Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

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vielleicht ist es mit Oelfärben behandelt
worden, in die sich wieder viel Staub
gesetzt hat. Es hätte eine bessere Re-
stauration sehr nötig, die es gewißlich
verdient.

O b erro m in ingen 1766.

Der Ort Oberrammingen ist ein Fi-
lial von llnterramruingen bei Türkheim
und besitzt als Filialkapelle ein baulich
sehr ansprechendes Barockkirchlein mit
gutem Rokokoschmuck. Fiir die Ausma-
lung wurde Enderle gewählt Wohl des-
wegen, lveil deir Leuten die n«he>gele-
ge ne, von Enderle schon 1753 ansge-
malte Kirche zu Kirchdorf gut bekannt
war.

Deni Chor ziert eine prächtige Kreu-
zigung C h r i st i. Jesus cmr Kreuz
ist ergreifend schön gezeichnet und ge-
malt. Besonders fällt die reiche Drape-
rie des L-endentnchs irr Weiß ans. Un-
term .Kreuze stehen Johannes und Ma-
ria, diese im rötlichen llntergewand und
blauen Mantel, die Hände in unnenn-
barem Schmerz von sich nach abwärts
streckend. Magdalena ist unter dein
Kreuze niedergesunken. Neben ihr noch
zwei andere Frauen. Das Kreuz Christi
ist flankiert von den Schächerkrenzen.
Longinns, hoch zu Roß, öffnet die Seite
des Heilands mit der Lanze. Links vor
einer Felswand gruppieren sich drei Sol-
daten, etwas breitsprrrig. Interessant
und lebhaft ist besonders die Gruppe
rechts unter dem Kreuz des linken Schä-
chers: vier Soldaten, sehr gut in Hal-
tung und Gebärdenspiel, Würfeln um
das Gewand des Herrn, im Hinter-
grund nähern sich einige Frauen. Ganz
rechts schließt das Bild ab ein Felsen
mit Banmschlag, dessen Farben in hellem
Grün gehalten sind. — In der ganzen
Anlage des Bildes schließt sich Enderle
eng an an die Kreuzigungsgruppe auf
dem Bild des hl. Dionysius in Fünf-
stetten.

Im Schiff bietet das Deckengemälde
eine breit angelegte Anbetung der
heiligen D r e i k ö n i g e. In einer
architektonisch gut aufgebanten Ruine,
die mit Brettern gedeckt ist und ans j
deren Mauern Gras und Pflanzen wach- I

sen, sitzt Maria mit Jesus auf dem
Schoß, links Joseph und die beiden
Tiere. Von links her kommt der schwarze
König, kniend seine Gabe reichend, von
rechts die beiden anderen Könige, der
älteste in hellblauem Obergewand, und
ihr Gefolge. Maria trägt rotes Unter-
gewand und bläulich-graues Obergewand.
Die Gesichter sind sehr schön. Ueber der
Ruine erstrahlt im Engelkranz der Wun-
derstern. Von rechts, mehr irrt Hinter-
grund, schauen von der Rampe eines Ge-
bäudes atts die Hohenpriester nach dein
Stern. Von links treten aus dent
Obergeschoß eines Hauses zwei Frauen,
die ebenfalls den Stern betrachten. Un-
terhalb der Ruine, ganz im Vorder-
grund hebert eine Anzahl von Dienern
von einem Kamele Koffer mit Schätzen
beladen herab und führen aufgezäumte
Pferde heran. Die linke Ecke schließt
ein Sänlenstumpf ab, die rechte ein frei-
stehender dünner Pfeiler. Daruntersteht:
cUIeetn meia nt aurora consurgens.
Der Buchstabenzahlenwert dieses Chrono-
gramms ergibt das Jahr 1766.

lieber der Empore zieht sich ein eben-
falls breit angelegtes Gemälde hin:
T a r st e l I u n g M a r i ä i m T e m -
p e l. Auf der Estrade einer ausgezeich-
neten Tempelarchitektur sieht der Hohe-
priester, hinter ihm eine Art Altarauf-
satz mit den zwei Gesetzestafeln, neben
ihm ein Ministrant ntit Bitch. Zum
Hohenpriester schreitet die jugendliche
Maria hinan, in grün-weiß-em Unter-
gewand und blauem Mantel: hinter ihr
Joachim kniend und Anna stehend. Auf
einer Galerie hinter ihnen ein brennen-
der Leuchter, links auf einer Galerie
eilt Teppich und eine Kanne, weiter un-
ten ebenfalls Kanne und Schüssel von
schöner, getriebener Arbeit. Dieses Bild
ist signiert: Joh. Enderle pinxit.

An der Emporebrüstung sind noch
drei Bilder: a) Mariä Heimsuchung bei
ihrer Base, vor dem Hause von ihr und
Zacharias begrüßt, rechts eine Palme,
im Hintergrund verschiedene Gebäude.
1») Anbetung der Hirten: Prächtige Ma-
donna, hinter ihr St. Joseph ltnb die
Tiere. Maria zeigt das auf ihrem
Schoß auf einem weißen Tuch liegende
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