Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

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An der Orgelbrüstung sind drei Bil-
der in länglichen Feldern: die Geistes-
sendung über die Apostel und Maria,
sehr lebhaft in der Szenerie, die Auf-
erstehung Christi und seine Himmelfahrt.

An der unteren Brüstung finden sich
ebenfalls drei Bilder: .links: Jesus am
Oelberg mit den schlafenden Jüngern,
in der Mitte: Jesu Fall unter dem
Kreuz, rechts: eine Geißelung Christi von
eigenartiger Auffassung: Jesus ist an
der Geißelsäule niedergesunken, lang
ausgestreckt; ein Soldat schneidet den
an die Säule fesselnden Strick ab, wäh-
rend andere noch auf den Liegenden ein-
hauen, ein anderer schaut teilnahmslos
zu.

Die 14 Stationen sind nicht von En-
derle, sondern von I. M. Ziegler 1778,
keine besonders guten Bilder, aber in
schön geschnitzten Rahmen und doch re-
staurationswert.

Zwei Kartuschen über dem Chorbogen
gegen das Schiff hin haben die In-
schrift, die doppelt als Chronogramm
die Jahrzahl 1769 nennt:

8anete marken preeea populi aud
suspirantis

et nobis remediis succurre salutis.

Im gleichen Jahr 1769 machte sich
Enderle an eine zweite, ebenfalls sehr
umfangreiche Arbeit, die Ausmalung der
Wallfahrtskirche in Buggenhofen.

B u g g e n h o f e n 1769.

Zwei und eine halbe Stunde von der
Eisenbahnstation Tapfheim entfernt (un-
weit Donauwörth) liegt etwas weltent-
rückt zwischen Wäldern und Höhen auf
einem mäßigen Hügel die Wallfahrts-
kirche Buggenhofen bei Bissingen.
Ort und Kirche gehörten zum Kloster
Kaisheim32), unter dessen 42. Abt Cö-
lestin I. Mermos (1739—1771) Neubau
und Ausmalung der Kirche vor sich gin-
gen. Dasselbe Kloster hatte einst die
Kirche in Tapfheim durch Anton Enderle
(Günzburg) ausmalen llassen. Es wandte
seine Gunst auch Johann Baptist Enderle
zu. Als es sich um die Vergebung der
Malerarbeit in Bnggenhofen handelte,
bewarb sich zugleich mit Enderle ein

32) Strichele II, S. 654.

anderer, bisher wenig bekannter Kirchen-
maler, Johann Schweiglender aus Wal-
lyrstein 33 34). Die Fürsprecher Enderles
obsiegten jedoch, besonders als ihn auch
noch das Kloster Mönchsdeggingen emp-
fahl, das die Wallfahrt besorgte3st. Der
damalige Abt dieser Benediktinerabtei
war Michael Dobler (1743—1771) 3Z.
Es wurde das ganze Werk mit Enderle
verakkordiert um 300 Gulden. Der Chro-
nist fügt hinzu: Dieser Maler war ge-
wiß ein ehrlicher Mann und hat bei
dieser billigen Uebernahme Unserer lie-
ben Frau wenigstens 200 Gulden ge-
schenkt.

Im Chor malte Enderle in prächtiger
Umrahmung das Fresko: M a r i ä H i m-
m eck fahrt. Unten links sind eine
Reihe von Grabmälern mit Zypressen
und Palmen gemalt. Die zwölf Apostel
gruppieren sich in lebhafter Bewegung
um den Grabstein Mariä, der mit einem
weißen Tuch bedeckt ist, über welches
ein Rosengewinde herabhängt. Ausge-
zeichnet ist besonders Petrus mit dem
Schlüssel in der Hand in prachtvollem
Gewände. Maria im roten Untergewand
und blauem Mantel fährt zum Himmel
auf Wolken, die von Engeln getragen sind.
Bon links geht ihr Jesus entgegen, hin-
ter dem ein Engel das Kreuz hält, von
rechts begrüßt sie ein Engel mit Lilien-
stab. Oben rechts thront Gatt Vater
mit Zepter und einer Krone in der Hand.
Darüber der Heilige Geist und Engels-
siguren.

Sechs Kartuschen um das Bild herum
umschließen die Bilder von sechs Tugen-
den: a) Stark m u t, meai est forti-
tudo Prov, unterschrieben, eine Frauen-
gestalt, rot gewandet, mit Helm bedeckt,
lehnt die Rechte an eine Säule, d) R e i n-
h e i t, seeundum puritalem Ps. 17,
sehr schöne Gestalt, grünlich bekleidet,
einen Blumenkranz im Haar, auf der
Rechten eine Taube, in der Linken Zep-
ter und brennende Kerze, mit dem rech-

33) Ein Gemälde von ihm, Mariä Krö-
nung, signiert Jo>h. 'Schwei,glender pinxit
in honorem Dei 1779, ist in meinem Besitz.

34) Manuskript des Pfarrers Qffinger in
Bissingen im Kassianeum zu Donauwörth.

»st Steicheile III, 'S. 647.
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