Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

Seite: 78
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und gefällig -aus. Sehr leicht ist es für
einen ordentlichen Kunstschmied oder-
guten Schlosser, Leuchterarme, die in
dem Stil der anderen Ornamente ge-
halten sind, bom Hauptbalken des Kreu-
zes aus.zu führen für 4 oder 6 Kerzen,
fr nach der Größe des Kreuzes. Das
Fußgeftell vermag ebenfalls leicht und
praktisch hergestellt zu werden, so daß das
Ganze auf Gummirollen läuft und ohne
Anstrengung vom Aufbewahrungsort an
den Platz der Aufstellung überführt oder
geschoben werden kann. Wir kennen
eine Kirche, die besitzt zwei solcheTumba-
kreuze, das eine größere' für die eigent-
lichen Leichengottesdienste und das andere
kleinere für sonstige Tumbamessen. Am
größeren Kreuze hängt am oberen Teil
des Längsstammes ein ait§ Eisenblech
geschnittener Kruzifixns, der bemalt ist,
während alles andere in Schwarz und
Gold gehalten ist. Anr kleineren Tumba-
krenz ist das Türchen des Kästchens in
der Mitte entfernt und im Kästchen zeigt
sich eine alte Malerei des 18. Jahrhun-
derts. Sehr passend für diesen Zweck
stellt das Bild dar, wie die hl. Agnes
ihren Eltern, die um sie lange und bit-
terlich trauerten und weinten, im himm-
lischen Glanze erschien und sie tröstete
mit den Worten: „Trauert doch nicht um
mich als um eine Tote ; beglückwünschet
mich vielmehr, daß ich setzt in unend-
licher Seligkeit mit dein vermählt bin,
den ich ans Erden von ganzem Herzen
geliebt habe." Das größere Kreuz mit
seinen ausnehmend schönen Rokokofor-
mcrt hat eine Höhe von 256 Zentimeter
und der Kreuzquerarm ist 168 Zenti-
meter lang und ist schon oft von Kunst-
verständigen abgezeichnet worden. Die
Maße des kleinen Tmnbakreuzes find
195 und 96 Zentimeter. Man darf bei
diesen Maßen keineswegs glauben, daß
sie zu groß sind. In einem mäßig gro-
ßen Kirchenraum, besonders bei der
Aufstellung unter dem Chorbogen, scheint
diese Größe förmlich git schwinden.
Wir möchten deswegen raten, lieber
große Kreuze zu verwenden zu diesem
Zwecke, schon mit Rücksicht darauf, daß
die Kerzenarme bei denselben leichter an-
znbringen sind als bei kleineren Kreu-

zen. Kunstfreunde und Kunstverstän-
dige waren über die derartige Verwem
dung von Eisenkreuzen schon oft über-
rascht und angenehm davon berührt und
haben ihrer Freude über die Zweckmä-
ßigkeit der Verwendung lebhaften Aus-
druck verliehen.

Wenn dann bei Leichengottesdiensten
am Fuße des Kreuzes ein Kranz nieder-
gelegt wird, so ist das vollauf genügend.
Wem aber dies noch git wenig fein will,
der kann vor das Kreuz einen kleineren
schwarzen Teppich legen, ihn mit Pflan-
zen umstellen, zwischen diese Leuchter
mit Kerzen stellen, urtb das Arrange-
ment wird festlicher. Auch könnte zu
Füßen des Kreuzes eine kleine, ganz
niedere Tumba auf den Boden gelegt
werden, um etwa bei Gottesdiensten, für
Priester Kelch und Stola auflegen zu
können, oder bei Gottesdiensten für Ge-
fallene und Veteranen militärische Em-
bleme anzubringen. Immer aber muß
das Kreuz möglichst frei und sichtbar
hervortreten und darf nicht etwa im
Pflanzendekor verschwinden.

Ferner können diese Eisenkreuze sehr-
passend verwendet werden als Ker-
zenst än der bei Betstunden für Ver-
storbene in der Kirche oder Gottesacker-
kapelle, wie sie vielerorts gebräuchlich
sind bei Todesfällen.

Eine eigenartige Verwendung sahen
wir ans unseren Kunstwandernngen in
Bayern, wo in einer Kirche der obere
Teil eines etwas schmäleren Eisenkreu-
zes als O st e r k e r z e n st ä n d e r um-
gearbeitet war. An der Rückseite war
ein Leuchterteller angebracht, in dessen
Dorn die Osterkerze gesenkt wird. Es
hat sich sehr praktisch und künstlerisch
ausgenommen.

Wir haben auch schon die Wahrneh-
mung gemacht, iiüe solche Kreuze als
F e l d k r e u z e verwertet wurden. Nur
dürfte es sich bei dieser Art der Verwen-
dung empfehlen, eine etwas vor Sturm
und Wind geschützte Stelle zu wählen
und gut zu fnndamentieren, damit nicht
durch raschen Einsturz großer Schaden
entsteht oder durch baldige Schiefstellung
der künstlerische Eindruck ins Gegenteil
verkehrt wird. Jedenfalls sind solche
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