Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

Seite: 26
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getstovuug des Bevsafsors Pür seine Dhelsen.
Das Wüchseür ist un'sereit -Kirchenchöven ge-
wtidlnret und wind für alle von Interesse feilt,
die den Choral vevstelhoir nn!d pflegen wollen.
Manche Vorurteile uatib Mißverständniss c
weöden mit kurzen u>Nd markigen Worten
abgetan, u>ud treffliche praktische 'Winke über
Eintibung und Bortrwg, des Chorals gegeben.
Ine „AusWaug", S. 66, mahnt der Verfasser:
„Wie die Kirche wollen wir das 'Ctflte, teure
Reislein hüten und aufwachsen und aus-
blühen lassen in neuer Kraft." Der zweite
Teil, „Winke" betitelt, bietet eine reiche
Auswahl von Literatur über ChorNl, theo-
retisch und praktisch. Die vornehme künst-
lerische Ausstattung des «Büchleins eignet
dasselbe sehr gut zu Festgaben an Sänger,
Lehrer und DHeologiestudierende. W.

Studien zur deutschen K u n st -
g e s ch i ch t o. Heft 187. D e r W u -
g e u in der Religion; seine
W ii r d i g u n g i n d e r K n n st. Von
I)r. G. P r n u s n i tz. Mit 19 Licht-
drucktafeln. Straßbnrg. I. H. Ed.
Heitz, 1916. Text 192 Seiten. 8 M.
Wieder hat sich der Verfasser einen Ein-
zelgcgrnstand, der auf den Bildwerken der
Kunst dargestellt ist, h e rau sgeg rissen, um
ihm eine spezielle Analyse zu widmen. Dies-
mal ist cs der Wagen. Nachdem zunächst
der Wagen in Literatur und Kunst vom all-
gemein mythologischen Standpunkt aus be-
handelt wurde, werden die Mythen und Be-
trachtungen, die sich im Zusammenhang mit
den Gottheiten der Sonne, des Mondes und
der Sterne bieten, besprochen. Darauf wird
der Wagen, wie er in den Bildern der Bibel
und anderer hl. Bücher und in der Kirche
vovkommt, näher geschildert. Der letzte Ab-
schnitt verbreitet sich über die Rolle des Wa-
gens auf Grabdenkmälern und bei Bestat-
tungen. Während wir den Erörterungen
des Verfassers über den Wagen als Syntbol
göttlicher Kraft und Macht, «wie sie bei fast
allen Kulturvölkern uns entgegen tritt, bei-
treten, können wir ihm doch nicht folgen
in dein etwas merkwürdigen Satz: „Durch
eine einfache Umwandlung des Lichtgottes
entstand der der Erde entrückte Staubgebo-
rene, der Prophet Elias, der, ohne den Tod
gekostet zu haben, den Himmel erreichte..."
Sonst ist tu der Schrift eiste Fülle von Stofs
verarbeitet, die des Interessanten gar vieles
bietet, besonders die Abhandlung über Pro-
zessionswagen, Triumphwagen und Toten-
wagen. Was das Buch besonders wertvoll
macht, sind die von der Frau des Verfassers
hergestellteu Photographien. Auf 19 Tafeln
finden wir nicht weniger als 66 Einzelbilder,
die ein erstaunlich reiches Jllnstrations-
material darbieten. Als von besonderer
Merkwürdigkeit möchten wir die beiden Ab-
bildungen von Christus in der Kel-
ter herausheben, Nr. 81 und 32 (dazu Text

S. 52). In einem Glasfenster der Kirche
St. Etienne-dn-Mont in Paris liegt Chri-

stus im Keltertrog, über ihm das Kreuz,das
als Kelterbaum ihm das Blut auspreßt,
welches in Fässer gefüllt wird, die aus einem
von den Evangelistenshiiibolen gezogenen
nnld geleiteten (Engel) Wagen über die Welt
hingeführt werden .Jit einem älteren Oelbild
in St. Lorenz in Nürnberg ist Christus als
Keltertreter äbgelbildet. Auch hier wird das
Blut Christi von einem Papst und Bischof,
die auf einem vom nimbierten Lamme ge-
zogenen Wagen sitzen. Wer die -Erde hin
ansgeteilt, nebenbei ein hübscher Beitrag
zur Monographie der im Mittelalter und
bis zum «Ende des 18. Jahrhunderts herauf
(in Kupferstichen) beliebten Darstellung
Jesu als K e l t e r t r e t e r. Möge auch
dieses Werk recht viele Freunde der Kunst
erfreuen und zum Weiterstudium begeistern!

W e s e r.

B i e d e r m e i e r - G r a b m q I c r und
ihre Beschriftung von Friedhöfen der
Ostmark. 27 Tafeln maßstäblicher
Aufnahmen und 18 Lichtbilder von
Prof. Dr. ing. Alfred Grott e.
Band 1. Verlag Ernst Wasuiuth,
A.-G., Berlin W. 8. 1916.

Hier komint ein begeiisterter Lobredner
des Biedermeierstils in der Gräbdenlkmal-
srage zum Wort. Nachdem Ende des 19.
Jahrhunderts (bie „historischien Stile" ab-
gewirtschaftet hatten, fand in Künstler- und
Auftraggeberkretfen- auch di-e Kunst des Bie-
dermeier viel AuVIiang. Dieser Stil «sucht
mit einfachen FoNnien >StiMlmungs!werte zu
schaffen. Leider tritt sedoch das urchristliche
Symbol des Kreuzes bvdenMich zurück. Da-
für fanden Urnen, lodernde Flammen, Bahr-
tücher, Säulenlstüinpfe häufige lAstw-endun-g.
Verfasser bietet in 'seiner lehrreichen Schrift
Beispiele von diesenr „letzten 'Einheitsstil des
deutschen VoMes" aus der Provinz Po>sen
von polnisch katholischen, evan>gelifchlen u-nid
von einenr indischen Friedhof. In einsamer
Belsonderheit ragt aus den bei!geb-vachten
Beispielen das Staiidbild der J!MM!äkulatn
auf dein alten katholischen Pfarrfrieidhof Ml
Pösen hervor. «Es ist wirklich leim Zweifel,
daß dieser Stil wirklich intime Stimmungen
hervorzurufen imstande ist, wenn auch das
christliche Gemüt am Feihlen fast sedes christ-
lichen SylMboW 'Anlstoh zu nehmen Grund
hat. Doch läßt sich auch mit diesen Formen
das Symbol des Kreuzes verb'inden, wie das
Bild des -Mausoleums Tafel 21 und 22 zeigt.
In der Einleitung spricht der Verfasser über
Steinmaterial, über Form und Größe der
Graibsteine und dann noch über Schrift und
Jrischrift sehr beherzigonsiwerte Gedanken
aus, Nicht ohne d-em iProtzentum und der
„Pluitarchie" neuzeitlicher Friedhöfe Wahr-
heiten zu sagen und ihre Wordringlichkeit
am Ruheplatz der Toten als etwas „ungemein
Gemütlofes" zu >br>andnrarken. Beim Ka-
pitel über Inschrift wendet sich! der Verfasser
mit Recht gegen die bloße Zitation der
Hl. Schrift) z. B. Pst 19, 10, statt des ent-
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