Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

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ten Fuß auf eine Schlange tretend.

e) Glaub e, mysterium fielei, eine
Frau in bläulichgrauem Gewand, in
der Linken Kelch mit Hostie, in der
Rechten ein Buch, ein Herz mit bren-
nender Kerze und das Kreuz. 6) Hoff-
nung, spes me®, in Deo Ps. 61, Frau
in grünem Kleide, mit Anker und Lor-
beerkranz. e) Liebe, sonore langueo
Cant. 2, Frau mit bläulichem und röt-
lichem Gewand, eine Flamme auf dem
.Haupt, ein strahlendes Herz auf der
Brust, in der Linken einen Pfeil.

f) G li t e, Imago bonikaiis illin«,
Frair in graugrünem Kleid mit Brun-
nen und Füllhorn.

Die Langhausdecke ist von einem ge-
waltigen Gemälde bedeckt in kühnge-
schwnng'ener Umrahmung: Maria

verehrt von den vier Welt-
teilen. Eine Gestalt mit Früchtefüll-
horn links unten weist hin auf die dar
Welt durch Maria vermittelten Gna-
den. Dann folgt ein Mohr mit grünem
Schirm und in Grün gekleidet mit zwei
Mohrenknaben als Pagen — der Ver-
treter Afrikas. An ihn schließt sich an
Europa, Frauengestalt in Hermelin und
mit großer Schleppe, mit Krone und
Zepter, die Brust umschirmt mit einem
Reichs adlerharn i s ch, zu ihren Füßen
Papst-, Kaiser-, Fürstenkrone und Bi-
schofsmitra. In der Mitte erscheint der
Erdball, hinter dem ein Diener ein ge-
zäumtes weißes Roß heraufführt. Ne-
ben einem Dromedar kniet.der Vertreter
Asiens mit Zepter und Turban, ein gol-
denes Weihrauchgefäß schwingend, mit
großer Schleppe, welche zwei mit Tur-
ban und Halbmond geschmückte Diener
tragen. Endlich folgt Amerika mit Fe-
derhut, zwei Knappen und wilde Tiere.
Diese ganze Szene ist überaus lebhaft
und farbenprächtig. — Alle vier Vertre-
ter der "Weltteile haben ihr Antlitz er-
hoben zu Maria, die, von Engeln um-
geben, sich in majestätischer Herrlichkeit
iiber der Weltkugel erhebt, mit Krone,
Zepter. und Sternenkranz geschmückt.
Im Hintergrund schaut das Auge den
ganzen Himmel mit Engeln und Hei-
ligen, die alle in Frohlocken auf Maria
blicken. Von oben schwingt sich ein Engel

nieder, der einen Blumenkranz über
Maria hält. Dieses überwältigend
schöne Bild ist gezeichnet: J. B. Enderle
pinx. 1769.

Neben dem Wappen von Kaisheim
am Ctzorbogen malte Enderle als Um-
rahmung des großen Deckenfreskos ins
Langhaus sechs Kartuschenbilder : a) eine
Frauenfigur in rot und -gelb, daneben
auf einem Berge die Arche Noes mit
der Unterschrift: tu supergressa es
universas Prov. 31; b) eine Frau mit
Lilie und Spiegel: decora nionis vir»
goque pulcherrima Gen. 24; c) Frau,
auf welche vom Himmel eineFeuerflamme
und ein Schlüssel fällt, daneben ein
Steinaltar mit Räucherpfanne: sieut
inoensum in conspectu tuo Ps. 140;
d) kniende Frau, die Hände betend vor-
der Brust gefaltet, zu ihren Füßen ein
Lamm: respexit humilitatem anciL
lae suiae Luc. 1; e) Frau mit Joch,
auf «dem das Wort suave steht, eine
Blume in der Hand: meditatur ot>e-
dientiam Prov. 15; f) .gekrönte thro-
nende Frau mit Zepter: positusque
est thronus matri regis III. Reg. 2.
Alle diese Bildchen in rot und gelb schil-
dern die Tugenden und Herrlichkeiten
Mariä: Erhabenheit, Schönheit) Fröm-
nrigkeit, Demut, Gehorsam, Herrscher-
würde.

Zwei Fresken in den Wandnischen
schildern örtliche Begebenheiten: auf der
Evangelienseite die Auffindung
des Gnadenbildes. Dieses zeigt
Mama, mit Jesus auf dem Schoße, als
Königin-Mutter, trägt Flachs in der
Hand. Ein Mann trägt kniend dieses
Bild, umgeben von Hirten und anderen
Männern und Frauen. Freudig eilen
andere hinzu, um es zu verehren: alles
in nicht sehr guter Landschaft mit Wald
und Wiesengrund. Oben das Auge Got-
tes und zwei Engelsköpfchen. Auf der
Epistelseite ist gemalt die Wall-
fahrtskirche zu Buggenho-
f e n, über der das Gnadenbild von
Engeln umgeben schwebt. Unten das
Volk, das sich in feinen. Anliegen an
Maria wendet: ein Geistlicher spricht
den Segen über das Vieh, Kranke wer-
den herbeigetragen, einer läutet eine
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