Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 36.1918

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negiffceir der katholischen Stadtpfarrei
Donauwörth steht: die 15. Febr. mor-
tu ns est et 17. sepultus est Joannes
B'apt. Enderle insignis pictor et vir
egregins, subito defunctus est aet.
74 annorum; „am 15. Februar — es
ist das Jahr 1798 — starb und wurde
begraben am 17. Februar Johann Bap-
tist Enderle, ein berühmter Mater und
vortrefflicher Mann, plötzlich gestorben,
74 Jahre alt". Möge diese Arbeit, die
wie Enderle von Söflingen, seiner Hei-
mat, ausgeht, ein zweites Ehrendenk-
mal dieses Mannes sein, der — insignis
pictor — zu den besten Malern
der Rokokozeit gezählt werden
muß.

Am Schlüsse dieser Arbeit ist es uns
ein Bedürfnis, denen zu danken, die uns
bei derselben wertvolle Unterstützung ge-
boten haben. An ihrer Spitze steht
Seine Gnaden der hochwürdigste Bi-
schof Maximilian von Augsburg, der
die Gnade hatte, dem Verfasser einen
Empfehlungsbrief an die Geistlichkeit
seiner Diözese zu verleihen. Liebens-
würdige Beihilfe bot besonders der
städtische Archivar von Donauwörth,
Herr Bibliothekar Traber, Herr Haupt-
mann Fritz Geiger (Neu-Ulm), Herr
Redakteur Singer (Oberndorf a. N.),
Herr Maler und Bildhauer Klink (Horb),
die geistlichen Herren von Mindelalt-
heiup Schwabmühlhaufen, Ketterschwang,
Waldkirch u. a. aus der Diözese Augs-
burg.

(Nachtrag.)

Nach Vollendung unserer Arbeit über
Enderle erfüllt sich schon ein Wünsch
und Gedanke, der sich uns in die Feder
drängte, daß der Aufsatz Veranlassung
sein möchte, daß noch manche Werke des
Künstlers ans Tageslicht kommen möch-
ten, die bis jetzt unbekannt und vergessen
sind. So berichtet mir Redakteur Singer
(Oberndorf), daß sich im Besitz des Herrn
Er. Paradeis (Rottenburg) ein Oelge-
mälde: „Kreuzigung Christi"

befindet, das Enderle zugeschrieben ist
und aus Hohenzollern stammt. Die
Photographie, die mir vorliegt, läßt
zwar die Eigentümlichkeiten Enderles
nicht recht erkennen, so daß ich hier noch

! ein Fragezeichen machen möchte. —
Bibliothekar Traber (Donauwörth) teilt
mit, daß das städtische Museum in Do-
na u w ö r t h erst kürzlich ein schönes
Oelgemälde von Enderle erworben hat,
eine Darstellung des hl. Joseph. —
Schulinspektor Pfarrer Eberle-Aufheim
(Bayern) machte mich darauf aufmerk-
sam, daß die Kirche in W a l l e n h a u -
s e n, 1755—1760 restauriert, von Joh.
Enderle mit einem Kostenaufwand von
113 Gulden ausgemalt wurde. Im Chor-
plafond ist dargestellt der hl. Mauri-
tius mit seinen Gefährten, die HI. Mär-
tyrin Katharina und die Apostelfürsten
Petrus und Paulus in der Glorie. Im
Schiff sind drei Fresken: 1. St. Katha-
rina vor dam Richterstuhl, 2. Martertod
des hl. Moritz und feiner Gefährten,
3. der Richterspruch Daniels über die
beiden Aeltesten. (Siehe auch: Mittei-
lungen des Museumsvereins Weißen-
horn und Umgebung, Nr. 53 vom 6. De-
zember 1913, 5. Jahrgang: „Allerlei

Odachrichten aus der Pfarrei Wacken-
hausen".)

Herr Traber teilt mir weiter mit, daß
in Gottmannshofen bei Wertin-
gen Enderle 1765 um 300 Gulden die
dortige Pfarrkirche mit schönen Fresko-
gemälden ausgemalt habe. Von Hochw.
Herrn Pfarrer Kaltmeyr erfahre ich, daß
die Kirche in D eilsen Hanseln, Post
Krumbach, Bayern, von unserem Mei-
ster herrlich ausgeschmückt wurde. Hier
ist es der hl. Stephanus, dem als Kir-
chenpatron der Hauptteil der Malerei
gewidmet ist: Im Chor befindet sich die
Steinigung des hl. Stephanus. Das
Kolossalbild an der Decke des Schiffs
stellt das Leben des heiligen Diakons
dar: a) St. Stephan verteidigt sich vor
den Juden, b) feine Einkleidung als
Diakon, c) seine Tätigkeit als Almosen-
austeiler mrd d) als Wundertäter. Den
Mittelpunkt bildet eine Glorie, in der
der Heilige Jesum Christum schaut.
Außerdem ist noch in dieser Kirche ge-
malt: eine Anbetung der Hirten, eine
Anbetung der Weisen, das Gleichnis
von den klugen und törichten Jung-
frauen, das Gleichnis von den Arbeitern
im Weinberge, das Gleichnis vom Schatz
im Acker, der reiche Fischfang und ein
Kreuzweg mit 14 Stationen - alles in
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