Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

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An den beiden Emporen sind 13 Apo-
stelbilder gemalt, slott und leicht hinge-
worfen.

lieber der Orgel ist noch ein größeres
Gemälde. In den Wolken, von Engels-
töpfen umgeben, schwebt 'das Herz Jesu.
Davor kniet ein korpulenter Geistlicher,
hinter ihm noch drei andere, die einen
Schild halten, auf dem geschrieben steht:
discite iustitiani moniti et non tem-
nere divos. Rechts ist eine Balustrade
mit Blumenvase, an deren Fußgestell die
Inschrift: sufficit pro gloria Dei vir-
ginique purpureae abs noxa exortae
habuisse laborem. Die Buchstaben mit
Zahlenwert ergeben das Jahr 1768. Auch
das Hauptgemälde im Schiff ist gezeich-
net: '7. 17. Endeide 1758.

Im Pfarrhaus zu Ketterschwang ist
noch ein Oberaltarbild: Gott Vater in
den Wolken, in der Linken das Zepter,
in der Rechten eine Wage, deren eine
Schale den Sündenapfel enthält. In
die andere Schale -gießt ein Engel ans
einem Kelche das Blut Jesu, das über-
länft auf die darunter befindliche Welt-
kugel, in welche ein Baum mit Adam
und Eva >eingezeichnet ist. Es ist ein
sehr interessantes Bild, das auch ganz
gut in Zeichnung und Farbe erhalten ist.
Das Bild ist sicher von Enderle.

Die alte Stiftungsrechnung von 1768
gibt noch Aufschluß über die Belohnung,
die Enderle zuteil geworden ist. Da
heißt es, daß er für das Langhaus 184 fl.
erhalten habe, für zwei Stück zu den
Vorzeichen (Vorhalle) a 5 fl. — 10 fl.
Ferner für vier Bilder oberhalb der
Beichtstühle ü 1 fl. '==< 4 fl. Für das
Bild Kalvatoris no-stri bei Eingang
der Kanzel 3 fl. Die Bilder des Vor-
zeichens, die Beichtstnhlbilder und das
Salvatorbild sind nicht mehr vorhanden.

St. T h ck k l a b e r g bei Melde n
1759.

Am Endpunkt der Bahn Augsburg—
Melden erhebt sich mit herrlichem Aus-
blick auf das Dorf Melden auf einem
Hügel eine sehr anmutige Wallsahrts-
kirche, von ihrem Stifter, einem Joseph
Maria v. Fngger-Wöllenbnrg, erbaut
und N-euleblang genannt, ein Name, der
setzt fast wieder aus dem Gedächtnis des

Volkes verschwunden ist. Das Volk nennt
die Kirche, an deren Seite einst ein nun
ganz verschwundenes Fuggerisches Jagd-
schloß mit Wildpark stand, nach ihrer
Patronin T h e k l a b e r g. Nachdem
das Gebäude 1756 erstellt war, wurde
Enderle 1759 mit der Ausmalung, be-
traut. Im Jahre 1897 erfolgte eine Re-
stauration, die aber die Gemälde voll-
ständig unberührt ließ.

Die Aufgabe Enderles war, nicht nur
die Kirche mit Bildern auszuschmücken,
er sollte auch die gesamte Altararchi-
tektur auf die Wände malen für drei
Altäre. Der Hochaltar ist demgemäß,
abgesehen von der mensa und dem Ta-
bernakelaufsatz, ganz auf die konkave
Wandfläche in vorzüglicher, reicher, täu-
schend wirkender Architektur gemalt. Die-
selbe umschließt ein Hochaltarblatt auf
Leinwand (Tod der hl. Thekla), von
Riepp 1758 gemalt, wozu noch als Ober-
altarbild (Gott Vater) von demselben
Meister kam. Darüber ist in Fresko von
Enderle ein Heiliger Geist, von Engeln
umgeben, gemalt. Aus den Seiten-
nischen der Altararchitektm: heraus tre-
ten zwei ebenso in Fresko gearbeitete
Heiligenfiguren: St. Franz Raver und
St. Antonius.

lieber dem Altar am Plafond winkt
das Fresko: die h l. Thekla a l s
F ü r b i t t e r i n und Helferin in
der Not. Auf einer mäßigen Anhöhe
steht die Heilige, um sie herum eine An-
zahl von Bresthaften, Kranken, Sterben-
den. Aus einem durch Blitzschlag in
Brand gesetzten Gebäude eilen eine An-
zahl von Personen (links) zur Heiligen,
um sie anzurufen um ihre Hilfe. Ein
vom Himmel niederschwebender Engel
reicht der Heiligen Brot, das sie an die
Bittenden austeilt. Vier Kartuschenbil-
der um dieses Gemälde zeigen: a) vom
Himmel an einer Leiter niedersteigende
Engel; b) die Arche No es, über ihr die
den Qelzweig bringende Taube; c) in
einem Sternenkreis ein besonders leuch-
tender großer Stern; d) eine brennende
Ampel. Sie beziehen sich alle auf die
hl. Thekla.

Wie beim Hochaltar, so ist auch bei
den Seitenaltären die Architektur von
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