Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

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zu allen fünf öfe 3torr<gcn rot
, gestrichen und die Köpfe ver-
goldet, vor eine 12 Kr. 1 fl.

S. 19 fl.

Donauwörth, 11. März 1770.

Joh. Bapt. End erste, Maler."

Eine weitere Rechnung ist vom 18.
April 1770.

Die beiden Rechnungen über „lab-
rum" =3 laibarum beziehen sich iaitf die
Bilder der Geheimnisse des schmerzhaf-
ten Rosenkranzes, die an Stangen von
den Bruderschaftsmitgliedern bei der
Prozession getragen wurden.

Noch ist auf einen Ratsprotokollein-
tvag aufmerksam zu machen, aus dem
erhellt, daß sich Enderle auch gegen un-
berechtigte Konkurrenz zu wehren suchte.
Da heißt es:

„1769 am 22. September: Joh. B. En-
derle, Joseph Anton Wund rtnb Joseph
Leithgradt, alle drei Bürger und Maler
allhier, bringen hiemit beschwerend vor
und an, wie daß sich Dominikus Wöhrle,
bürgerlicher Bildmaler, zu gegen seines
und vom 24. Febr. 1760 selbst von sich
gestellten Revers mehrmalen ungeschaut
angemaßt, -ihnen in ihrem Brot und
ihrer Kunst Eintrag zu tun, und die
Behausungen in fresco, da doch ihm
sowohl dieses als mit Oelsarben git ma-
len und anzustreichen mit Nichten ge-
biihrt, herabzumalen, mit gnädigster
Bitte, ihm solchen Unfug bei fixieren-
der Pönfall in Gnaden abzustellen, als
solche Pfuscherei derlei Bildmalern an-
derst auch nicht gestattet wird und sie,
(die) Maler, ihrer Gerechtsame zu ma-
nutenieren. Beschluß: es sollen beide
Teile gegen einander auf der Kanzlei
vernommen werden." Wie die Sache
ausging, ist nicht mehr berichtet. Für
uns ist das Schriststiick insofern wich-
tig, als es uns auch mit den Geschäfts-
kollegen des Meisters in Donauwörth be-
kannt macht. Sollte er sie nicht auch
zu seinen vielen Aufträgen manchmal
berangezogen haben?

In diesem Zusammenhang soll noch
bingewiesen fein auf einige Arbeiten
des Künstlers für Donauwörth, die in
der Folgezeit vergangen oder verschwun-

den sind. Im Jahre 1762 arbeitet En-
derle für den Kreuzaltar der Stadt-
pfarrkirche zu Donauwörth 22). Mit dem
Kreuzaltar sind auch diese Arbeiten weg-
gekommen. In: Jahre 1766 malte er
ein heiliges Grab für die gleiche Kirche,
das setzt ebenfalls nicht mehr vorhanden
ist. Ein tragisches Geschick ereilte auch
ein großes Deckengemälde von Enderle
im Bibliotheksaal des Klosters Wetten-
hausen, das heute ein Dominikanerin-
nenkloster ist. 1772 schuf Enderle die-
ses jedenfalls große und bedeutende
Werk, das ähnlich andreren Bibliothek-
malereien eine Sehenswürdigkeit des
Büchersaales bildete. Die ganze Decke
ist abgesallen und von der ganzen Ar-
beit keine Spur mehr übrig geblieben.
In Lauingen schmückte er einst 1792 den
Schimmelturm mit Fresken. Wieviel
von seinem Werk hier noch übrig ist,
weiß ich nicht anzugeben. Der Turm
wurde vor einigen Jahren -erneuert.
Bei dieser Gelegenheit seien auch noch
erwähnt die Fresken im sog. Napoleon-
zimmer des Hotels Krebs in Donan-
wörth. Es sind sechs grau in grau ge-
malte Idyllen von I. Enderle, die je-
doch durch Uebermalung stark gelitten
haben 23).

Klingen st ei n 1746.

Für den Verlust dieser und Wohl noch
mancher anderer Arbeiten Enderles ent-
schädigt uns das Vorhandensein einer
großen Anzahl von Fresken und Lein-
wandmalereien, die uirs zum Teil noch
sehr gut erhalten sind, teils in verständ-
nisvoller Restauration in neuem Glanze
erstrahlen. So wenden wir uns nun
zur Betrachtung der Werke des Ma-
lers Johann B a p t i st Ende r l e.

Seine früheste Arbeit, die noch nir-
gends bekannt ist, finden wir in der
Nähe seiner Heimat Söflingen. Eine
Wegstunde von da erhebt sich beim Dorfe
Klingenstein auf dem rechten Blauufer
ein mit waldigem Park bestandener Hü-
gel, der die Ruinen der alten Burg
Klinge n st e i n und daneben ein mo-

22) Nnch> Lauters Aufschrieben irn Archiv
des Cafsiaineum.

23) Eu ringer, Auf nahen Pfaden, S. 820.
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