Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

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restauriert worden und hat dadurch von
seinem ursprünglichen Aussehen man-
ches eingebüßt.

Auf die weiteren Arbeiten in Donau-
wörth am Kreuzaltar der Stadtpfarr-
kirche 1762, die mit diesem Altar ver-
schwunden sind, und am heiligen Grab
ebendort 1766, die das gleiche Schicksal
erlitten haben, ist beiur Lebensgang des
Künstlers schon hingewiesen worden.
Die ebenfalls schon genannten Schäfer-
idyllen 24) im Eckzimmer des ersten
Stockes des Hotels Krebs sind nicht mehr
datierbar. Ebenso ein fast nicht mehr
erkennbares Freskobild an einem Hause
der Sonnenstraße (Nr. 384): Tod des
hl. Joseph, das Enderle zugeschrieben
uürd.

Ein weiteres noch vorhandenes Del-
geinälde schuf der Meister in Donau-
wörth ebenfalls für die jetzt abgegangene
Kapuzinerkirche. Es ist ein hl. Anto-
n i n s, der sich jetzt in einem Gang des
Dominikanerinnenklosters ' Donaiuwörth
befindet. Näherhin stellt das Gemälde
dar die Erscheinung Mariä mit dem
Jesuskind vor dem betrachtenden Anto-
nius. Maria hält ein Tuch, in dem sie
das Kind getragen hat. Dieses ist aus
einer Wolke zu dem aus dein Betstuhl
knienden Heiligen hinabgeglitten. Zu.
seinen Füßen liegen Lilie und Buch nnb
steht ein Korb. Rechts und links der
Madonna und hinter Antonius schweben
Engel als Zeugen der geheimnisvollen
Erscheinung. Das Bild ist gezeichnet:
■1. Enderle pin. 1775. Die Malerei
übertrifst die des Bildes der hl. Anna
ganz bedeutend und zeigt den Fortschritt
des Künstlers in schönstem Lichte. Die
Zeichnung ist ganz vorzüglich, die Grup-
pierung leicht und ungezwungen, die
Farbengebung hell und freundlich. Der
Meisten hat offenbar in dieser Zeit sei-
nen Stil und seine Manier gesunden.

Großartiger als in diesen Arbeiten
zeigt sich der Künstler in den noch in
Donauwörth vorhandenen Freskomale-
reien.

Im Deutschordenshaus, das heute als
Forstamt und Rentamt dient, befand

Thalhofer, Führer durch die Stabt
Donaulwörtih, 1004, S. 38.

sich eine große, geräumige Kirche oder
Kapelle, welche fetzt entweiht und teil-
weise durch eingezogene Wände verbaut
ist. In diesem Raume ist noch die Decke
fast unversehrt, welche ein großes Fresko
von Enderle in großer Farbenfrische dar-
bietet. In länglich gezogener Kartusche
ist die M a d o n n a m i t d e m Jesus-
kind dargestellt, zu deren Füßen links
St. Georg mit dem Drachen und
rechts St. Elisabeth von Th ü -
ringen huldigend erscheinen. Es sind
beide Patrone des Deutschordens. Eli-
sabeth, mit Krone und Zepter, hat zu
ihrer Seite einen Kranken mit seiner
Krücke und vor sich eine Kanne und einen
Teller mit Broten als Zeichen der Werke
der Barmherzigkeit. Uebier Maria
schwebt Gott Vater mit der Taube des
Heiligen Geistes, umgeben von Engels-
siguren. Der untere Teil des Gemäl-
des ist fast ganz durch eine eingezogene
Mauer zugedeckt. Die sichtbaren Reste
lassen sicher schließen, daß die Verehrung
der Muttergottes durch die vier Welt-
teile nach unten den Abschluß gab. An
diesem unteren Bildrand war wohl auch
die Signatur des Künstlers, die durch
die Mauer ebenfalls verdeckt ist. Das
Bild ist überaus farbenprächtig, ganz in
hellen, lichten, freundlichen Farben ge-
malt. Es ist schade, daß es nicht einem
würdigeren Raum gur Zierde dient.
Das Fresko stammt wohl aus dem Ende
der 70>er Jahre des 18. Jahrhunderts.

Von ganz eigenartigem Reiz sind
zwei andere Deckenfresken von Enderle
in demselben Deutschordens haus. Der
Stoff ist der Mythologie entnommen,
wie wir ja auch unter den Entwürfen
einen solchen mythologischen Stoff ver-
arbeitet finden. Die Uebernahme einer
solchen Arbeit durch Enderle ist ein Be-
weis dafür, daß er in allen Sätteln ge-
recht war und daß ihm kein Stoffgebiet
für die Malerei fremd war. -Die Art
der Ausführung und die Beherrschung
dieser Stoffart zeigt ebenfalls die Mei-
sterschaft unseres Künstlers.

In einem überaus fein stuckierten
Raume des Hauses, der einst wohl Fest-
saal oder Speisesaal war und heute als
Kanzlei dient, hat Enderle an die. Decke
gemalt das sog. „Göttermahl". Rich°
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