Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

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Epistelseiter Maria reicht dem hl. Do-
minikus den Rosenkranz.

Das Bilderwerk weist ungemein rei-
chen Inhalt auf, aber die Art der Ma-
lerei kann nicht befriedigen. Das über
die Malereien der.. Giinzburger Frauen-
kirche Gesagte trifft hier in erhöhtem
Maße zu. Dabei machen sich besonders
störend bemerkbar die unproportionier-
ten, verhackten menschlichen Figuren.

Ausgezeichnet ist in der Kirche die
seine Stuckumrahmung der einzelnen
Fresken. Sie wären eines besseren In-
halts wert. Die Kirche ist sonst sehr gut
restauriert.

Ein paar hundert Schritte vor dem
Orte Mindelaltheim stebt aus einem
mäßig ansteigenden Gelände die Ka-
pelle H e i l i g k r e u z, ein altes
Wallsahrtsheiligtum. Dasselbe wurde
im Jahr 1753 wohl av. der Stelle eines
älteren Baues vollendet. Der Grund-
riß bildet ein Kreuz, dessen Chorapsis
und Seitenapsiden gleich lang sind. Die
ganze Barockarchitektur ist wunderbar
sein abgestimmt, es ist baulich eine ganz
eigenartig schöne und das Auge befrie-
digende Anlage. Diese Wallsahrtskapelle
durste Anton Enderle 1754 mit Fresken
ausmalen, die sich sämtlich aus das
Kreuz Christi und dessen Früchte und
Segnungen beziehen.

Das Chorplasondgemälde gibt fol-
gende Darstellung: lieber der Weltkugel
ruht eine von Engelshänden gestiitzte
Schale, „ein heiliger Gral", aus deren
Boden das Kreuz mit dem Gekreuzig-
ten hervorwächst, aus dessen Wunden
das heilige Blut in die Schale rinnt.
Ein Engel trägt von links eine Schale
voll glühender Herzen zu dem Gekreu-
zigten heran, während rechts ein Engel
in grünem Gewände mit dem Anker
steht. Das sinnbildet die Liebe zum
Gekreuzigten und die Hoffnung aus den
Kreuzestod und das Kreuzesheil. Es
ist das gemalte: Ave crux spes unica,
Sei gegrüßt, o Kreuz, du einzige Hoff-
nung! Diese Gefühle bringen dem
Kreuz die Vertreter der vier Weltteile
entgegen, die das Kreuz verehren: Eu-
ropa, eine Frauengestalt mit Kelch und
Tiara; Afrika, ein reich geschmückter
Neger mit Sonnenschirm und glänzen-
dem Gefolge; Amerika, ein Indianer in

grünem Gewand; Asien, eine blau ge-
wandete Gestalt mit Halbmond und
Rauchfaß und zahlreichem Gefolge. Dar-
unter steht der Vers: „Verkündet ihn,
was David sang, als sein prophetisch
Lied erklang, verkündend aller Nation:
Vom Holz wird herrschen Gottes Sohn."
Rechts und links von diesem Bilde sind
zwei Kartuschen, rot in rot gehalten, mit
den Darstellungen: 1. Moses wirst ein
Holz ins Wasser, daß es trinkbar wird.
(Das Holzstiick hat Kreuzesgestalt.) Dar-
unter steht: lignum dulce fecit gu-
stari nt possit amarum Exod 15, 25.
2. Moses schlägt an den Felsen, und er
gibt Wasser; darunter: percussit pe-
tram et fluxerunt aquae Ps. 77, 20.
Ein weiteres Kartuschenbildchen ist iiber-
weißnet, weil Wohl abgefallen (am inne-
ren Chorbogen).

Das Hauptbild im Querschisf ist ein-
mal überweißnet worden. Bei der vor
dem Krieg begonnenen Restauration
wurde es teilweise wieder aufgedeckt.
Es ist aber nicht ganz erkennbar. Jnr
Hintergrund eine Tempelarchitektur, ein
Kriegsmann und ein Bischof zu Roß,
rechts am Rande des Bildes der dorn-
gekrönte Christus und Soldaten mit
Speer. Es ist jedenfalls nach der rich-
tigen Deutung des Herrn Pfarrers
Pröbstle von Mindelaltheim die Szene
ausgesührt, wie Kaiser Heraklins nach
seinem Sieg über den Perserkönig Chos-
roes am 14. September 629 das wieder-
eroberte Kreuz in die Sophienkirche zu
Konstantinopel in kaiserlichen Prunkge-
wändern übertragen wollte, vor dem Tor
aber keinen Schritt weiter gehen konnte.
Da macht ihn der Bischof aus die Art
aufmerksam, wie der öorngekvönte Hei-
land sein Kreuz getragen hatte. Hier-
aus legte der Kaiser den weltlichen Prunk
ab und vermochte so das Kreuz in die
Kirche zu bringen. Also haben wir hier
ein K r e u z e r h ö h u n g s f e st b i I d.

Auch dieses Gemälde ist von vier Kar-
tuschen umgeben, die gelb in gelb ge-
malt sind: 1. Das Kreuz, angerusen in
Krankheit, Unterschrift: Ein Mittel dei-
ner Seelen kannst allhier erwählen.
(Die Buchstaben mit Zahlenworten er-
geben die Jahreszahl 1764.) 2. Das

Lamm Gottes aus dem geheimnisvollen
Buche, aus seiger Wunde fließt sein
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