Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

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Am 'Kranzgefims der Pilaster ist 'eben-
falls auf jeder Seite eine Kartusche mit
Rosenkranzbilü, so daß auf jeder Seite
je siinf Geheimnisse des Rosenkranzes
dargestellt sind. Ueber der Mittelnische
ragt ein Schild mit den Worten:
triumphus victoriae. Ueber der Mit-
telnische baut sich eine aedicula auf mit
weiteren siinf Geheimnissen. Ueber dem
ganzen ein schwebender Engel, der in
die Posaune stößt, zu seinen Seiten an-
dere Engel mit Fahnen und Wimpeln,
Kranz und Palme. Unten rechts und
links von den Pilastern stehen auf nie-
deren Postamenten St. Dominikus und
St. Katharina von Siena. Das Decken-
bild flankieren zwei Kartuschenbilder,
grau in grau, das eine stellt die eccle-
sia militans vor, eine Frauengestalt in
kriegerischer Rüstung mit einem Schild,
auf dem der NamenszUg Mariens zu
lesen ist, das andere zeichnet die eccie-
sia triumphans.

Am Chorbogen ist das W a p p e n
d e s A b t e s v o n R o t t e n b u ch mit
der Inschrift: Haec sacer antistes
digna ornamenta reliquit, hic protecta
piis floreat ista domus. Die Zahlen-
wertbuchstaben ergeben das Jahr 1758.

Das große Deckenfresko ist der Ver-
herrlichung des Patrons der Kirche, des
hl. M a r t i n u s , geweiht. Dasselbe ist
unter den Ulmer Entwürfen Nr. 6,
Seite 37 dieser Zeitschrift naher be-
schrieben.

Daran schließt sich ein Bild an: die
Glorie des hl. Martinas: der
Heilige im bischöflichen PlUviale, von
Engeln umgeben, von denen einer in die
Posaune stößt; zu dessen Füßen fliegt die
Martinsgans. Seitlich sind zwei kleine
Engel, der eine mit einer Schale, auf der
die Worte stehen: dives miraculis; der
andere mit einer Schale und den Wor-
ten: dives meritis.

Das Hauptbild umgeben eine Reihe
von Kartuschenbildern: a) Ein Engel
zeigt ans einen Tisch mit Mitra und
Bischofsstab; darüber steht: lmec. depo
sita; über dem Engel schwebt ein Kranz,
darüber steht: haee reposita. Unter-
schrift: in securitate. b) Unter der
Schrift onmia suffert (S. 37 dieser
Zeitschrift) folgt das Bild des Stark-

muts (fortitudo), behelmte und be-
waffnete Frauengestalt mit der Schrift:
a conventu malignantium; über Blu-
men, die die Gestalt in der Hand trägt,
das Wort et de manu odientium; Un-
terschrift: in fortitudine. c) Die Ge-
stalt der Religio n mit erhobenem
Kreuz und Schrift: qui confortavit,
und mit Fackel und der Schrift: qui
iJliimmavit. d) Frauen gestalt mit Lilie
in der Rechten, die Linke auf einen To-
tenkopf, der auf dem Tisch liegt, -gestützt,
Schrift: nee morde vineendus. Rechts
von der Figur eine Anzahl Schafe,
Schrift: nee labore victus. e) Unter
dem Schildchen omnia susti.net (S. 38)
die Mild e, eine Figur mit zwei Schrift-
rollen mit den Worten: de lingua tri-
bulantis und in manu eolum'bae
meaje. Unter der Figur die Worte: in
mansuetudine. f) Die Liebe mit
brennendem Herz und einem Kleide auf
dem Schoße und Inschrift: hac veste
contexi, und einer Gesetzestafel, auf der
die Worte stehen: diliges Deum, dili-
ges proximuin; über dem brennenden
Herzen liest man: ex corde dilexiit,
unter dem Bilde: in dilectione. Diese
Kartuschenbilder sind ulte in grünlich-
grauem Ton gehalten.

Im Chor und Schiff an den Wänden
sind Medaillons gemalt, -gelb in gelb,
welche die zwölf Apostel vorstellen.

An der oberen Emporebrüstung sind
drei Fresken: a) Martinas, die Miesse
lesend, über ihm erscheint eine glühende
Kugel, welche die Anwesenden voll Stau-
nen sehen. Inschrift: oaiecis vis um (den
Blinden gibt er das Gesicht), b) Mar-
tinus Vor einem Altar mit der Inschrift:
soli Deo, links gläubige Frauen und
Kinder, rechts ein Götzenbild, das zu-
sammenfällt, und dessen Verehrer be-
schämt abziehen; in der Luft erscheint
in einem Feuerkreis eine Säule. Unter-
schrift: obstrnetis odonaltnrn. e) Mar-
tinas reicht einem Kranken die heilige
Kommunion, in einer Seitenkammer
bringt sein Diener einem Kranken Speise.
Unterschrift: aegris gustum.

An der oberen Empore sind ebenfalls
drei Bilder, die den soeben angefange-
nen Zyklus weiterführen: d) Martinns
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