Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

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Redigiert von Stadtpfarrer Rudolf Weser, Ulm-Söflingen.

Eigentum des Rotteuburger Diözefan-Aunstvereins e. t>.;
Rommifsions-Verlag und Druck der Aktieu-Gesellfchaft Deutsches Volksblatt iu Stuttgart.

Lr. z.

Erscheint in Vierteljahrshefteu. Preis durch die Post halbjährlich M. 2.25 ohne
Bestellgeld. Durch den Buchhandel sowie direkt von der Verlagshandlung
Akt.- Ges. Deutsches Volksblatt in Stuttgart pro Jahr M. 4.50.

XXXV.

1917.

Die Hreskomaler Anton und Job.
Baptist Lnderle von Söflingen.

Von Stadtpfarrer Weser in Söflingen.

(Fortsetzung.)

Herbertshofen 1754.

Hier soll die Beschreibung der Male-
rei in Herbertshofen, an der Bahnlinie
Donauwörth—Augsburg gelegen, einge-
reiht fein. Bisher ist die Ausmalung
ins Jahr 1759 datiert. Die Signie-
rung seitens des Künstlers aber ist
heute deutlich 1754 git lesen. Es müßte
nur etwa bei der Restauration der Ge-
mälde eine fehlerhafte Abänderung vor-
genommen worden sein.

Der Chor der Kirche hat ein sehr
schönes Rundgemälde: Verehrung
des heiligsten Altarsakra-
m e n t s. Oben in den Wolken thront
oder fährt in einem Siegeswagen in
Rokokoformen eine Frauengeftalt, die
Religion, über der der Heilige Geist
schwebt. Der Wagen ist geziert mit den
Emblemen der vier Evangelisten. Die
Gestalt der Religion ist in weißliche,
gelbliche und mattblaue Gewänder ge-
kleidet und hält eine Monstranz mit
dem Allerheiligsten in der Rechten, in
der Linken das Kreuz. Vor der Reli-
gion hält ein Engel ein Buch, das Evan-
gelienbuch oder die Heilige Schrift, die
so klar von Christi Gegenwart im Altar-
sakramente redet. Rechts von der Reli-
gion schweben die Personifikation von
Glaube, Hoffnung und Liebe, ausge-
zeichnet in der Draperie und in der
Zeichnung der Gesichter. Unter der Re-
ligion ist die Weltkugel dargestellt, über

die herein ein Mohr einen gewaltigen
Sonnenschirm hält. Links davon knien
und stehen huldigend und anbetend die
Gestalten der vier Weltteile, unter denen
besonders Europa als prächtige Frauen-
gestalt hervorragt: vor ihr auf einem
Kissen liegen Tiara, Krone, Fürstenhut
und Zepter, hinter ihr nahen die Ver-
treter der anderen Weltteile, zuletzt ein
Page, der eine Weihrauchpfanne anziin-
det (Sinnbild der Anbetung). Die
Szene schließt reicher Pflanzen- unb
Baumwuchs ab. Rechts unten steht auf
einem Felsen das Rnndg'ebäude der
„Kirche"; vor derselben fallen drei Jrr-
lehrer auf die Erde nieder, vom Blitze
getroffen, der von der heiligen Hostie
in der Monstranz aus auf sie herabzuckt.
Die Signatur des Bildes ist: -J. Ein
derle pinxit.

Das Plafondgemälde int Schiff stellt
dar das Mart y riitm b e s h l. P a p-
st e s Klemens, des Patrons der
Kirche. Die Beschreibung ist schon ge-
geben bei der Erwähnung der Ulmer
Handzeichnungen Nr. 92T). Der Ent-
wurf ist großartig und farbenreich aus-
geführt. Seit der Nestauratipn 1909
erstrahlen die Farben wieder in ur-
sprünglicher Frische. Das Gemälde ist
signiert: Job. Enderle pinxit 1754.
Danach ist die früher angegebene Zahl
1759 jedenfalls zu korrigieren.

Das Hanptbild ist noch umgeben von
vier Darstellungen ans dein Leben
d e s h l. K l e m e n s. In der Nähe
des Chorbogens ist das Wunder das

27) iS. 69 dieifesl eJcrhvgicmigs.
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