Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 36.1918

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zeuge umher: Kette, Ruh mit Eisenspitze,
Huken, Fackeln, Keule, Rutenbündel.
Nach rechts der Ecke zu erhebt sich der
feste Bau der Kirche. Auf einer Estrade
vor ihr find drei Frauengestalten: die
Liebe mit flammendem Herzen, der
Glaube mit Kelch und Kreuz, und die
Stärke, eine behelmte Frau, die eine
Säule auf ihrem Arme trägst neben ihr
ein Engelein mit den zwei Gesetz es tafeln.

lieber dem Chorbogen ist ein kleines
Bildchen angebracht: die Madonna mit
dem Jesuskind, uns der Mondsichel
stehend, gelb in gelb gemalt.

Auch die beiden Seitenultarbilder
stammen von Enderle. Auf der Epistel-
seite: St. S e bu st i a n, an einen

Baum gebunden; über ihm schwebt ein
Engel mit Blumenkranz. Andere Engel
zu seinen Füßen ziehen sachte die Pfeile
aus seinen Wunden. Der Heilige Hut
das Haupt uuf den rechten Arm herab-
geneigt; hinter ihm hängt ein grünes
Gewand herab, das Lendentuch ist weiß.
Der Baum ist mit Zweigen und Blät-
tern versehen. Hinter dem Baume kom-
nren zwei Frauen hervor, die eine mit
einer Salbenbüchse. Vor ihnen auf dem
Boden liegt der Helm des Heiligen. Das
Bild ist nicht schlecht, wenn auch die Ge-
stalt des Heiligen etwas korpulent und
etwas gezwungen an den Baum gelehnt
ist. In der linken Ecke ist das Bild ge-
zeichnet: ck. Enderle, pinx. 1794.

Das Seitenaltarbild auf der Evan-
gelienseite ist dem hl. Leonhard ge-
weiht. Er ist dargestM, auf Wolken
schwebend, mit dem Abtsstab als Für-
bitter, den Blick zu Gott erhoben, ebenso
die Linke, mit der Rechten auf die Erde
niederweisend, wo ein betender Hirten-
knabe bei seiner Herde steht. Ein klei-
it'er Engel zur Linken des Heiligen hält
Buch und Kette. Andere Engel umge-
ben und umrahmen das Bild des Hei-
ligen. In der rechten Ecke ist das Bild
gezeichnet: J. Enderle, pinxit 1795.

An der unteren Emporebrüstung sind
in viereckigen, braun gemalten einfachen
Rahmen drei Bilder mit je vier Apo-
steln gemalt; die Bilder sind nicht mit
so großer Sorgfalt ausgefüllt, wie wir
es sonst bei Enderle treffen. Auch die
zwei Seitenaltarbilder haben einen
etwas grünlichgelben Ton, der nicht an-

genehm wirkt, während die Fresken von
tadelloser Schönheit sind und bis jetzt
keine Restauration erfahren haben.

Rehling 1793.

Noch einmal wandert Meister Enderle
mit seiner Kunst dem Lechfeld zu. Auf
dem rechten Lechufer hebt sich auf den
Bergen, die das Tal begrenzen, aus
einem Wald von Nußbäumen und einem
kleinen Park hervor die hochgelegene
Kirche von Rehling, das Ziel des 68jäh-
rigen Künstlers. Es gilt, diese Kirche
mit Fresken auszumalen.

Im Oval der Chordecke über dem
Hochaltar hin soll das Wunder der
B r o t v e r m e h r u n g geschildert wer-
den. Auf einer Anhöhe steht Jesus im
Kreise seiner Apostel und segnet die
Brote, die ein Knabe in einem Korbe
herzubringt, und die Fische, die vor ihm
liegen —- eine sehr schöne Gruppe. Je-
sus tritt hier ganz in den Vordergrund,
während links St. Petrus besonders
hervortritt, der die Verteilung ordnet
unter die Scharen des Volkes, das sehr
gut auf den Rasen gelagert ist. Voll
Bewunderung schaut die Menge zu dem
wunderbaren Brotvater auf. Und die
Brote des einzigen Korbes füllen schon
mehrere Körbe während der Verteilung,
lieber dieser Szene erscheint in den
Lüften, von, Wolken getragen, von En-
geln umschwebt und angebetet, eine
Monstranz mit bex heiligen Hostie in
einem Strahlennimbus. lieber dersel-
ben in großem Dreiecknimbus, der in
einen lichten Kreis einbeschrieben isst er-
scheint Gott Vater. Wie einsach und
großartig sind die beiden Brotvermeh-
rungen Christi, die geschichtliche und
eucharistische, zueinander in Beziehung
gesetzt!

Das Hauptbild im Schiff von sehr
großen Dimensionen ist gezeichnet: J.
Enderle, 1793. Es stellt das standhafte
Bekenntnis des hl. Vitus dar.
In leister sehr schönen Bogen- und Kup-
pelarchitektur, die fast die ganze Breite
des Gemäldes einnimmt, deren Vorder-
grund sich nach hinten und rechts durch
leinen kühn geschwungenen grünseidenen
Baldachin abschließt, sitzt rechts auf einem
erhöhten Thron der heidnische Richter.
Vor ihn bringt der eigene Vater mit
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