Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

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Hinter Markung fein Leichnam gefun-
den. Er war 44 Jahre alt. Seine nähe-
ren Verwandtschaftsverhädtuisfe lassen
sich nicht recht ausmachen. Der bedeu-
tendste aller dieser Walser war jeden-
falls Benedikt Walser. Von seiner
Hand stammt das Altarbild in Weidach,
Pfarrei Herrlingen. Es ist signiert mit
B. Walser von Sesslingen 1700 und
stellt dar S. Wendelin, vor einer Hiitte
in weiter Landschaft sitzend, die mit
verschiedenen Arten von Haustieren be-
lebt ist. S. Wendelin ist ein Bauern-
patron und Beschützer des Viehes. Ein
anderes Gemälde dieses Malers besitzt
das Gewerbemus-eum Ulm. Es stellt dar
einen Deutschordensritter und ist vom
Künstler bezeichnet: „Benediktus Wal-
ser, Mahler von Sesslingen 1795." Das
Porträt ist sehr gelungen und gut ge-
malt und bedeutend besser als das Wei-
dacher Altarbild.

Die Klostermaler beschäftigten sich
mit Darstellung von Heiligenbildern aller
Art und besonders mit Porträtieren.
Sie malten Votivbilder, wie sie heute
noch in Söflingen und Klingenstein,
Oberherrlingen zu sehen sind. Auch die
Hiirterglasmalerei übten sie ans. Ein
solches Hinterglasgemälde mit Kloster
Söflingen befindet sich im Gewerbemn-
seum zu Ulm. Sie schmiickten auch die
Fronleichnamsaltäre mit ihren Bildern,
wie heute noch einer in Söslinger Pri-
vatbesitz und ein anderer tut Besitz der
Kirche von Söflingen ist. Ihnen ist die
Fassung der setzt noch in Söflingen
zahlreich vorhandenen Krippen und
Krippensignren zuzuschreiben. Auch die
früher viel beliebten Fahnenbilder, auf
Leinwand gemalt, stammen von ihrer
Hand. Sie besorgten für Kirchen und
Privathäuser malerische Reparaturen
aller Art nnb verschmähten es auch
nicht, hie und da einen Plafond in bes-
seren Häusern zu malen. Außerdem
gaben sie auch vielsjach Unterricht in
ihrer Kunst, wie wir schon bei Franz
Anton Kraus gehört haben, daß er bei
einem Klostermaler in die ersten Ge-
lleimnisse der Kunst eingeweiht wurde.
Alles in allem wird aber das Einkom-
men derselben kein glanzendes gewesen
sein, und manch einer wird sich noch
irgend ein Postchen im großen Haus-

halt des Klosters zu gewinnen gesucht
haben.

Zn den genannten Matern, die mehr
oder weniger künstlerisch hervorragend
waren, gesellen sich nun noch.die Namen
der beiden15) Enderle von Söflingen:
A n t o n uüd I o h ain n B a p t i st
E n d e r l e, deren Wirksamkeit näher
betrachtet werden soll.

II. Absta m m u n g, L e b e n u n d
Wirken des M a l e r s A n t o n
E n d e r l e, G ü nzb u rg.

Einige der weiterstrebenden Söflin-
ger Maler haben es teilweise verinie-
den, bei ihren Signierungen ihren Ge-
burtsort zu nennen und statt dessen den
Ort ihres bevorzugten Aufenthalts bei-
gesetzt. Daher kommt es, daß es von
Franz Anton Kraus lange Zeit nicht
allgemein bekannt war, daß er von Söf-
lingen abstammte. Fiißli a. a. O. sagt,
er sei von Augsburg gewesen. Ebenso
nennt Anton Enderle immer Günzburg
bei seinen Unterzeichnungen, während
Johann Baptist Enderle beifiigt: aus
Donauwört oder Mindelheim. Und
doch kann es nicht dem geringsten Zwei-
fel unterliegen, daß sie alle Söslinger
Herkunft sind.

Bis an den Anfang des 16. Jahrhun-
derts hinauf sind dm Enderle in Söf-
lingen als eine weitverzweigte Familie
ansässig. Schon im Raisregister des
Klosters vom Jahre 1519 kommt ein
„Enderlin" vor, der als Christian Wag-
ners Tochtermann näher bezeichnet ist ").
Vom Jahre 1615 an bis heute habe ich
aus den Matrikelbüchern nicht weniger
als 73 verschiedene Familien dieses Ge-
schlechtes feststellen können, das heute
noch blüht. Die Angehörigen dieser Fa-
milien widmeten sich meift den ehrsamen
Handwerken der Bäcker, Metzger und
Weber. Manche betrieben das Wirts-
gewerbe und gelangten im Dorfe zu An-
sehen und Bedeutung. Der Metzger
Johann Michael Enderle, 1746—1807,

") Es sind nur dielst beiden. Ein ,Joseph
Enderle, der ' in SteichÄö, Bisiulm Augs-
burg, II, 352, erwähnt wird, existiert nicht.
Der Name Joseph 'ist iFaLschstfuing für Jo-
hann >Baiptilst.

Verteidigung der Freiheit un!d Jm-
medietät usw., S. 109.
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