Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

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öerrieifjen, nicht aber 'beit Baum um-
Ilöiten lassen. Endlich sagt ein Ungläu-
biger gn Martinus: Wenn du Ver-
teilen -ans deinen Gott hast, so wollen
wir selbst den Baum umhauen unld «du
sollst ihn in vollem Fall auf dich fallen
lassen. Der Heilige war damit einver-
standen und stellt sich an den Platz, auf
den ber Baum allem Anschein nach fal-
len würde. Die Heiden legten die Axt
an den Baum und hieben dlaraus los
voll Freude, daß der Tod des Bischofs
sicher sei. Als nun der Baum im vollen
Fall war, machte Martinus bas Zeichen
des Kreuzes gegen den Baum. Der-
selbe schwang sich wunderbar wieder in
die Höhe, drehte sich um und siel ans
die andere Seite. Darin erkannten die
Heiden die Allmacht des Gottes der
Christen und ließen sich unterrichten
und taufen, e) Valentinian kniet vor
Martinus, der ihn bewegt, auszustehen.
Unterschrift: omniia sustinet I. Cor.
13. d) Tod des Martinus: Der Teufel
flieht dävon, da er von Martinus an-
geredet wird: „Was stehst du da, blut-
dürstige Bestie; du, Bösewicht, hast an
mir keinen Teil." Ans den Sterbenden
scheint die Sonne herein. Seine Jün-
ger raten ihnr, sich vor ihren Strahlen
-ans die Seite zu wenden. Er aber sagt:
Lasset mich eher den Himmel als die
Erde anschauen, mtf daß der Geist, der
zum Herrn wandert, umso besser aus
sein Ziel gerichtet sei. lieber der Sterbe-
szene musizierende Engel, von denen es
im Brevier 11. November heißt: Seine
Seele nahm ein Engelchor in Empfang,
dessen himmlische Lieder viele, so beson-
ders der hl. Severin, Bischof von Köln,
bei seinem Tode vernahmen. Ein Stein
in der linken Ecke trägt die Inschrift:
M.airtinus lnc pauperet modicus etc.,
d. i. Martinus, hier arm und beschei-
den, geht reich in den Himmel ein, und
wird mit Himnrelsliedern geehrt (Bre-
vier zu den Landes Antiphon 5 am
11. November). In der Glorie des
Freskos halten zwei Engel ein flam-
mendes Herz, über dem geschrieben steht:
Charitais I. Cor. 13. Unterschrift der
Sterbeszene: omniia sperat Ij. Gor.

c. 13. Von Enderles Hand sind die

Maße der Ausführung beigeschrieben:
lang 40 schuh, breid 26 schuh. Die Zeich-
nung mißt 56 X 34 Zentimeter und
ist signiert: JB Enderle inv. et pinx.
Es ist ganz getuscht mit geringer Far-
benskizzierung.

7. Eine kleinere Skizze über densel-
ben heiligen Martinus enthält im Vor-
dergrund wieder die Szene vor Amiens
mit der Bettlerbekleidung. Die Land-
schaft, das Städtebild, ist reicher als in
der vorigen Skizze. Aus der Wolken-
glorie, die von zahlreichen Engelsgrup-
pen belebt ist, von denen einige Mitra
rmd Bischofsstab halten, tritt Christus,
bekleidet mit dem Mantelstück Marti-
nus', wie wenn er sagen wollte: „Mit
diesem Gewand hat mich Martinus als
Katechumene bekleidet" (Brevier 11. No-
vember). Das Ganze ist Farbenskizze
mit ausgezeichneter perspektivischer Ar-
chitektur. Enderle bemerkt: breid 23
schuh, hoch 39 schuh, und signiert JEn-
derle fecit. Die Zeichnung ist 46 X 27
Zentimeter.

8. Entwurf gu einem Deckensresko
über das Leben des hl. D i o n y s i u s
Areopagita. Nach einer, aber nicht
von Enderle herrührenden Beischrist ist
die Skizze,, getuschte Föderzpichnung,
ausgeführt in der Pfarrkirche zu
Fünsstetten an der Bahnlinie Do-
nauwörth—Treuchtlingesn. Die Zeich-
nung ist 61 Zentimeter lang, 46 Zenti-
meter breit; Enderle schreibt selbst, daß
das ausgeführte Gemälde sein soll:
„lang 32 Schuh, breid 24". Er signiert
das Blatt mit: doh. Enderle fecit.
Die Seltenheit und Eigenartigkeit des
Vorwurfs verdient eine nähere Beschrei-
bung. Es scheint geradezu, als ob En-
derle oder seinem Auftraggeber die
schon oben zitierte Legende des P. Dio-
nys von Lützenburg in der Cochemschen
Ausgabe bei der Invention des Stof-
fes Vorgelegen wäre. Das in dieser
Legende am 9. Oktober sich findende
„Leben und Leiden des hl. Märtyrers
Dionysii Areopagita" bietet die schönste
Erklärung unseres vorliegenden Blat-
tes. Dasselbe schildert vier große Sze-
nen: a) Vor einer kühn sich schwingen-
den Rokokoarchitektur sitzt an einem
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