Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

Seite: 72
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Gewänder die Apostel und Jünger vor
dem offenen und leeren Grub. Darüber
schwebt Maria, von Engeln und Wolken
getragen, dem Himmel zu, wo sie von
der heiligsten Dreifaltigkeit empfangen
und von Gott Vater gekrönt ivird. Da-
neben Engel mit Blumenkränzen, einer
mit Sternenkranz. Unten links und
rechts Architekturstücke als Abschluß des
Gesichtsfelds. Vier Kartuschen, grau in
grau, zeigen die vier Evangelisten: Mat-
thäus mit Engel und Buch, sehr schöne
Gestalt eines alten Mannes; Lukas mit
Stier, Pinsel unb Palette; Markus mit
Löwe und Buch; Johannes mit Adler
und Feber in der Hand.

Unmittelbar an den Chorbogen an-
schließend, im Schiff, kommt zuerst ein
Fresko: M a r t y r i u mdes h l. Dio-
nys i il s u n b seiner Genossen.
Seine Genossen liegen mit abgeschlage-
nen Köpfen am Boden. Hier liegt auch
seine Mitra und sein Bischofsstab. Aber
der Heilige selbst erhebt sich, nachdem er
enthauptet war, nnd trägt selbst sein
Haupt in der Hand zum Entsetzen des
Henkers und der Umstehenden einer
knienden Frau entgegen.

Darauf folgt das große Deckengemälde,
das bei den Ulmer Skizzen schon be-
schrieben ist: Leben und Wirke n
des hl. Dionysius in vier Einzel-
bildern. Das Ganze ist genau nach der
Zeichnung des Entwurfs ansgefiihrt
(S. 38 und 39 dieser Zeitschrift).

Gegen die Ecken des Plafonds zu sind
die vier Kirche n l e h r e r, grau in
grau, sehr gut gemalt.

Links und rechts vom Deckenbild sind
je drei Kartuschenbildchen, welche die
v e r s ch i e d e n e n Nt a r t y r i e n des
Heiligen umständlich erzählen: n) Dio-
nysius im Gefängnis feiert die heilige
Messe und reicht den Christen die heilige
Kommunion; b) der heilige Greis hängt
am Kreuze, Mitra und Stab liegen am
Boden; <') derselbe wird in einen Feuer-
ofen geworfen: ä) er liegt auf glühen-
dem Rost, während ein Götzenpriester
sich bemüht, ihn zur Anbetung eines
Götzenbildes zu bewegen, und Soldaten
und Volk znschanen; e) er befindet sich
im bischöflichen Ornat in einer Löwen-

grube; f) auf Befehl eines Heidenkönigs
lvird er mit Ruten gestrichen. Alle diese
Bilder sind in Farben gemalt.

lieber der Orgel ist noch ein größeres
Bild gegeben: ein E n g e l k o n z e r t,
vorzüglich in Komposition und Farbe.

An den beiden Emporenbrüstungen
sind je drei längliche Fresken angebracht,
welche die W n n d e r t a t e n des Hei-
ligen erzählen. Bei jedem ist eine
lateinische Inschrift angebracht, dre ein
Chronogramm ist und das Jahr 1766
angibt. An der oberen Brüstung: a) Dio-
nysius reinigt einen Aussätzigen; schöne
Architektur, der Aussätzige trägt eine
Schelle in der Hand: ecce leprosus fit
mundus. b) Dionysius heilt Kranke:
eunctus morbis adlaborans sana-
tun c) Auf sein Gebet fällt ein heid-
nischer Tempel zusaminen: «anetus

confregit delnbruro- An der unteren
Brüstung: n) Dionysius heilt einen
Blinden: viro c.aiec-o lumen dafür,

b) In einer sehr schönen Tempelarchi-
tektur ist das Grab des Heiligen in
wundersam feinem Aufbau dargestellt.
Soldaten wollen dasselbe entheiligen.
Einer stürzt jedoch in der Nähe des
Grabes zusammen, ein anderer fällt
entseelt auf den Boden; die anderen
sehen entsetzt die Wunder. Rechts ist ein
Schiff dargestellt mit einem über Bord
fallenden Menschen: sepiilcruni sancti
defanarunt. c) Dionysius wird in
Krankheiten um Hilfe an gerufen: auf
seine Fiirbitte hin geht ein Lahmer ge-
sund einher: elaudus libere ambntat.

Eine Kartusche am Chorbogen hat die
Inschrift: Mart. I fionvsius Areopar
gita hie colitur pio fervore et yoto.
Das Chronogramm weist auf das Jahr
1770 hin. Danach muß Enderle auch in
diesem Jahr noch in Fünfstetten tätig
gewesen sein.

lieber zwei kleinen Chörlein finden
sich noch die zwei Bildchen: Esthers Er-
hebung zur Königin und Bethsabe von
Salomo auf einen Thron gesetzt.

Endlich ist die Kirche noch geschmückt
mit Stationenbildern, die im Chor je
zu zweien, im Schiff einzeln, in Stuck-
rahmen auf die Wand gemalt sind. Sie
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