Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

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dos Kreuz hinhält. Darüber ein weite-
res Fresko mit Signatur: J. Enderle
pinxit. Es stellt dar: St. Joseph
mit Jesuskind, auf Wolken hingegossen,
rechts von ihm der dürre Stab, der
Blätter treibt, und Engel. Mit der Lin-
ken hält Joseph ein Blatt Papier mit
der Schrift: sanitatern, fiat. Er führt
dem Jesuskind die Hand zum Schrei-
ben auf ein anderes Blatt: seien»
tiam, fiat. Unten ist eine Gruppe
von Personen, in Pyramidensorm
ausgebaut, links in der Ecke eine
schö ne Fronen gestalt mit Zettel:
veniam peccatorum, fiat. Ein Enge-
lein bringt einem Manne ein Blatt:
panem, fiat. Ein Mädchen hält einen
Zettel: devotionem. Hinter ihr ein
bittender Jüngling, hinter diesem ein
Geistlicher mit Zettel: officium, fiat.
Es ist demnach St. Joseph als Fürbit-
ter in allen Anliegen dargestellt.

Auf der Evangelienseite im Chor ist
das Gegenstück. Im Altaraussatz dos
Fresko: St. Franz Xaver mit Moh-
renknabe. Darüber das große Fresko:
St. Leonhard in den Wolken, von
Engeln umgeben, die Kette und Stab
halten, sein Gewand ist ganz hellgrau.
Unten sind zwei Gefesselte, die seine
Hilfe onrusen, rechts eine Viehherde.
Signatur: Joh. Enderle pinxit.

An der Epistelseite ist ein Chörlein,
neben dessen Fenstern ein gemaltes Fen-
ster angebracht ist, aus dem ein älterer
Geistlicher herausschaut, wie wenn er
dem heiligen Opfer anwohnen wollte.

An den Chorbogen im Schisse anschlie-
ßend, malte Enderle eine hervorragend
schöne Mariä Verkündigung in
prachtvollen Farben, hell und freund-
lich. Ganz links steht ein Zelt in hell-
blauer Seide — die Malerei ist so sein,
daß die Wirkung der Seide frappant
ist —, davor Maria am Betstuhl, auf
dem ein Buch und Blumenstock ist; ihr
erscheint eine sehr anmutige Engelsge-
stalt. Zwei kleine Engelein beschäftigen
sich am Nähkorb. Ganz rechts schließt
das Bild ab mit einer Säulenarchitektur.
Unter dem Bild ist das Chronogramm
zu lesen: sit trino, sit uni Deo, sicut
in principio, sit semper gloria 1771.

Das Hauptdeckengemölde ist eine
großartige Anbetung der hl. Dre i-
k ö n i g e. In breiter, herrlicher Stuk-
katurrahme bietet sich zunächst eine halb-
zersallene Architektur dar, meisterhaft
gemalt, oben etwas eingedeckt mit Lat-
ten, die auch das Alter verraten; aus
dem Gebäude wächst Gras hervor. Links
davon erhaltene Gebäude, im Vorder-
grund drei Säulenstümpfe, rechts eben-
falls Gebäulichkeiten und obelisken-
artige Pfeiler. Da naht das Gefolge
der Könige mit Pferden und Kamelen,
reich ausgezäumt. In dem Mittelbau
sitzt Maria mit dem Kind ans dem Schoß,
lieblich und sein. 'Zwei Könige kommen
von rechts, der Mohr von links. Im
Hintergrund St. Joseph und die Tiere,
lieber dieser Szene erscheinen Engels-
gruppen und dann weiter oben, mit den
Stern sich im Tanze schlingend, ein kleiner
Engelreigen. Signatur: -I. B. En-
derle 1770.

An den Wänden des Schiffes finden
wir zwei große Gemälde: iai) Tod M a-
riens (Evangelienseite): Aus dem

Sterbebett hingegossen, liegt Maria im
roten Gewand mit blauein Mantel. Um
sie gruppieren sich die Apostel, prächtige
Köpfe in abwechslungsvoller Gewan-
dung. Ein Licht brennt zu den Füßen
Mariens, ein Apostel hält eine Kerze,
einer betet vor, einer weist die Ster-
bende zum Himmel empor. Von hier
aus erscheint ihr Christus sin den Wol-
ken mit seinem Kreuz, zwei Engel hal-
ten Blumengirlanden, andere ein Zep-
ter und eine Krone.

b) Tod des h l. Joseph (Epistel-
seite). Dem sterbenden Joseph naht sich
von links Maria, von rechts Jesus, zu
Häupten und hinter Jesus Engel. Vorn
halten zwei Engel die Sanduhr und
den Lilienstab. Im Vordergrund liegt
Handwerkszeug des Zimmermanns. In
den Lüften erscheint Gott Vater mit
Zepter und Weltkugel, von Engeln um-
geben. Zwei kleine Engel zeigen dem
Sterbenden Blumenkranz und Lilie.
Dieses Bild ist zwar gezeichnet L. Berg-
mayer, aber sicher nach Zeichnung und
Entwurf Enderle oder seinem Einfluß
zuzuschreiben.
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