Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

Seite: 77
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in «einen Winkel des Kirchhofs, in dem
ein großes, sehr schön gearbeitetes
Schmieöeisenkrenz am Boden lag. „Mei-
nen Sie nicht, Herr Pfarrer, das Kreuz
da gäbe ein prächtiges Denkmal für
die Gefallenen dieser unserer eisernen
Kriegszeit, wenn Sie es Herrichten und
an oiesem schönen Plätzchen ausstellen
ließen?" „Wahrhaftig, Sie bringen
mich ans einen guten Gedanken, den
werde ich ausführen." So unsere Red
und Gegenrede.

Vielleicht bietet einem Leser die An-
bringung von Namen der Gefallenen bei
dieser Art von Heldengrabdenkmal noch
Schwierigkeit. Es ist aber leicht mög-
lich, aus einer oder zwei zu Füßen des
Kreuzes liegenden galvanoplastischen
Tafeln diese Namen anzubringen. Oder
wenn das Kreuz und das Stein- und
Blumenarrangement vor einer Kirchen-
mauer, Kapellenmauer, Friedhofsmauer
sich befindet, kann diese galvanoplastische
Tafel in die Mauer eingelassen werden
und mit Efeu oder Wildrebe umspon-
nen werden.

Wir glauben, daß eine solche Art von
Helden-Denkmal st i m m u n g s v o I l
wirkt, k ü n st l e r i s ch befriedigt und
billig, mit ganz geringem Aufwand
herznstellen ist.

Noch einer anderen Art von Errich-
tung von Heldendenkmalen unter Ver-
wendung von Schmiedeisenkreuzen möch-
ten wir gedenken. Dabei haben wir be-
sonders kleine Gemeinden im Auge, wo
die Zahl der Gefallenen nicht so groß
ist. In einem Dorfkirchhos sahen wir
eine größere Anzahl fast ganz gleich
großer und ähnlich stilisierter Schmied-
eisenkreuze. Dieselben ruhen aus einem
ganz niederen Steinsockel nnd sind höch-
stens 140—150 Zentimeter hoch. Diese
könnten in der Weise verwendet werden,
daß man sie in einer Reihe an det Kirch-
hofmauer anbringt, vor ihnen eine etwas
breitere Rabatte anlegt, zwischen ihnen
und an den Endpunkten hübsche Kirch-
hospslanzen oder passende Bäumchen
pflanzt und an denn Kreuzungspunkt
der Kreuzesarme jedesmal den Namen
des Gefallenen anschreibt. Auch dies
wäre ein stimmungsvoller Kriegsgedächt-

nisfriedhos, der zugleich ein Schmuck des
ganzen Kirchhofs werden könnte. Wer
will es probieren? Wenn die alten Kreuze
nicht vorhanden sind, so sind sie doch un-
schwer zu kaufen.

Mit den bisherigen Vorschlägen sind
die Schmiedeisenkreuze ihrem eigent-
lichen Zweck als Gvabkreuze erhalten.
Es gibt aber noch andere Verwendungs-
möglichkeiten. In früheren Zeiten war
es Sitte, an den Sterbejahrtagen nach
einem Requiem oder Jahrtagsgott-es-
dienst ans der Kirche hinaus aus das
Grab des Verstorbenen zu gehen und
dort die Gebete ad tumbam zu verrich-
ten. Heute werden die Tumbagebete in-
nerhalb der Kirche verrichtet vor einem
castrum doloris, das im Laufe der
Zeit gar verschiedene Formen angenom-
men hat. Die gewöhnlichste ist die eines
Holzgestells, das die Form eines ausge-
bahrten Sarges erhält, mit einem schwar-
zen Tuch bedeckt wird, auf dem ein gro-
ßes weißes Kreuz aufgenäht ist. Auf
das Tuch wird ein Kreuzchen gestellt und
das ganze mit Leuchtern und Blumen
umstellt. Andere Formen sind kleinere
Gestelle, aus welche der Sarg in perspek-
tivischer Verkürzung gemalt ist und an
denen Leuchter und Kruzifix fest ange-
bracht sind. Besondere Arten sind solche
Gestelle, aus denen in Skulptur das
Grab Christi, die Auferstehung von den
Toten und ähnliches dargestellt sind, wie
sie sich noch in manchen Kirchen auch un-
serer Diözese finden. Die letzteren Ar-
ten sind oft recht putzig und klein, die
erstere Art oft unheimlich groß, so daß
durch einen solchen Tumbaausban viel-
fach jeglicher Ausblick in den Chor, aus
die Feier des heiligen Opfers für die
Verstorbenen verhindert ist. Auch sind
die großen Trauertücher über dem Kata-
falk oft recht teuer und sehr schwer rein
zu erhalten. Die Wächstropsen auf den-
selben und langer Gebrauch machen sie
oft zu einem sehr unschönen Kultvequisit.

An ihrer Stelle möchten wir Vorschlä-
gen, schöne Schmiedeisenkreuze als
T it m bakreuze zu verwerten. Diese
Kreuze mit ihrer durchbrochenen Arbeit
lassen den Blick auf den Altar frei und
nehmen sich in den Kirchen sehr leicht
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