Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

Seite: 53
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des Hauptwerks der ganzen Kollektion,
der „Herlinge", auf die Gruppe. Ent-
schuldigt sich der — nebenan als Feld-
grauer dargestellte — Künstler auch in
der Inschrift, daß der „Dienst" Be-
schränkung gebot, er hat in dem Haupt-
bild und den Szenen der Umrahmung
eine Darstellung deutschen Lebens, Trän-
nrens, Schaffens und Kümpsens gege-
ben, das in der Zeit der Hochspannung
nationalen Empfindens und Handelns
doppelt beachtenswert ist. Die Stadt
Freibnrig, der es gehört, ist gu ihrem
Besitz zu beglückwünschen.

Inhaltlich berührt sich mit der „Be-
weinung" die „Kreuzabnahme" von A.
Henselmann — skizzenhaft, die Ge-
stalten nur angedeutet, die Farbenskala
eng umgrenzt und der Gesamteindruck,
namentlich bei der Betrachtung aus ge-
messener Entfernung, trotzdem ergrei-
fend. Es hat sich denn auch bereits ein
Käufer gesunden.

Daß auch W. Steinhaufen, der
Nestor der christlichen Maler evangeli-
schen Bekenntnisses, vertreten ist, ist
freudig zu begrüßen. Leider hat er nur
eine einzige Arbeit gesandt: „Herr,

komm in das Schiff" (Christus, aus
Bitten der Jünger ein Schiff am See
Genesareth besteigend). Es ist immer
ein Wagnis, Stoffe zu behandeln, die
in Glanzleistungen von Größen wie
Raffael bereits zur Darstellung kamen.
Steinhaufen hat es getan —- und kann
neben dem genialen Italiener bestehen.
Eine Klippe hat er dadurch vermieden,
daß er einen anderen Moment wählte,
als sein Partner. In dar Fülle und
Tiefe der Farben steht er — wohl ab-
sichtlich — hinter ihm zurück. Eines
aber hat er vor ihm voraus: die treff-
sichere Wiedergabe delo Dämmerstunde,
und damit ist das Zurücktreten der Far-
ben einigermaßen erklärt und entschul-
digt. Es fällt der Phantasie nicht schwer,
in dieses Dämmern die ganze, damals
noch unklare Zukunftserwartung der
Apostel hineinzuweben und mit ihr die
Zukunftsgedanken des eigenen Volkes
in jetziger, ernster Zeit. Es ist nicht
die Stimmung, die sich äußert im Not-
schrei: „Herr, bleibe bei uns, denn es

will Abend werden." Sondern Mor-
genluft weht. Ein zuversichtliches Hof-
fen rankt an der Gestalt empor, die eben
den Kahn betritt. Und sie erfahrt ihre
Steigerung durch die Tatsache, daß wir
nicht, wie vormals die Apostel, die ganze
Nacht gefischt und nichts gefangen. Der
„Fang" ■ unserer Unterseeboote allein
schon redet deutlich genug. An der Front
und auf den Fluten rastloses Kämpfen,
in der Heimat unermüdliches Ringen
und Schaffen auf allen Gebieten — das
ist die Signatur unseres Volkslebens
um die Wende des dritten Kriegsjah-
res. Gebe ihm Gott den Sieg und einen
ehrenvollen Frieden!

Glockengießer Christian Ludwig
Neubert in Ludwigsburg.

Von A. M a r q it a r t, Rechnungsrat
in Ludwigsburg.

Schätz' jeden Glockenschlag ans jenen Tag.

(Inschrift der von Nenbert 1759 ge-
gossenen großen Glocke zu Heslach.)

Herzog Karl von Württemberg be-
willigte unterm 17. Mai 1750 dem
Glockengießer Christian Neubert in
Ludwigsburg zur Erbauung eines Gieß-
hauses daselbst ein Sonderrecht mit der
Bestimmung, daß kein Ausländer, er
möge dieses Gewerbe erlernt haben oder
nicht, ilnd kein Inländer, der dasselbe
nicht erlernt habe, sich unterwinden solle,
Glockeu zu gießen, ailch Feuerspritzen
oder andere in dieses Gewerbe eiuschla-
gende Dinge zu machen.

Auf Ansuchen des Glockengießers Neu-
bert wurden außerdem >arn 7. September
1766 durch ein in das Land Württem-
berg Zerlassenes Rundschreiben sämtliche
Beamten angewiesen, ihre untergebenen
Gemeinden gnr genauen Befolgung des
dem Neubert erteilten Vorrechtes anzu-
halten und sofern im einzelnen Falle
erhebliche Ursachen vorliegen sollten,
diese Gemeinden zur Einholung der
Entbindling von jener Verpflichtung zu
verweisen.

Neubert war seinerzeit von Königs-
bronn nach Ludwigsburg übergesiedelt.
Es findet sich eine Glocke in Münster,
OA. Gaildorf, mit der Inschrift: Ich
ruffe die Lewentigen zur büße und die
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