Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

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missionem criminum, tuum placabo
filium, und Osanna heiß ich, der böse
Feind fleucht mich; dann im Feuer ich
gossen bin 1520. Jahr, das geschah durch
Marx Hillern aus Biberach. Diese Glocke
hat ihren Namen davon, weil für das
Läuten derselben bei Begräbnissen ehe-
dem ein Gulden bezahlt werden mußte;
sie könnte aber ebensogut und mit glei-
chem Rechte als Osanna- oder Marien-
Glocke angesprochen werden; „Osanna
heiß ich" und ,Maria mater gratiae",
diese Glocke ist also noch so recht ein
Spiegel, aus der christkatholischen Zeit
Stuttgarts mit ihrer frommen Marien-
verehrung — vergl. Boßert, Evangel.
Kirchen- und Schulblatt, 1888, S. 63 ss.

2. An weiteren Kunstdenkmalen aus
der Zeit vor der Reformation in Alt-
Stnttgart wäre §u erwähnen der Kreuz-
oder Oelberg vor der St. Leonhards-
kirche; dieser ist aber von Keppler in
Württ. kirchl. Kunstaltertümer ebenso
knapp und zutreffend, icrl§ meisterhaft
und selten schön beschrieben, daß kein
weiteres Wort zu sagen ist — vergl. dazu
Paulus, Kunst- und Altertums-Denk-
mal-e, Nackarkreis, Inventar 1889, Seite
22 ff., und Seytter, „Unser Stuttgart"
S. 192 — welch letzterer auch die Sage
von dem erblindeten und wieder gene-
senen Kinde erzählt, die sich an diesen
.Kreuzberg kniipsk.

3. Schließlich mag noch angeführt wer-
den das St. Christophorusbild am
Lotterschen Hause aus dem Stuttgarter
Marktplatz am Eingang in die Schul-
straße, welches Karl Gerok den Anlaß
zu einen: hübschen Gedicht gegeben hat;
zu den wenigen Zeichen der Erinnerung
an die Zeit vor der Reformation ge-
hören ferner an zwei Hausecken am
Stuttgarter Marktplatz zwei gut gotische
Statuen vom hl. Florian und Mutter
Anna selbdritt — vergl. auch Paulus
a. a. O. S. 43.

Also Weniges besteht noch, das Meiste
ist verschwunden, so namentlich auch die
Marienkirche zu Heslach —- eine Wall-
sahrtskirche —, eine kleine Liebfrauen-
kapelle, wahrscheinlich mit wundertäti-
ger Quelle. Gar schön sagt Seytter,
„Unser Stuttgart" S. 253: daß das

Volk auch die Kapellen ans offener Flur
dann und wann noch gerne aufsuchte, ist
daraus zu ersehen, daß Herzog Christoph
zur Steuerung dieses Gebrauchs streng
auf Beseitigung dieser kleinen Feldkirch-
lein drang.

Es fällt daher namentlich dem katho-
lischen Oberländer aus, daß rund uin
Stuttgart nicht das eine oder andere der-
selben oder ein hübsches Feldkreuz in
dieser ganzen näheren oder entfernteren
Umgegend von der Landeshauptstadt
Stuttgart zu finden ist.

Dekan Joseph Reiter 7.

Ein warmer Freund und eifriger Mit-
arbeiter des „Archivs für christliche
Kunst" hat im Tode die emsige Feder
niedergelegt und ist zur ewigen Ruhe
heimgegangen: Joseph Reiter, ge-
boren 18. März 1849 zu Donzdorf, Prie-
ster seit 1. August 1873, Vikar und
Stadtpfarrverweser in Mergentheim,
1876 Psarrverweser in Heuchlingen, seit
1877, also volle 40 Jahre, Pfarrer in
Vollmaringen, seit 1904 Dekan des Ka-
pitels Horb, hat sich um seine Gemeinde
und um die katholische Kirche in Nagold
hervorragende Verdienste erworben, vor-
nehmlich auf dem Gebiete der caritativen
und wirtschaftlichen Fürsorge. Besom
ders auf dem letzteren Gebiete war er
erfolgreich tätig. Einen Platz im „Archiv
für christliche Kunst" aber verdient sein
Gedenken wegen seiner schriftstellerischen
Tätigkeit. Neben Predigten, die in den
„Kanzelstimmen" erschienen, und neben
Grabreden, veröffentlicht in Mattner,
Grabreden, Breslau 1881, schrieb er
viele geschichtliche Artikel im „Diözdsan-
archiv von Schwaben" und in den „Reut
linger Geschichtsblättern", ganz beson-
ders aber sehr viele kunstgeschichtliche
Artikel, die in unserem „Archiv für
ch r i st l i ch e K u n st" erschienen sind.
Meines Wissens der erste Artikel, den
er zum „Archiv" beisteuerte, behandelt
das Londorfer Wappenbild 1897 Nr. 2,
über welches Mone 1898, 19 und Rei-
ter 1900, 83 weitere Ausfiihrungen brin-
gen. Zunächst fesseln ihn Werke der al-
ten Kunst: Der Rohrdorfer Altar und
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