Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

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Schale und Broten (Schaubrottisch).
Die Bilder der oberen Empore beziehen
sich auf Maria: 1. Aufopferung
Mariens im Tempel: Joachim und
Anna führen das Kind Maria dem
Hohenpriester entgegen, reiche Tempel-
architektur. 2. Mariä unbefleckte
Empfängnis: Maria, in weißem
nrtb blauem Gewände dastehend, mit
Sternenkrone, Lilienzepter, tritt auf
die Mondsichel und auf den Kopf der
Schlange mit dem Apfel, darüber die
Taube des Heiligen Geistes. Links:
Adam und Eva unter dem Paradieses-
baum und der Tod, rechts zwei kleine
Engel, deren einer Blitze gegen die
Schlange schleudert. 3. Vermäh-
lung Josephs mit Maria: in
schöner Tempelarchitektur steckt Joseph
den Ring an den Finger Mariens vor
dem Hohenpriester. Links erscheinen
einige Personen als Teilnehmer der
feierlichen Handlung, rechts ein Blu-
menstock auf einem Postament.

Il-eber der Orgel ist in großer Rahme
dargestellt: Mariä Geburt. Mut-
ter Anna auf dem Bette ruhend, über
dessen Hauptende ein grüner Vorhang
sich hebt, hält das im Wickelkissen be-
findliche Kind auf dem Schoße, der Va-
ter tritt erfreut herzu, dienende Frauen
halten Tücher und Windeln bereit. Die
Wiege mit schöner Rokokoschnitzerei hat
an den Wangen zwei Engelsköpfe und
am breiteren Stiick eine Sonne.

Zu diesen Fresken kommen nun noch
zwei Seitenaltarbilder auf Leinwand.
Auf der Evangelienseite: Mutter Anna
lehrt das Mädchen Maria, das vor ihr
auf einem Stuhle sitzt, hinter dem Joa-
chim zuhört. Zu Fiißen des Kindes rin-
gelt sich die Schlange mit dem Apfel,
links in der Ecke ein Arbeitskorb. Ueber
der Gruppe schwebt die Taube des Hei-
ligen Geistes. Aus grünlichem Hinter-
gründe lugen neugierige Engelsköpfe
hervor. Auf der Epistelseite: St. Jo-
seph mit dem Jesuskind auf dem Arm
trögt die Lilie, in der Nähe der Werk-
tisch, darüber der Heilige Geist. In die
Szene blicken wieder Engel aus dem
grünlichen Hintergründe. Für diese

beiden Altarbilder erhielt der Künstler
22 Gulden.

Allerheiligen bei Scheppa ch
1770/71.

Unweit des Städtchens Burgau liegt
die Bahnstation Scheppach. In einer
Viertelstunde gelangt man von hier an
die auf einem waldbedeckten Hügel reiz-
voll gelegene, sehr schöne Wallfahrts-
kirche Allerheiligen. Wahrscheinlich ist
unser Meister durch die Arbeit im nahen
Hammerstetten bekannt und geeignet
erfunden worden für die Ausschmückung
dieses Heiligtums. Es war wieder eine
sehr umfangreiche Arbeit, die Enderle
hier erhalten hatte.

Ein gewaltiges Fresko in dem sehr
hohen und weit gespannten Chor stellt
in prächtigem vertieften Rokokoraume
ein Allerheiligenbild, einen
Heiligenhimmel dar. In verschiedenen
Reihen und Stufen geordnet, schweben
sie in der himmlischen Glückseligkeit.
Unten sind die Gewänder und Drape-
rien in satteren Farben, nach oben in
lichten Tönen gegeben. Das ganze Bild
ist eingefaßt mit gemalten Schranken,
iiber welche Laubgewinde herabhängen,
auf deren Zwischenpostament Blumen-
stöcke stehen. Unten rechts auf dem
Bild kniet ein Fürst mit Kurhut, der
neben sich die Allerheiligenkirche hat,
also der Stifter, der sie der zuoberst
schwebenden heiligsten Dreifaltigkeit,
unterhalb der Maria und Joseph stehen,
aufopfert. Es sind lauter sehr gute
Figuren. Das Bild ist einmal teilweise
herabgefallen und wurde vor etwa 20
Jahren erneuert.

Links von diesem Bilde ist in einer
Kartusche gemalt: die Erscheinung
Gottes zwischen Felsen, mit der
Umschrift: lapparuit de monte Pha-
ran et cum eo sanctorum millia.

Rechts ist eine ähnliche Kartusche mit
Bild: die Hand Gottes streckt aus
den Wolken herab die zwei Gesetzes-
tafeln, mit der Umschrift: in dextera
eins ignea lex Dent. 33, 2.

Im Chor sind zwei Altäre. Der Altar
der Epistelseite hat im Aufbau ein
Fresko: St. A l o i s i u s, dem ein Engel
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