Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 35.1917

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K a i i e I ?

An bis Arbeiten in Oberndorf schlossen
sich die Malereien im Dentschen Haus
in Donauwörth an, die unter „Donan-
wörth" beschrieben sind. Ebenso muß
um 1780 das Fresko in Heiligkreuz ent-
standen sein (jetzt Kassianeum, großes
Museum). Nun «aber klafft im Leben
Enderles in den Jahren 1783, 1784,
1785 eine Lücke, die sich nach unseren
bisherigen Forschungen nicht anssüllen
läßt. Wir haben die Vermutung, daß
in diese Zeit die Bemalung der Sankt
Georgskirche in Kassel fällt. Eine Be-
schreibung des Hauptbildes dieser Kirche
ist bei der Besprechung der Handzeich-
nungen des Museums tllm gegeben.

Mertingen 1786.

Erst im Jahre 1786 treffen wir wie-
der sichere Spuren der Tätigkeit Ender-
les in Mertingen, einem Dorf an der
Bahnlinie von Donauwörth nach Augs-
burg. In der dem hl. Adartinus ge-
weihten Pfarrkirche finde,n sich drei große
Fresken: Abendmahl, Bergpredigt, Pha-
risäer und Zöllner. Es soll offenbar
dargestellt werden: das Haus Gottes ist
ein Ort des Gebetes, ein Ort der Ver-
kündigung d-es Wortes Gottes, ein Ort
des Opfermahles.

Im Chor ist das Ä b e n d m a'h l ge-
malt. Ein schöner, von Pfeilern flan-
kierter Rundbail hat Jesus und seine
Apostel ausgenommen. An einem gro-
ßen, mit weißlichgrauem Tuch bedeckten
Tische sitzen dieselben. Jesus ist domi-
nierend in der Mitte und erhebt den
Kelch. Darüber ist der Himmel offen,
von dessen Wolken Engel in bewundern-
der und anbetender Haltung hernieder-
schauen. Die aufs höchste gespannten
Gesichter dar Apostel sind sehr gut ge-
zeichnet und auch die Gewänder sind vor-
züglich.

Sechs Medaillons, grün in grün, ziehen
sich um das Hauptbild. Es sind die Per-
sonifikationen von Glaube, Hoffnung,
Liebe, dann der Schutzengel, eine Figur
mit Geißel und Dornenkrone (die Buße)
und Maria im Gebet (Demut).

Die Decke des Schiffes schmückt die
Bergpredigt. Auf einem Bergfel-
sen, der seitlich mit Baum- und Pflan-
zenwuchs und mit Palmen bewachsen ist,

grilppieren sich die lauschenden Scharen
der Apostel und des Volkes, Vornehme
und Geringe, malerisch um den Predi-
genden Heiland. Dieses Bild ist offen-
bar einmal schlecht restauriert worden,
so daß man den ursprünglichen Enderle
in den Farben fast nicht mehr erkennen
kann.

lieber der Orgel ist das Gleichnis vom
Pharisäer und Zöllner gemalt.
Ein hoher Treppenaufgang führt hin-
auf zur Bundeslade, über welcher in
einer Glorie der Name Jehova erglänzt.
Hochmütig steigt der Pharisäer die Stu-
fen hinan, während der Zöllner auf der
untersten Stufe knien bleibt. Auf einer
Balustrade links steht ein Blumenstock,
wie er gerne bei Dempelbildern von
Enderle benutzt wird.

Sehr gut sind zwei Kartuschanbilder,
das eine vorn am Chorbogen: Petrus
auf den Wellen, vom Heiland ge-
rettet, das andere am Chorbogen: eine
Madonna mit Jesuskind.

lieber einem Chörlein vorn im Chor
rechts ist noch ein H e r z - I e s u - B i l d:
Jesus in gelblichweißer Kleidung mit
sanft nach links geneigtem Antlitz, zwi-
schen zwei Blumenstöcken.

Die Bilder find nicht signiert. Das
Pfarrarchiv aber sagt, daß sie 1786 von
Johann Baptist Enderle gemalt worden
sind. (Schluß folgt.)

Der Baumeister des Milhelms-
slifts in Tübingen.

Georg Beer, der Lieblingsbau-
meister des Herzogs Eberhard Ludwig
von Württemberg, erbaute an Stelle
des alten Franziskanerklosters im Jahre
1550—93 das sogenannte 0 o 11 e g i n m
illustrein- Tübingen, bestimmt
als Stift für studierende junge Adelige,
feit 1817 Wilhelmsstift für die an der
Universität befindlichen kathol. Theologie-
stupenten, die 1812—17 an der kathol.
Friedrichs-Universität studierten. Er er-
baute für den Herzog auch das berühmte
L u ft h a u s in Stuttgart, mit fei-
nem großen dekorierten Festsaal, groß-
artiger Treppenanlage und reichem
Skulpturenschmuck, 1845 unter König
Wilhelm abgebrochen, an seiner Stelle
wurde jetzt das alte Kgl. Hoftheater er-
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