Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

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£ilte. Eine Schar von heiligen Jung-
freuten umgibt die Heilige: Katharina,
Barbara, Agnes, Eäcilia sind an ihren
Emblemen erkennbar. Um dieses große
Gemälde gruppieren sich vier Kartuschen-
bilder in braunrot: a) zwei Löwen und
ein Panther, vom Himmelslicht getrof-
fen; b) ein Holzstoß, vom Himmel her
entzündet; e) Schlangen, von Blitzen
vertrieben; d) zwei Ochsen, über die sich
Licht von oben ergießt. Eine Anzahl
von kleineren Bildchen findet sich an
den Emporen tmd den Seitenchörchen
derselben. An der oberen Orgelempore:
auf einem Altar liegt ein Lamm, das
von Armen, «die aus Wolken hervorragen,
mit Scheren geschoren wird, im Hin-
tergrund sieht man Architektur, sehr fein
behandelt, und eine tropische Landschaft.
An der unteren Orgelempore: ein Dorn-
busch, aus dessen Mitte eine Lilie wächst,
darüber die Sonne. Aus den Wolken
ragt eine Hand mit Blitzstrahl, der
einen Pfeil zerbricht; eine andere Hand
schüttet Pfeilspitzen aus einem Köcher.
Rechts und links von der Sonne Engels-
köpfe. Am linken Chörlein oben: ein
Altar, auf dem Holz brennt; unten: die
Sonne bescheint die Meeresflüche, auf
der eine Muschel schwimmt, die, geöff-
net, eitte Perle erblicken läßt. Am rech-
ten Chörlein oben: auf einem Altärchen
steht ein Rauchfaß, in welches eine aus
den Wolken ragende Hand aus einem
Schiffchen Weihrauch füllt; unten: ins
bewegte Meer blasen zwei Zephyrköpf-
chen, so daß es anstürmt gegen einen
Felsen mit Schloß; ein Vogel fliegt att§.
dem Meer einem Stern entgegen.

Unter den Emporen, beim Hauptein-
gang, ist die T a u f e de r hl. Thekla
gemalt. St. Paulus im Gefängnis tauft
die Heilige, über welcher die Dreifal-
tigkeit schwebt, während in der Ecke drei
Wächter kauern. Dies Bild ist gezeich-
net: J. Enderle 1759.

Am Plafond der Orgelempore seitlich
sind noch zwei Gemälde aus dem Leben
und der Legende der Patronin. Links:
Räuber haben aus dettt Heiligtum der
hl. Thekla Monstranz, Reliquien usw.
geraubt. Da erscheint St. Thekla und
durch ihre Erscheinung wird ein Fürst

mit feinen Kriegerhorden in die Flucht
geschlagen. Rechts: Thekla erscheint

mit Krone und Zepter in den Händen
einem knienden Fürsten und seiner Be-
gleitung und einigen Handwerksleuten.
Dieses Bildchen trägt wieder die Sig-
natur: J. Enderle 1759.

Am Chorbogen ist noch angebracht das
Fuggerwappen mit der Inschrift: yota
constanter ac plenasrie reddidit. Die
Zahlenwertbuchstaben des Chronogram-
mes ergeben das Jahr 1758.

Das Werk Endeples zusammen mit
dem des Architekten ist aus einem Grtß
ttnd Flttß und eine vorzügliche Arbeit.
Anderwärts wurden Enderle auch die
Altarbilder zugeschrieben. Dem Kenner
genügt ein Blick, um die Unmöglichkeit
dieser Ansicht zu erfassen. Zudem ist
das Hochaltarblatt von Riepp signiert.

Schwabmühlhausen 1769.

Noch im gleichen Jahr 1769 arbeitete
Enderle in Schwabmühlhausen, unweit
Lamerdingen, letzte Bahnstation der Li-
nie Augsburg—Buchloe. Die prächtige
Dorfkirche, deren erste Gründung auf
das Jahr 738 zurückgehen soll, wurde
1758 vom Abte von Rottenbuch nett ge-
battt und im folgenden Jahr von Enderle
sehr reich ausgemalt.

Im Chor über dem Hochaltar ist ein
Fresko sichtbar, das den ganzen Hoch-
altargedanken ausklingen läßt: das

Lamm Gottes über dem versiegelten
Buche mit der Osterfahne, umgeben von
den Symbolen der vier Evangelisten
ttnd von anbetenden und Weihrauchfaß
schwingenden Engeln — das ewige
Opfer des Gotteslammes.

Am Chorplafond ist ein ganzer R o -
k o k o a l t a r gemalt, ein Meister-
werk der Perspektive, itt dessen Haupt-
nische die Muttergottes mit dem Jesus-
kind als Königin thront auf einem Wa-
gen, der von vier Putten gezogen wird,
vor denen her ein Hund mit einer Fackel
im Maule springt («Emblem des hl. Do-
minikus). Links ist am Altar der Teu-
fel angekettet, rechts der Tod als Ge-
rippe niedergekauert. Links und rechts
von der Nische sind je zwei Pilaster; auf
jedem derselben sind zwei Kartuschen mit
Rosenkranzgeltetntnisibildern angebrächt.
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