Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

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bei den Jüngern in Enunaus, b) Mut-
ter Anna lehrt Maria, c) die Eltern
Samsons opfern Gott, nachdem ihnen
durch einen Engel Gottes die Geburt
eines Sohnes verheißen ward (Rich-
ler 13), d) Mannaregcn. Die Bildchen
sind alle gelb in gelb gemalt.

lieber dem Chorbogen im Langhaus
malte Enderle ein großes Kartnschen-
bild: St. Ulrich von Augsburg und
St. Benediktus, der die Reich- ^
tümer der Welt mit Füßen tritt und !
auf ein Brlch hinweist, das ein Engel
hält. Hinter ihm der Kelch mit der
Schlange. Die Beziehungen dieser Hei-
ligen zu der Kirche sind teils durch die
Zugehörigkeit zum Bistum Augsburg,
teils durch die Ortsherrschaft des Bene-
diktinerklosters Jrsee gegeben.

Ein kleines Rundbildchen stellt den
Heiligen Geist dar in einem dreieckigen
Nimbus.

Das Deckenfresko im Schiff schildert
den Sieg des K ö n i g s R a m i r o 1.
vonSpanienüberdie Mauren
843 unter den: Beistand des hl. Jako-
bns. Zum geschichtlichen Verständnis
des Vorwurss sei beigefügt, daß Ra-
tnii'o I., Sohn Bermudas I., im Jahre
843 in der Zeit der höchsten Not, wo er
auch den Normannen eine Niederlage
beibrachte, im Traume den Apostel Ja-
kobus sah, der ihn gitr Standhaftigkeit
im Widerstand ermahnte und ihm den
Schutz des Himmels verhieß. Von da
an galt der Apostel Jakobus als Patron
Spaniens und man zog in die Schlacht
mit dem Gebete: „Hilf uns, Gott, und
du, seliger Jakobus!" Ramiro I. kämpfte
auch 846 glücklich gegen Adderrhaman II.
und unterdrückte strenge und gerecht
innere Empörungen. Er erhielt des-
wegen den Beinamen: „Rute der Ge-
rechtigkeit" ^).

Der Hintergrund des Bildes ist eine
Gebirgslandschast. Von links her stür-
men christliche Scharen an gegen die
Mauren (rechts), deren Fürst und Heer-
führer seine Scharen zum Kampf an-
spornt. Unter den Christen hebt sich
hervor der König Ramiro zu Pferde,

20) Weiß, Weltgeschichte, 18913, Bd. V,
S. 235.

der zum Himmel aufblickt, von wo eine
Erscheinung Freude auf seinern Antlitz
ausbreitet. Der hl. Apostel Jakobus
erscheint ihm zu Pferde mit einer Sie-
gesfahne, auf der das Kreuz gemalt ist,
in der Hand, zwei Engel in seiner Be-
! gleitnng tragen seinen Wanderstab, von
dessen unterem Ende Blitze auf die Mau-
ren niederzncken. lieber St. Jakobus
j erscheint Christus, mit seinem quer über
den Schoß gelegten Kreuze; aus seinen
Wunden gehen Segensstrahlen auf Ra-
miro hernieder. Darüber schwebt Gott
Vater und der Heilige Geist. Das Bild
zeigt eine von den bisherigen Dreifal-
tigkeitsdarstellungen verschiedene Anord-
nung. Es ist voll Leben und Kraft imb
Kühnheit und voll Farbenschönheit, ob-
wohl es nicht restauriert ist.

Zu beiden Seiten des Hauptgemäldes
befinden sich je zwei gelb in gelb ge-
malte Kartuschenbilder. Links a) Je-
sus auf Tabor, wo ja auch Jakobus zu-
gegen ist, b) die Enthauptung des Ja-
kobns (Ap.-Gesch. c. 12). Rechts a) Je-
sus am Oelberg mit den drei Aposteln,
Hist. Pass., und b) eine Wunderge-
schichte aus dem Leben des hl. Jakobus
(Jakobus in den Wolken, darunter ein
Gastmahl, dessen Teilnehmer auf einen
Galgen deuten, an dem ein Meusch
hängt) mit der Beischrift: Hist. Ecd.

Jedesmal zwischen diesen beiden Bil-
dern finden sich zwei rot in rot gemalte
Kartuschenbilder. Links a) die Mutter
der Zebedaiden bittet für ihre Söhne
den Heiland nur die ersten Plätze in
seinem Reiche. Jesus weist ans den Kelch
hin, den sie trinken sollen (Matth. 20, 21).
b) Jesus erweckt die Tochter des Jairus
und nimmt dazu die drei bevorzugten
Apostel mit (Matth. 9, 18). In einer
Pfeilernische zwischen diesen beiden Bil-
dern ist noch gemalt das Herz Mariä
und Maria mit dem Schutzmantel, unter
den sich Jungfrauen und Frauen flüch-
ten. Rechts a) Jesus beruft den Johan-
nes nnd Jakobus (Joh. 5, 11). b) Ja-
kobus predigt vor den Heiden (Mark. 10,
16). Dazwischen in der Pfeilernische die
vier heiligen Büßer (Petrus, David,
Magdalena, der rechte Schächer) das
Herz Jesu verehrend.
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