Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

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sorgen, daß sie irgendwo auf dein Kir-
chenboden oder sonst einem passenden
Raume untergebracht werden-, wenn sie
der Stiftung anheimgefallen sind. Sind
sie Eigentum der Gemeinde geworden,
so wird diese noch viel leichter einen
Raum finden, diese Kreuze aufzubewah-
ren. Jedenfalls sollte man im Interesse
der Friedhofordnung daraus bestehen,
daß sie nicht in einem Winkel oder Gra-
ben hierum fahren und bösen Buben znm
mutwilligen Spiele dienen.

Denn es sind wahrhaftig vielfach
Werte, die nutzlos daliegen oder zu-
grunde gehen, materielle Werte und
künstlerische Werte. Alle diese
Kreuze, so einfach sie sind oder so kunst-
fertig sie gearbeitet sind, alle haben ihren
Wert oder ihre B e r w e n d u n g s -
m öglichkei t.

Da war irgendwo ein Pfarrer, der ans
seinem Friedhof ein einfaches Schmied-
ei fen kreuz hatte. Es stand lange in einem
Winkel des Kirchhofs und hatte keinen
Herrn. Als einmal ein armes Glied i
seiner Gemeinde starb, veranlaßte er
die Verivandtfchaft, dein Toten dieses
Grabkreuz um ein paar Mark richten zu
lassen. Es steht jetzt schon viele Jahre
wieder am rechten Platz und ziert den
einfachen Dorfkirchhos. Auf diese Weise
könnten sicherlich viele Schmiedeisen-
kreuze vor dem Untergang gerettet und
die Einförmigkeit und Langweiligkeit
des Grabsteinwesens oder -Unwesens im° !
terbrochen werden.

Vielfach geben Geistliche auch dadurch
ein gutes Beispiel, wenn sie für ihre
eigenen Angehörigen solch alte Schmied-
eisenkreuze instandsetzen und verwenden.
Familien, die noch im Besitze solcher
Kreuze sind, werden rasch daraus anf-
merksam werden, welch ein schöner Gra-
besschmuck ihnen in diesen Kreuzen zur
Verfügung steht.

Wir kennen auch eine Reihe von Geist-
lichen, welche für sich von den Altertums-
händlern und Alteisenhandlern ein sol-
ches Kreuz auskausen und Herrichten las-
sen zil ihrem einstigen Grabkreuz.

Man sagt vielleicht, diese Kreuze hät-
ten nicht genug Raum zum Anbringen
der Grabinschrift. Gewöhnlich steht da-

für das mit einem Türchen verschlossene
.Kästchen zur Verfügung. Wem der Ver-
schluß nicht behagt, der kann sich die
Türe entfernen lassen und in das Käst-
chen die Inschrift malen lassen. Oder
statt des Kästchens läßt sich ein ovaler
oder sonstwie stilgerecht gestalteter Schild
anbringen, etwas weiter unten am Kreuz.
Dann bietet sich im Raume des Käst-
chens Platz für ein kleines Gemälde,
das hiezu passend gewählt werden kann:
Pieta, Armeseelen, Namenspatron, Zei-
chen des Priestertums, der Auferstan-
dene, Jesus am Oelberg, Sterbepatrone,
Name Jesu, Herz Jesu usw. Sollte
auch der Jnschristschild nicht genügen,
so bietet ein etwas höherer Sockel für
das Kreuz Rau in für die Inschrift. Ab er
dann um Gottes willen keine schwarze
Glastafel mit Goldbuchstaben und auch
keine Mavmortafel. Die Schrift soll
dann in das Sockelfeld eingehauen wer-
den und durch Färbung der Schrift oder
der Vertiefung hervorgehoben werden.

Was noch die Fassung solcher Kreuze
betrifft, so sollte Farbe und Vergoldung
nur mäßig verwendet werden. Zuviel
Farbe wirkt bäurisch und geschmacklos,
zuviel Vergoldung wirkt protzenhast und
unkünstlerisch und läßt das eigentliche
Material, das Eisen, zu wenig zur Gel-
tung kommen.

Neben dieser ersten Art der Verwen-
dung als Grabkreuze möchten wir
nun einer anderen, etwas von dieser ver-
schiedenen Art das Wort reden. Wir
sind der Meinung, daß diese Schmied-
eisenkreuze sich ganz ausgezeichnet eig-
nen zil Monumenten für das Gedächtnis
an den Krieg und die im Krieg Gefalle-
nen, also als Heldengra b k r e u z e.
Wir besuchten einmal den Friedhof eines
Ortes und betrachteten mit dem Pfarr-
herrn den Gedächtnisplatz der Gefallenen
des Dorfes. Es war ein schönes Plätz-
chen in der Nähe des Eingangs zur
Kirche. Da war eine Anzahl Findlinge
zusammengetragen, zwischen denen Blu-
men und Pflanzen hervorsproßten. Eine
Pslanzeneinfassung gab dem Ganzen
einen runden Abschluß. Mitten darin
stand ein Holzkreuz mit passender In-
schrift. Zufällig wunderte unser Blick
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