Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

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Tische, der mit Büchern und Tintenfaß
belegt ist, und um den malerisch Glo-
bus, Lat er na magica, Reißbrett, Win-
kel und sonstige geometrische Utensilien
und Bücher gruppiert sind, der Areo-
pagite Dionysius von Athen, in der
Hand ein Fernrohr. Er selbst und ein
anderer Gelehrter schauen staunend in
den Hintergrund, wo sich Sonne und
Mond Versinstevt haben über einer schat-
tenhaft sich abhebenden Darstellung der
Kreuzignngsszene ans Golgatha. Dazu
berichtet die Legende: Dionysius war
eben an demselbigien Tag, als Christus
am Kreuz gestorben, in seiner Stern-
knnst tiefsinnig begriffen; und als er
vermerkte, daß die Sonne sich verfin-
sterte, ries er vor lauter Verwunderung
ans: Entweder muß der Gatt der Na-
tur leiden, oder das ganze Weltgebäude
zugrunde gehen! — b) Vor einer ba-
rocken Tempelarchitektur steht ein Altar
mit der Inschrift: Ignoto Deo. An
einem Tische in der Nähe einer Bacchus-
Herme sitzt bei disputierenden Gelehr-
ten wieder Dionysius, der sich zum Apo-
stel Paulus hinwendet, welcher ihm vom
„unbekannten Gotte" predigt. Ueber
dieser Szene schwebt eine Franengestalt
in der Glorie, die in ihrer Linken ein
Zepter hält, aus dessen Spitze ein Dreieck
mit dein Auge Gottes, Symbol der
Dreifaltigkeit, thront. Von diesem
Auge Gottes geht ein Strahl der Er-
leuchtung ans den Areopagiten hernie-
der, wodurch seine Bekehrung zum Chri-
stentum angedeutet ist. Die Legende
schreibt: Paulus spazierte im Areopag
Herum und besah mit allem Fleiß die
ausgerichteten Altäre. Da fand er einen
mit der Inschrift: Dem unbekannten
Gott. Da fragte der Apostel den Dio-
nysius, was dies für ein unbekannter
Gott sei. Dieser antwortete: Dieser ist
noch nicht in die Zahl der Götter einge-
schrieben, sondern ist uns unbewußt
und wird erst im zukünftigen Weltlauf
erscheinen. Ta hielt Paulus eine Pre-
digt, welche in der Apostelgeschichte ge-
schrieben steht. Als die meisten Zuhö-
rer seine Lehre von der Auferstehung
ablehnten, blieb Dionysius bei ihm, um
seine Lehre näher kennen zu lernen.
Ter Apostel belehrte ihn über Christus,

der uns durch seinen Tod vom ewigen
Tode erlöst hat. Da wurde Dionysius
vom göttlichen Licht erleuchtet. Als an-
dern Tages der Apostel einen von ihm
geheilten Blinden zu Dionysius sandte,
da bekehrte sich Dionysius mit seiner
Gemahlin Danaris und «allen seinen
Hausgenossen und ließ sich taufen. —
c) Die dritte Szene zeigt wieder eine
perspektivisch ausgezeichnete Barockarchi-
tektur, einen kleinen Kuppelbau, der den
Thron des Papstes einschließt. Dem
thronenden Oberhaupt der Kirche nähert
sich der zur bischöflichen Würde gelangte
Dionysius und überreicht ihm kniend
ein Buch. Ein paar Kardinäle urid an-
dere Geistliche, auch zwei Soldaten bil-
den die Zuschauer. Dazu erzählt die
Legende: Nachdem Paulus nach Rom
gereist war, verkündigte Dionysius in.
Asien das Evangelium. Er erfuhr, daß
Petrus und Paulus ins Gefängnis ge-
kommen seien, und zog über Athen nach
Rom, traf jedoch die beiden nicht mehr
am Leben, wurde aber von Papst Kle-
mens freundschaftlich und ehrenvoll «aus-
genommen. Diese Ausnahme schildert
eben unser Bildausschnitt. — d) Auf
der vierten Szene steht Dionysius in
bischöslicheni Ornate unter einem Baume
und predigt, umgeben einerseits von
einer heilsbegierigen Volksmenge, an-
dererseits voll ungläubigen Götzenduv
nern, deren Mienenspiel ausgezeichnet
gegeben ist. Zwei Nebenszenen zei-
gen, wie ein Götzenbild von seinem Po-
stament herabgerissen wird und wie der
Heilige die Taufe spendet. Dazu be-
richtet die Legende, daß Papst Klenr-ens
den Dionysius nach Frankreich sandte
zur Ausbreitung der christlichen Lehre.
Er reiste in Begleitung anderer Prie-
ster und Diakonen nach Paris, wo er
durch seine Predigt und Wunderzeichen
viele zum Christentum bekehrte.

9. Entwurf zu einem Deckenfresko
für die dem Pap st Märtyrer K l e -
niens geweihte Kirche in Herberts-
hofen bei Donau w ö r t h. Das Blatt
ist ganz in Farbe skizziert und
stammt aus dem Jahr 1769. Eine Sig-
natur des Künstlers ist nicht angebracht
oder nicht mehr sichtbar, weil der Pa-
pierrand ganz abgeschnitten ist. Es ist
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