Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

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lers und wurde Direktor nach Rngen-
das^ Tode. Geboren 4677, starb er 1756.
Job. Georg Bergmüller von Türk-
heim, lernte bei Andreas Wolf in Mün-
chen, bei Carlo Maratta in Rom, in
Düsseldorf und den Niederlanden. Er
war ein ungemein fruchtbarer Künstler
in Freskomalerei und Radierung, wurde
1720 Direktor, war bischöfl. Hof- und
Kammermaler, geboren 1688, gestorben
1762. Nach Eichlers Tode 1769 wurde
Akademiedirektor Johann Elias R i c -
dinge r, Tiermaler, geboren in Ulm
1698, gestorben 1767; Matthäus Gün-
ther, geboren 1706 zu Bissenberg bei
Landsberg, lernte in Mnrnau, dann bei
Asam in München, Nachfolger Bergmül-
lers als Direktor. Johann Joseph An-
ton Huber, geboren zu Augsburg
1737, Akademiedirektor 1784, gestorben
1815 20), Nachfolger Bergmüllers. End-
lich Johann Esaias Nilson, geboren
zu Augsburg 1721, Sohn des Minia-
turmalers Andreas Nilson, Kurfürstlich
Pfälzischer Hofmaler.

Tie Namen dieser Kunstlehrer sind
eine Bürgschaft für l einen tüchtigen
Kunstbetrieb cm der Akademie und
eine zünftige Schulung der kunst-
beflissenen Schüler. Es läßt sich nun
leider nicht mehr ausmachen, welchem
der Lehrer Johann Baptist Enderle
seine Schulung verdankt. Der Zeit nach
dürfte hauptsächlich Johann Geoxg
Berg m ü l ler in Betracht kommen.
Ans der Zeit seiner Lehrjahre ist mir
ein bisher in der Literatur uicht ge-
uanutes Werk Enderles bekannt gewor-
den: das Altarbild in der Dreifaltig-
keitskapelle auf Schloß Klinge n st e i n
bei Herrlingen (Ulm) von 1746.

Ungefähr 1753 kam Enderle nach
D o n a lt w ö r t h. Hieher hatte ein Jo-
hann Benedikt Reißmüller, Maler von
Friedberg (Bayern), sich mit Maria The-
resia Beck, verwitweten Malerin in Do-
nauwörth, verheiratet, am 23. Juli 1754
das Bürgerrecht erhalten und mit der
Malerwitwe zugleich die Malerwerk-
statt erheiratet. Bon diesem Maler

20) liefet diese alle s. Pfeiffer, Malerei
der 'Nachrenaiss. in Oferfchiwafen-, Württ.
Viertetsalhrh. XII, 1903, S. 23—61.

Reißmüller existiert in M ü n d l i n g
in der Kirche ein Fresko über dem Hoch-
altar: In einer gemalten Hallenarchi-
tektur erhebt sich zwischen den Säulen
ein Baldachin, unter dem auf einem
Throns Maria mit dem Jesuskind aus
dem Schoß sitzt; rechts steht St. Joseph
und ein anderer Mann, links Zacharias
mit Buch und Brille, dann Elisabeth,
die den kleinen Johannes, der ein Lamm
trägt, zu Jesus hinführt. Zu äußerst
links und rechts steht je eine Blnmen-
vase. Das Bild ist ganz ordentlich ge-
zeichnet und gemalt und trägt die Sig-
natur I. B. Reißmüller 1752. Es
wurde 1913 restauriert. Das Bild war
wohl das letzte Werk Reißmüllers. Er
muß bald darauf gestorben sein. Die
weitere Ausmalung der Kirche besorgte
später Enderle.

Dieser heiratete nach Reißmüllers
Tode dessen Witwe 1755 und gewann
mit ihr Malerlverkstatt und Kundschaft
seines Vorgängers. Seine nunmehr
37jährige Frau war selbst die Tochter
eines Malers Baur und heiratete nun
znm drittenmal einen Maler, zuerst Beck,
dann Reißmüller, zuletzt Enderle. Dein
jungen, selbständig gewordenen Meister
fiel es nicht gleich ein, sich in die Zunft
und ins Bürgerrecht aufnehmen zu las-
sen, um unaugefochten seine Kunst be-
treiben zu können. Deswegen verklagte
ihn die Zunft beim Rate der Stadt.
Das Ratsprotokoll vom 10. Juni 1755
berichtet: Ein ehrsames Handwerk der
Schreiner, Glaser, Drechsler, Maler, Or-
gelmacher und Bildhauer läßt untertä-
nig beibringen, wie daß sich der jüngst
zu der verwittibten Reißmüllerin, Ma-
lerin, hereingeheiratete Maler, namens
Enderle, weigern will, sich in ihre Zunft
einschreiben zu lassen. Es seien auch
die andern Maler in ihre Zunft einge-
treten, man soll auch ihn anhalten. Es
wird vom Rat beschlossen: Der neu Her-
ei ngeheiratcte Maler Enderle hat sich
bei der behörigen Zunft einschreiben zu
lassen und so in alle Wege zu tun und
zu beobachten, was einem Mitzünftigen
zusteht und obliegt. Enderle fügte sich
der Unordnung. Im Einschreibbuch der
Schreiner-, Drechsler-, Schäffler-, Gla-
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