Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

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Hang zurück vor der sehr bewegten
Szene. Die Skizze ist in Burgau aus-
geführt. Ob und wo die anderen aus-
geführt sind, ist mir noch unbekannt.

Der Sohn des Malers Lauter, hier in
Fürth jetzt wohnt, besitzt ebenfalls noch
einige kleinere Zeichnungen oder Bild-
chen von Johann Baptist Enderle. Die
im Stadtarchiv befindlichen Handzeich-
nnngen sind von Enderle nicht signiert,
stammen aber zweifellos von seiner
Hand.

Eine Reihe von anderen Skizzen be-
sitzt das Gewerbemuseum zu lllnn Es
ist ein ungemein giitiges Geschick, das
diese ausgezeichneten Skizzen wieder in
die Nähe der Heimat des Kiinstlers ge-
führt hat. Sie iibertressen an Sorg-
fältigkeit der Ausführung, an Genauig-
keit der Zeichnung und des Farbenent-
wnrfs nnb an Wichtigkeit für die Be-
urteilung des Meistens weit die im Do-
nauwörther Museum vorhandenen Stücke
und Wecken für sich allein schon das Ent-
zücken der Kunstverständigen. Einst
waren sie im Besitz des Pfarrers Diete-
rich von Böttingen bei Münsingen, der
sic im Jahre 1855 dem Gewerbemuseum
in XUrrt oder vielmehr dem Verein für
Kunst und Altertum in Ulm geschenkt
hat. Sie werden wohl zum erstenmal
in diesen Blättern in ausführlicherer
Weise bekannt gemacht, wenn sie auch
schon hie und da gelegentliche Erwäh-
nung gefunden haben.

1. Das der Größe nach bedeutendste
Stiick ist ein Entwurf für ein Decken-
fresko, der irrtümlich (nicht von En-
derle) bezeichnet ist mit „St. Mo ritz-
kirche in Rammingen" 1769. Er ist
vielmehr für die St. Ddagnuskirche in
Untelrrlammingep bei Türkheim. Die
Kirche, eine der schönsten in der Ge-
gend 21), wurde erbaut 1767. Für sie
machte Enderle die Entwürfe und führte
sie auch aus. Der Entwurf ist von ihm
selbst gezeichnet: Joh. Enderle f. 1769.
Dargestellt ist in demselben das Wirken
des großen Apostels des Allgäus, des
hl. Magnus, in vier Szenen: der Ab-
schied des Jünglings von seinen Eltern
in Farbenskizze:- die Vertreibung der

2 st SteichÄe, Bist. AngsbuOg II, 386.

wilden Tiere aus der Gegend, in der
er sich niederließ; die Predigt des Hei-
ligen; sein Tod, letzterer nur in Feder-
zeichnung, die beiden vorhergenannten
in getuschter Zeichnung. Das Blatt
zeigt also genau die vorbereitende Tä-
tigkeit des Künstlers von der Zeichnung
bis gur Farbenskizze und ist darum ein
sehr interessantes Stück. Die Mitte
der Zeichnung bildet eine Glorie, deren
Mittelpunkt ein Auge Gottes in einem
leichten feinen Stvahlenkreis ist. Un-
terhalb desselben sitzt, gelehnt an die
Weltkugel, eine Frauengestalt mit Zep-
ter (Kirche oder Maria?). Um den
Strahlenkreis schweben zierliche Engels-
gruppen. Die Maße der Zeichnung des
ganzen Blattes sind 78 Zentimeter lang,
62 Zentimeter breit.

2. Das zweite Blatt ist ganz getuschte
Federzeichnung und stellt das Gebet des
Papstes Pius V. (?) um den Seesieg
von Lepanto dar, ist gezeichnet Joli.
Enderle fee. Die Zeichnung ist 66
Zentimeter lang, 47 Zentimeter breit.
Bon Enderles Hand ist beigefügt: „l.
46 schuh, breit 34 schuh"; das sind die
Maße der Ausführung, welche für die
Kirche gu Seeg im Allgäu geschaffen
wurde.

3. Eine prächtige Farbenskizze schil-
dert das Martyrium dos Bischofs Ig-
natius von Antiochien, der im Circus
niaximus zu Rom den Löwen vorge-
worfen wurde. Vorzüglich ist die Per-
spektive in der Darstellung des Zirkus,
über dem sich eine duftige Glorie mit
dem Bilde des Heilands und Engels-
gruppen wölbt. Das Blatt ist gezeich-
net: J. Enderle inv. Die Zeichnung
hat eine Länge von 63 Zentimeter und
eine Breite von 46 Zentimeter und ist
ausgeführt in der St. Jgnatinskirche
in Mainz.

4. Gar lieblich ist das Rundbild, in
welchem zur Hälfte in Farbenskizze die
Glorie des hl. Leonhard dargestellt ist:
unterzeichnet J. Enderle feeit. Der
Durchmesser der Zeichnung beträgt 34
Zentimeter.

6. „Die Bewirtung der drei Männer
durch Abraham" ist eine sehr duftige
Farbenskizze. Das Blatt ist von En-
derle nicht signiert, aber sicher von ihm.
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