Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

Seite: 75
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Kind (daneben die Krippe) drei knien-
den Hirten, wobei zwei Frauen «ns dem
Hintergründe eiligst sich nähern. Rechts
in der Ecke ein Säulenstumpf, e) Flucht
nach Aegypten: Maria mit dem Kinde
aus einem Esel, der von St. Joseph
geführt wird. Ein Götzenbild am Wege
bricht zusammen. Links Gebäulichkeiten
und eine Pyramide.

(Schluß folgt.)

Alte Lchmiedeisenkreuze.

Wenn unsere Kunstwanderungen uns
zu einer Kirche oder Kapelle führen, so
wird jedesmal auch der Kirchhof oder
Friedhof gemustert und Umschau gehal-
ten nach den Eisenkrenzen ans Groß-
vaters und Urgroßvaters und aus noch
älteren Zeiten. Die Steinkolosse und
die Sandstein- und Marmor-Langwei-
ligkeiten, die sich auf den Friedhöfen so
breitspurig hinstellen, können unseren
Blick nicht fesseln, wohl ober, wenn mal
dazwischendurch sich noch ein eiserner
Zeuge besseren Geschmacks erhalten hat.
Man kann noch recht viele und schöne
Exemplare von alten Schmiedeisenkren-
zen ans den Gottesäckern antresfen.
Gottlob, daß es Leute gibt, die den Sinn
für diese kernfeste und treuherzige Knnst-
äußerung nicht verloren haben. Gar
manchesmal hat einer so ein altes Kreuz
lvieder instandgesetzt und auf einem neuen
Grabe wieder zrr Ehren gebracht.

Allein noch viel häufiger trifft man
Kirchhöfe, wo diese alten Kreuze in einem
Winkel beim Beinerhäusle oder beim
Geräteschuppen kunterbunt durcheinan-
derliegen, oder hin- und hergeworfen
werden und einen um den anderen ihrer
Zierschnörkel einbüßen und zuletzt ver-
rosten und vergehen. Kommt dann so
ein hungriger Alteisenmann, dann wirst
man ihm um ein paar Pfennige den
ganzen „Plunder" zu nrtb ist froh, ihn
billig losgeworden zu sein. Man ahnt
dabei oft gar nicht, daß der simple Alt-
eisenmann mit dieser billig erstandenen
Ware oft einen hundert- und -mehrhun-
dertprozentigen Gewinn machen kann.
So ein einfaches Schmied eisen kreuz ist
bald seine 15 und 20 Mark inert, und

der Wert steigt bei schönen Kreuzen bald
auf hundert und mehrere hundert Mark.

Wegen der Kunstfertigkeit und wegen
des Kunstwertes, die in diesen Gegen-
ständen des Kunsthandwerks liegen, möch-
ten wir deswegen ernstlich aus ihre Er-
haltung und Pflege aufmerksam machen
und einige Verwendungsmöglichkeiten
für diese Kreuze in Kürze besprechen.

Was die Erhaltung und Pflege dieser
Kreuze betrifft, so können wir uns kurz
fassen. Bei Kreuzen, dienochim Ge-
brauche stehen, sind die Angehöri-
gen durch den Geistlichen darauf auf-
merksam zu machen, daß eine Erneue-
rung der Fassung und Färbung notwen-
dig geworden ist, und daß durch diese
Erneuerung das Kreuz wieder jahrelang
erhalten werden kann. Wird das nicht
versäumt zu rechter Zeit, so können
Kreuze, die schon fünfzig und mehr Jahre
stehen, ebensolange noch der Witterung
und ihren Unbilden trotzen. Allerdings
! ist auch nötig, daß von Zeit zu Zeit die
Lage des Sockels wieder in Ordnung
gebracht wird. Kein widerlicherer An-
blick, als wenn diese Kreuze windschief
Überhängen, wie wenn der baldige Ein-
sturz drohte. Ebenso sollte auch die
Schrift immer wieder erneuert Inerden.
Ein gutes Wort diirste hier wohl immer
einen guten Ort finden.

Ist ein Zierat abgebrochen oder ver-
bogen, so sollte man alsbald dazutnn,
es zu ergänzen oder wieder in Ordnung
zu bringen. Denn nur lvenn die Knnst-
form in ihren zeichnerischen Umrissen
gilt erhalten wsrd, machen die Kreuze
einen guten Eindruck. Oft ist jeder
Schmied oder Schlosser in der Lage, hier
einzugreifen und den Schaden sachge-
mäß wieder gutzumachen. Sicherlich
bereitet es auch dem Handwerker, der
sein Geschäft liebt, eine Freude, in die-
ser Art tätig zu sein und seine Geschick-
lichkeit zu iiben und zu zeigen. Bei
schwierigeren Ergänzungen muß natür-
lich der Kunstschlosser zu Rate gezogen
werden, und wir haben ja gegenwärtig
keinen Mangel mehr an guten Kunst-
schlossern und Kunstschmieden.

Bei Kreuzen, welche nicht m e h r
i m G e b r a it ch e stehen, sollte man
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