Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

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Toten zur Ruhe. Johann Christian
Neubert gos mich zu Königsbronn an,
1727. Dieser Johann Christian Neubert
ist vermutlich der Vater unseres Chri-
ffton Ludwig Neubert gewesen. Die
Stenerglocke in Kirchheim u. T. wurde
durch Christian Neubert von Ludwigs-
burg im Jahre 1763 gegossen. Die
kleinste Glocke in Möhringen, OA. Stutt-
gart, trägt die Inschrift: Christian Lud-
wig Neubert goß mich 1764. Diese bei-
den Glocken scheinen von Neubert ge-
gossen zu sein, ehe er ein ausschlietz -
liches Recht dazu von seinem Gönner
Herzog Karl erhalten hatte. Von 1769
ab finden sich die Neubertschen Glocken
häufiger: Die größte der drei Glocken
zu Heslach bei Stuttgart mit der In-
schrift: Ludwig Neubert goß! mich in
Stuttgart 1769. Schätz jeden Glocken-
schlag aus jenen Tag. Die größte Glocke
in Maichingen, OA. Böblingen, hatoie
Inschrift: Christian Ludwig Neubert
hat mich gegossen in Ludwigsburg uuno
1761. Dabei stehen auch die Namen
der Ortsbehörden. Zwei Glocken in
Tachtel, OA. Calw, wurden im Jahre
1761 durch Christian Ludwig Neubert
in Ludwigsburg nmgegossen. Die kleine
Glocke in Schönaich, OA. Böblingen,
trägt die Inschrift: Christian Ludwig
Neubert hat mich gegossen in Ludwigs-
bnrg 1762. Die zwei großen Glocken
in Beihiugen, OA. Ludwigsburg, wur-
den von Christian Ludwig Neubert 1763
gegossen; ebenso die drittgrößte Glocke
in Untertürkheim, OA. Cannstatt, im
gleichen Jahre. Dabei stehen auch
die Namen der Ortsbehördein. Ehrst
stian Ludwig Neubert hat ferner gegos-
sen eine Glocke in Großingersheim,
OA. Besigheim, 1764; die größere Glocke
in Marschalkeuzimmern, OA. Sulz,
Hingegossen 1765; die kleinste! Glocke in
Aidlingen, OA. Böblingen, 1767; die
größte und kleinste Glocke in Holzger-
lingen, OA. Böblingen, 1769; die Bür-
gerglocke in Kirchheim u. T. 1770 —
umgegossen —; eine Glocke in Mauren,
OA. Böblingen, 1771. Die mittlere Glocke
in Holzgerlingen 1774; die mittlere
Glocke in Frickenhofen, OA. Gail-
dorf, 1777; eine Glocke in Göt-
telfingen, OA. Freudenstadt, , 1780;-

eine solche in Großingersheim, OA. Be-
sigheim, 1.82; ferner die mittlere in
Wildbad 1783; die größte in Wangen,
OA. Cannstatt —- umgegossen —; ferner
die kleinste der St. Leonhardskirche in
Stuttgart; zwei Glocken in Pflugfelden,
OA. Ludwigsburg, 1790; die kleinste in
Ostdorf, OA. Balingen, 1792; die kleinste
in Jlsfeld, OA. Besigheim, wurde durch
C. G. Neubert von Ludwigsburg im
Jahre 1800 gegossen. Diese Glocke
wurde also von dem Sohne des Chri-
stian L u d w i g Neubert — dem Chri-
stian Gottlieb Neubert — gegossen;
der Vater, der die Gunst des Herzogs
Karl in hohem Maße besaß, war 1797
gestorben. Wir haben also drei Gene-
rationen von Neubertschen Glockengie-
ßern, Großvater, Vater und Sohn; es
erbte sich die Glockengießerkunst in be-
stiminten Familien von einem Glied
zum anderen vermutlich als Geheimnis
fort — der gl. Otte, S. 48. Klunzinger
in den Wiirtt. Jahrbüchern 1867, II. H.
S. 163. Die Heslacher Glocken wurden
von Neubert in Stuttgart, nicht in Lud-
wigsburg gegossen, es trifft also auch
hier zu, was Otte und Klunzinger a. a. O.
sagen, die Glockengießer wanderten in
Württemberg früher von einem Orte
znm anderen, um die Kosten des müh-
sauren Transportes zu sparen.

Wenn auch anzunehmen ist, daß das
oben aufgeführte Verzeichnis der von
Neubert gegossenen Glocken keinen An-
spruch auf Vollständigkeit erheben will,
so hätte Neubert bei der Glocken-
gießerei allein seine Rechnung nicht ge-
funden. Neubert war aber zugleich
Feuerspritzenfabrikant, außerdem Stiick-
und Erzgießer und auch Zinngießer.
Neubert goß außer Glocken also auch
Kanonen. Wenn daher Otte in seinem
bezüglichen Werke sagt, die Glockengie-
ßer, die vor der Einführung des schwe-
ren Geschützes in das Kriegswesen
nur friedlichen Zwecken der Kirche ge-
dient hatten, traten nun, da sie den
Kernguß großer Massen verstanden, zu-
gleich als Stückgießer auf und wurden
daher für Fürsten und Städte wichtige
und gesuchte Kunsthandwerker, so trifft
dies auch für die ehemalige Neubertsche
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