Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 36.1918

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Figuren nebeneinanderstehen, ist von
großartiger dekorativer Wirkung. Das
Bild ist signiert: J. Enderle, pinxit
1791.

Vier gemalte Kartuschen an den Pfei-
lern, welche die Kuppel tr-agen, geben
folgende Darstellungen: a) Mariä Ver-
kündigung, b) Anbetung der Hirten,
c) Abendmahl (mit nur wenigen Jün-
gern), 6) Jesus am Kreuz mit Maria
und Magdalena — Anfang der E r-
l ö s u n g und Vollendung dersel-
ben. Diese vier Stiicke sind in brauu
und weiß, sehr duftig und zart gemalt.

Unten an den Wänden des Schiffes
sind vier E va n g 'e l i stg n me d a i I-
lons gemalt. Die Köpfe derselben sind
in antiker Büstenform wie auf Plaket-
ten gezeichnet. Oben an jeder gemalten
Plakette findet sich je das Zeichen des
Evangelisten, dessen Flügel die Plakette
von oben her umfassen. Im hinteren
Chorausbau sind ähnliche Plaketten von
St. Augustin und St. G r e g o -
r i u s und unter der Empore eine E n-
g e l g r u p p e in Wolken gemalt.

Es ist eine ganz eigenartige Malerei,
die hier in Lauingen uns von unserem
Meister entgegentritt. Wir sehen, wie
sehr er sich dem neuen Stilempfinden,
im dekorativen Stil wenigstens, anzu-
passen vermochte. Auch hier ist seine
Malerei nicht gezwungen, sondern leicht
und spielend hingeworfen.

Noch fällt in dieses Jahr oder 1792
die Bemalung des Schimmeltur-
mes und des Gasthauses „zur
Kanne" in Lauingen durch Enderle.
Die Malereien des ersteren sind vor we-
nigen Jahren ganz erneuert worden,
und zwar in ganz anderer Manier, die
des letzteren sind ganz verschwunden.

Auchsesheim 1792.

Nur drei Viertelstunden von Donau-
wörth entfernt, liegt der freundliche Ort
Auchsesheim, dessen Kirche 1061 von
Papst Leo IX. bei der Durchreise ge-
weiht wurde, wie ein altes Holztafel-
gemälde, das im Chor aufgehängt ist,
uns kündet. Die Kirche ist dem heiligen
Georg geweiht. Zur Ausschmückung
des neu aufgebauten Heiligtums ließ
man den Donanwörther, nun weitnm

berühmt gewordenen Maler kommen, ob-
wohl er schon 67 Jahre alt war.

Den Chor ziert ein großes Fresko in
einer Umrahmung, welche die Form eines
Rechtecks hat, dessen Schmalseiten je
durch einen in der Mitte angesetzten
Halbkreis erweitert sind. Das Fresko,
das unterzeichnet ist: J. B. Enderle,
pinx. 1792, stellt die G e b u r t C h r i ft i
dar. In einem Weißen Tuch hält Ma-
ria ihr Kind über einer weiß überdeck-
ten Krippe, links von ihr steht St. Jo-
seph betend, rechts von ihr vier anbe-
tende Engel. Das Jesuskind hat eine
lichte Gloriole, zwei kleine Engel schwe-
ben zu ihm heran mit einem Schrift-
band, das die Worte enthält: Gloria
in excelsis Deo. Links schwebt ein
großer und ein kleiner Engel, über ihnen
in den Wolken Gott Vater in bläulich-
rötlichem Gewand mit gelbem Mantel,
umgeben von Engelscharen. Es ist ein
sehr gutes Bild in etwas blaß geworde-
nen Tönen.

Im Schiff bedeckt ein gewaltiges Ge-
mälde den ganzen Plafond, eine Glo-
ria des hl. G e o r g, des Kirchenpa-
trons. Oben eröffnet sich eine gewaltige
Himmelsglorie mit Gott Vater, dem
Heiligen Geist und Jesus, in dessen Nähe
einer aus der Schar der Engel das Kreuz
hält. Jesus hat seine Rechte etwas ge-
ziert auf feine Seitenwunde! gehalten,
seine Linke hält 'eine Krone, die dem vor
ihm ans den Wolken niedergesunkenen
Georg entgegenwinkt. Engel, die den
Heiligen umgeben, tragen Lanze, Schild,
Helm und Schwert. Ein Engel stößt in
eine Posaune, von der ein Tuch herab-
hängt mit der Inschrift: „Der wird nicht
gekrönt, der nicht zuvor redlich gekämpft"
(I. Kor.). Unten links liegt der Drache,
von einem Lanzenschaft durchbohrt. Eine
Frauengestalt, die ein Kästchen mit Gold
und Edelsteinen in der Hand hält und
neben sich ein Rad hat — das Glück der
Welt —, ist in der Flucht begriffen,
lieber dem besiegten Drachen liegt ein
Götzenpriester mit wallendem Bart, der
ein Götzenbild krampfhaft festhält, aber
im Hinsinken die Räucherpfanne nm-
stürzt, mit der er seinem Idol gehuldigt
hat. Auf beide Gestalten hat ein Engel
Blitze herabgeschleudert. Weiter nach
rechts in der Mitte liegen Folterwerk-
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