Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

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dernos Schloßgebäude trägt, das in bür-
gerlichem Privatbesitz ist. An dieses
Schloßgebäude ist eine Kapelle ange-
bant, Wohl seit dem ersten Drittel des
18. Jahrhunderts, die Eigentum der
katholischen Gemeinde Klingenstein und
der heiligsten Dreifaltigkeit ge-
weiht ist. Die Existenz dieser Kapelle
ist in weiteren Kreisen fast unbekannt,
obwohl sedsährl'ich mn DveiMtigMts-
sonntag auch heute noch aus der stähe-
ren Umlgebung manche Pilger dahin
wallfahren. Im 18. Jahrhundert muß
die Wallfahrt bedeutender gewesen sein
und die Pilger trugen oft große gezim-
merte Kreuze auf dem Rücken den Berg
hinan. So hängt in der Kapelle heute
noch solch ein Holzkreuz, an dem eine
Votivtafel befestigt ist. Auf den: Ta-
felbild erscheint die Dreifaltigkeit in den
Wolken. Ihr entgegen wallt ein Mann
mit Holzkreuz auf der Achsel. Die
Unterschrift besagte „Zu Ehren der
allerheiligsten Dreifaltigkeit Hab ich als
ein großer presthafter Mann dieses
Kreuz mit vieler Mühe hieher getragen,
ckaveri Kraf von Söflingen anno 1793."
Die Kapelle birgt auch noch einige Fi-
guren aus gotischer Zeit, von denen die
Ivichtigste, eine kleine hochgotische Mut-
ter Anna selbdritt, eine sehr anmutige
Arbeit ist.

Uns interessiert besonders das Altar-
bild, ein Leinwandgemälde, mit der
K r ö n u n ig M a r i e n s. Im Mittel-
punkt steht Maria über der Weltkugel
mit .einem Fuße auf bem Halbmond,
unter dem die Schlange mit dem Apfel
sichtbar ist. Das rote Untergewand ist
großenteils von , einem blauen, fast zu
lveiß aufgelichteten Mantel verhüllt.
Die beiden Hände Mariens sind betend
gefaltet, lieber ihr halten Gott Vater
und Sohn, beide mit Zepter, eine Kröne,
über ihnen schwebt im Lichtglanz die
Taube des Heiligen Geistes. Im unte-
ren Teil des Bildes ist eine Gruppe von
.grauten gelagert; die einen tragen
Krücken, aus einem fahren zwei Teufel
arrs, eine Frau hat das fallende Weh,
ein Mann deutet mit dem Finger auf
seinen Mund und tragt in der Linken
eine Glocke, Dazu tritt noch ein Wall-

fahrtspilger. Das Bild ist gezeichnet:
Johann Enderle 1746. Damit haben
wir das erste bekannte Gemälde des
Künstlers kennen gelernt. Die Dar-
stellung Mariens und der Dreifaltigkeit
und die gesamte Anordnung ist glanz
gilt. Weniger gelungen sind die einzel-
nen Figuren der Kranken am unteren
Teil des Bildes. Die Farbengebung ist
lebhaft. Schon auf diesein ersten Bilde
tritt uns das Enderle ganz eigentüm-
liche Blau-Weiß im Mantel Mariens
gegenüber. Enderle hat also dieses Ge-
mälde im Alter von 21 Jahren gemalt,
wohl im Auftrag des Klosters Söflin-
gen, das sehr oft die Himmelfahrt Ma-
riä mit Dreifaltigkeit auf den Feldkren-
zen der Umgebung anbringen ließ, wie
man setzt noch sehen kann.

Kirchdorf 1753.

Die erste größere selbständige Kir-
chenausmalung führt Enderle in der
Pfarrkirche zu Kirchdorf bei Wöris-.
Hofen aus 1763. Er war damals noch
im Dienste seines Meisters Reißmüller
in Donauwörth. Vielleicht hat der al-
ternde Meister seinen begabten Gesellen
dahin empfohlen. Die Kirche ist ge-
weiht dem hl. Stephanus, weshalb auch
auf dem Hochaltar eine Steinigung des
Stephanus (neue Arbeit) dargestellt ist.

In dem reich mit Rokokostuck «geschmück-
ten Chor befindet sich ein Deckenge-
mälde, darstellend den Sieg der
K i r ch e über die I r rieh r e. Die
Gestalt der Kirche sitzt auf eineni
Triumphwagen in den Wolken, dessen
Rücklehne von einer Tiara geziert ist.
Die Kirche halt mit der Rechten eine
Monstranz im Strahlenglanz, in der
Linken ein Kreuz; zu ihren Füßen und
ihren Seiten sind die Evangelistensym-
bole angebracht, lieber der Monstranz
und Kirche schwebt der Heilige Geist.
Vor dein Thronwagen (links auf dem
Bild) stehen auf einer Estrade die Ver-
treter der vier Weltteile huldigend. Un-
terhalb der Estrade liegen drei Jrrleh-
rer mit ihren Schriften am Boden, vom
Blitze niedergeschmettert. Rechts auf
einem Felsen, mehr im Hintergrund,
erhebt sich ein Rundtempel als Sinn-
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