet sinde,
ist Johann Jakob S t u d e r e r,
der sich lant Taufregister von 1661 und
1663 einige Jahre hier aufhielt. Er und
seine Frau Barbara werden parentes
vagabundi oder sine domicjilio ge-
nannt, haben aber bei der Tause von
zwei Kindern Paten aus den damals
hier angesehenen Familien Balezhauser
und Zimmermann.

Ein Philipp Jakob S ch w e g -
le r, 1702 geboren und 1738 gestorben,
wird ebenfalls als Maler aufgeführt.

Am 15. Juli 1725 ist K o n r a d
H e I b l i n g, Helveta, artis pjictoriae,
Pake bei einer Taufe. Er könnte ein
Verwandter sein des P. Rupert Helb-
ling in Zwiefalten, der mit und nach
Christoph Störer aus Konstanz, der der I
schwäbische Apelles genannt wurde, die
Grabkapelle des Klosters Zwiefalten mit
Gemälden ans der (Mckstchte des hl. Be-
nediktus schmückte

Zwei junge Diener der Malkunst
raffte der Tod in jugendlichem Alter
hinweg: Anton Deschler, gestorben
am 5. Januar 1761, 25 Jahre alt, nnb
Christian Wiede m a n n, pietor,
der am 1. Mai 1771, 24jährig, starb.

lieber zwanzig Jahre lang muß sich
hier aufgehalten haben Johann M a-
r i a n it s (M aria M att h,ä u s)
Flein er, Maler und Blumenmacher,
der, 52 Jahre alt, am 11. Mai 1790

") Holzlherr, Gesch. d. Abtei Zwiefalten
188?, T. 132.

verstarb. Bei einem Kinde, das ihm
hier geboren wurde 1774, war Pate
Franz Raver Fleiner, kaiserlicher Ritt-
meister und Generaladjutant, und Ma-
ria. Angela Mauch, ledige Tochter des
Klosterhofmeisters Johann Nepomuk
Manch.

Aus der einst weitverzweigten hiesigen
Familie Rosenkranz stammte der Maler
Franz Rosenkranz, geboren 1738,
gestorben 1819.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts
lebte und malte dahier I o h a n n N e-
p o m u k M i ch a e l v. M >e i ch s n e r
(Meixner) aus Engen, Sohn des Mat-
thias Meixner, der schon 1737 hieher
kam. Nach dem hiesigen Familienregi-
ster wurde er geboren am 17. Septem-
ber 1737 zu Feldkirch im Breisgau, be-
suchte die Wienjer Akademie, ließ sich
später in Söflingen nieder, wo er am
30. Januar 1814 ledig starb. Pfeiffer,
Malerei der Nachren.aissance in Ober-
schwaben, bezeichnet ihn als „gesuchter
Porträtist in Pastell und Del". Dahier
befinden sich meines Wissens noch vier
Bilder von seiner Hand, die alle von
ihm signiert sind: Ein dorngekröntes
Haupt Christi, in Privatbesitz; ein Kreu-
zigungsbild, auf Holz gemalt, in einem
Zimmer der kathol. Volksschule, bezeich-
net mit Meixner 1813 aetatis suae76;
ein Christuskopf auf Pappe, abstoßend
gemalt, signiert Jo. v. Meichsner, beeil
1805; und ein Madonnenkopf mit der-
selben Signierung von 1805, letztere
beide in meinem Besitz und schlecht er-
halten.

Eine ganze Malerfamilie tritt uns
noch entgegen mit den Walser aus
Söflingen. Der älteste derselben T h o-
m a s Walser stammt aus Erbach,
ließ sich hier nieder und starb als Oeko-
nom und Koch des Klosters in Armut.
Sein Sohn A n ton Wal s e r, gebo-
ren 1726, gestorben 1772, war ebenfalls
Maler. Dieser hatte zwei Söhne, die
des Vaters Kunst übten, Benedikt
Wals e r, geboren 1753, gestorben 1818,
und Anton Walser junior, gebo-
ren 1770, gestorben 1830. Ein F ranz
Anton Walser, piedor, fiel, aus
der S chlö ß les Wirts cha it heimkehrend,
in die Blau und ertrank am 15. Juli
1770. Erst am 25. Juli wurde auf
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