Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

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stes im spitzen Winkel des Dreiecks schwe- m
bend, das von Engeln umgeben ist. Dar-
unter in einem Kreis das Jesuskind
mit der Weltkugel, die mit dem Kreuze
bekrönt ist. Links davon steht auf
einer Wolke, von zwei Engeln ge-
stützt, eine Prachtvolle Madonnen-
gestalt in blaßrotem Untergewand
und blauem Mantel, mit der Krone ge-
ziert. Darunter schwebt St. Michael in
großzügigem Schwung, mit Schild und
Flammenschwert, imö stößt den Luzifer
und feinen Anhang in das ans düsterem
-Felsgrund aufschlagende Höllenfeuer.
Links und rechts von ihm fchleudern
kleinere Engel Blitze auf die ungehor-
samen Scharen, die von Schlangen um-
ringelt in den Pfuhl fahren.

Die umgebenden Kartuschenbilder sind
folgende: a) Direkt über dem Hochaltar:
die Figur des Glaubens mit Buch, Herz !
und Kelch mit Hostie, an einen Turm
gelehnt, hinter dem sich das Kreuz er-
hebt. Links davon in rot und gelb: St.
Joseph mit dein Jesuskind, von Engeln
umgeben. Weiter links: die Liebe mit
brennendem Herzen auf der Brust, einem
Pfeil in der Linken, mit der Rechten
nach dem Himmel weifend. Daran an-
schließend: die Hoffnung, kniend, mit
dem Anker. Sodann als Gegenstück des
hl. Joseph: St. Antonius mit Jesus-
kind, von Engeln umgeben.

Dem Chorbogen 31t drei kleine Kar-
tuschen mit den Inschriften: a) humi-
lia Deus respicit, sic in astris et in
terris; b) humilibusconcediturgratia;
c) Deus hoc arrogantiae scelere tu-
rn entibus resistit. Die Zahlcnwertbuch-
staben dieser drei Chronogramme erge-
ben jedesmal das Jahr 1769.

An der rechten Chorwand das

alte Altarbild, gezeichnet: J. Enderle
pinxit. Es ist ein prächtiges Bild des
hl. Magnus, des Kirchenpatrons, der
auf den Wolken sitzt, ein Buch in den
Händen haltend. Ein kleiner Engel tritt
einen verwundeten Drachen nieder, ein
anderer hält einen Schild; ein großer
Engel, von der Höhe her schwebend,
hält den Abtsstab, ein anderer streckt
nach unten ein Kreuz an einem Band
über die Ortschaft aus und weist mit

der Rechter: auf den Welligen als den
Patron von Unterramnnngen hin. Un-
ten links ist ein Krieger mit einen: bren-
nenden Herzen auf seiner Brust und an-
dere Personen, ein wogendes Kornfeld
und dann die Ortschaft. Das Bild ist
sehr gut erhalten und weit besser als
das neue Hochaltarbild mit seinen stei-
fen Figuren.

Das riesige Deckengemälde im Schiff
erzählt vom Leben des hl. M a g -
n u s. Es ist ganz gearbeitet nach der
Skizze in Ulm (S. 36 dieser Zeitschrift)
und gezeichnet: J. B. Enderle p. Es
ist noch sehr gut erhalten und glänzt in
prächtigen Farben.

Um das Hauptbild sind in vier Kar-
tuschen die vier Evangelisten gemalt:
über dem Chorbogen St. Johannes mit
Adler und Tintenfaß, in den Wolken
das Lamm Gottes auf dem siebenfach
versiegelten Buche ruhend. Rechts
St. Markus mit dem Löwen, über der
Orgel St. Lukas mit dem Stier, die
Malerpalette in der Hand und eine
Staffelei zur Seite mit dem Bild Ma-
riens und des Jesuskindes; Matthäus
mit dem Engel, mit Buch und Tinten-
faß.

Zwischen diesen vier Kartuschen die
vier Grundtugenden: vorn die Klugheit
mit Schlange, Spiegel und Buch; der
Starkmut mit Säule un>d Eselskinnbacken
(Samson); hinten die Gerechtigkeit mit
Wage und Schwert und die Mäßigkeit
mit einer Schale.

Zwischen diesen Kartuschen und den
Evangelisten weitere vier Bilder der
Kirchenväter: 1. Hieronymus mit der
Posaune des jüngsten Gerichts, dem Lö-
wen und Buch, als Büßer gezeichnet.

2. Gregorius, Papst, mit der Taube des
Heiligen Geistes, ein Buch in der Hand,
ein Engel trägt vor ihm das dreifache
Kreuz. 3. Ambrosius mit Buch und
Bienenkorb, ein Engelchen trägt fein
Patriarchenkreuz. 4. Augustinus mit
brennendem Herz in der Hand und dem
Engelein, das das Meer in sein Sand-
gräbchen fassen will. Diese Kirchenväter
sind auf gelbem Tapetengrund in grau,
die Tugenden in rötlich und grün ge-
malt.
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