Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 36.1918

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ebenfalls je drei Bilder von Enderle.
An der oberen Empore: a) David mit
der Harfe vor der Bundeslade spielend,
in reicher Architektur; b) ein Engel-
orchester; e) Cacilia an der Orgel, bei
der ein Engel den Blasbalg zieht, ganz
ähnlich wie in Seeg. An der unteren
Empore: a) Maria Fürbitterin: Mario
ist vor ihrem Sohn im Himmel nieder-
gefallen und hält dos Flommenschwert
der Rache zurück, dos er schon zücken
will gegen die betend niedergesunkene
Menschheit; links St. Dominikus mit
Hund und Fackel, b) Maria Kämpfe-
rin: Maria mit dem Jesuskind auf dem
Schoß erscheint und zuckt dos Schwert
gegen die heranziehende Flotte der Tür-
ken, aus welche ein Engel Blitze schleu-
dert. Papst Pius V., der Kaiser und
andere flehen Mario um Hilfe an.
c) Maria Helferin: Maria erscheint
einem Kranken auf dem Sterbelager,
welchen die Angehörigen betend umge-
ben. — Ein Bild des hl. Aloisius, mit
Kreuz, Totenkopf, Krone und Lilie auf
einem Buch an der Decke der oberen Em-
pore ist kaum von Enderle.

In Graben traf den Künstler dos Un-
glück, den Fuß zu brechen. Doch scheint
er sich von dem Unfall trotz seiner 64
Jahre bald wieder erholt zu haben.

B u r g a u 1790.

Im nächsten Jahre 1790 treffen wir
Enderle, in Buvgou tätig, in dessen
Nähe er schon mehrfach arbeitete, so in
Hammerstetten, Wettenhausen und Schep-
poch. Wieder war es ein ehrenvoller
Auftrag, der ihm mit der Ausmalung
der Stadtpfarrkirche übertragen worden
war.

Das Chorbild ist ein großes Rund-
gemälde, das Abendmahl. In einem
großen tonnengewölbten, kassettierten
Saal, zu dem 'eine mehrstufige Treppe
emporführt, sitzt Jesus mit seinen Apo-
steln am Abendmohlstische. Vor der
Szene schlägt ein Engel einen mäch-
tigen gelbbraunen Vorhang zurück. Der
Saal ist erleuchtet durch eine in der
Mitte herabhüngeude vierflammige Am-
pel, die ihr ganzes Licht auf Jesus
hinwirft. Jesus hat die Hände
ausgestreckt wie beim Abendmahl des
Lionardo da Vinci. Die Gruppierung

der Apostel ist lebhaft. Die Skizze zu
diesem Bild befindet sich im Stadt-
archiv zu Donauwörth, ist aber bei der
Ausführung mehrfach verändert wor-
den. Das Bild wurde fälschlich Huber
(Weißenhorn) zugeschrieben.

Um dos Bild herum reihen sich grün-
lichgrau in grau gemalt die Kartuschen-
bilder der vier Evangelisten. Eine Chro-
nogrammkartusche umschließt die In-
schrift: Mariae et Leonard! honorL
bns patroni et plebis expensis surgo
basilica Burgo riensis. Die Zahl'en-
buchstaben ergeben das Jahr 1790.

Im Schiff folgt nächst dem Chorbo-
gen in breiter, länglicher Umrahmung
eine Anbetung der Hirten. Links
vor einer Felsenhöhlung, die mit rui-
nösem Gebälk gedeckt ist, sitzt St. Joseph
in gelbbraunem Gewand, Maria hält
das Jesuskind auf einem weißen Tuch
über der Krippe. Im Hintergrund in-
mitten des Bildes ist ein Architektur-
stück, über dem die Engel auf den Wol-
ken herabschweben. Drei Hirten nahen
sich von rechts her, wo die Engel den Hir-
ten auf dem Felde die Frohbotschaft ver-
kündigt haben.

Dos gewaltige Rundbild im Schiff
ist ei n M a r i ä - H i m m e l f a h r t s -
bild von sehr festlicher Wirkung. Am
Fuße eines grün bewachsenen Hügels ist
das offene Grab Mariens sichtbar. In
weit auseinandergezogenen Gruppen ver-
teilen sich vor demselben die Apostel,
Petrus mit seinen Schlüsseln schaut
voll Verwunderung nach oben. Archi-
tektur und Landschaft schließen links und
rechts das Bild ab. lieber dem Grabe
hebt sich Maria in weißlichgrauem Un-
tergewand in wallendem hellblauem Sei-
denmantel dem Himmel entgegen, von
Engeln gestützt und umschwebt. Im of-
fenen Himmel erwarten sie Gott Vater,
der ihr die Himmelskrone entgegenhält,
Jesus, der ihr entgegenschwebt, gefolgt
von einem Engel, der sein Kreuz hält.
In kreisrunder Glorie oben erscheint
der Heilige Geist, von einem Kranz von
Engeln und Engelsköpfchen umgeben.
Dieses Bild ist signiert: J. Enderle,
pinxit.

Vier Medaillons um dieses
Hauptbild, grau in grau gemalt, schil-
dern Mariä Verkündigung, Heimsuchung,
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