Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

Seite: 33
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Zahl der Kirchenmaler hervor, -die in
der baulustigen Zeit des Spätbarocks
und Rokoko die allenthalben, besonders
in Siiddeutschland entstehenden Kirchen-
nnd Klosterbauten ausschmückten.

Während bis 1700 in Augsburg keine
.Kunstschule vorhanden war und die
Künstler jeder fiir sich manchen Schil-
lern Zeichenunterricht gaben, wie z. B.
Johann Sigmund Müller (ca. 1670)
und der Kupferstecher Elias Hainzel-
mann (f 1693) 19), wurde im Jahre 1710
eine städtische Akademie vonc Rate ge-
gründet, die auf dem Metzgerhause un-

metrischer Körper für den Unterricht in
der Perspektive, eine Sammlung von
Kupserstichwerken nach den berühmtesten
Meistern, besonders der italienischen
Schicken, Ausstellungssäle für Kuust-
schülerarbeiten und Zeichnungsunterricht
usw. Der große Saal war von Joseph
Huber 1783 mit einem Deckengemälde
geschmückt worden: Die Zeit befreit sich
voll der sie verhüllenden Decke, während
Minerva und Merkur erscheinen und
den Neid und die Dummheit in den Ab-
grund stürzen.

Der Rat bestellte fiir die Akademie

Kren zig ungsgruppe von I. B. Enderle,

Deckenfresko in der ehemaligen Augnstinerklofterkirche zu Oberndorf a. N. (1778).
Noch einer Kopie von Kunstmaler W. Klink in Horb a. N.

tergebracht war. In diesem Gebäude,
das zuerst in einem unpassenden, elen-
den Zustand war, wurden mit der Zeit
mehrere Säle und Räumlichkeiten teils
für den Unterricht, teils für Sammlun-
gen eingerichtet. Da waren Sammlun-
gen von Gipsabgüssen von berühmten
Antiken wie Laokoon, Najaden, Borghe-
sischer Fechter, aber auch von Klein-
kunsterzengnisien, Sammlungen stereo-

Bergt zum Folgernben: Paul v. Stet-
ten, Kunst-, Güwerde- und Handln,evks-
geschichte der ReichAstaidt lAugsiburg, Augs-
burg 1799, und derselbe, Beschreibung der
Reichsstadt Augsiburg, 1788.

jeweils zlnei Direktoren, einen katho-
lischen und evangelischen, lauter Künst-
ler von Ruf und Namen. Die Namen
dieser Direktoren waren: Georg Phi-
lipp R il g e n d a s, Sohn eines Uhr-
machers, geboren 1666, gestorben 1742.
Er war Schüler der Römischen 'Akade-
mie gewesen icnd hatte dort den Namen
„Schild" erhalten. Johannes R i e -
g er, gestorben 1730, mit seinem röm.
akademischen Namen „Sauerkraut", war
Historienmaler. Gottfried Eicht er,
Sohn des Kunstschreiners Heinrich E.,
bildete sich in Italien, Wien u. a., hatte
den Titel eines Kurpfälzischen Hosnra-
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