Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 36.1918

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Gruppen von Zuhörern die aufgeregte
Szene umgeben. Das letzte Bild zeigt
den Heiligen als „V ater der Or-
den", die seine Regel angenommen ha-
ben. Als Bischof von Hippo sitzt er unter
einem von Marmorsäulen getragenen
Kuppelbau, der beiderseits flankiert ist,
links von einem Kuppelbau, rechts von
einem Hallenbau. Von links her kom-
men Vertreter geistlicher Orden, von
rechts solche weltlicher ritterlicher Orden,
um ihrem geistigen Vater zu lauschen,
der mit seiner Linken ein ansgeschlage-
nes Buch aus das Knie stützt, in dem
man die Ansangsworte der Augustiner-
regel liest: Ante omnia, fratres cha-
rissimi, diligatur deus, deinde pro-
ximus, d. i. vor allem, geliebteste Brü-
der, werde Gott geliebt, dann der Nächste.
Zur Rechten des Heiligen steht aus
einem Postament ein Kelch aus dem ein
flammendes Herz emporsteigt, an ihm
ziindet ein Engel eine kleine Lampe an

— Liebe Gottes und Liebe zu Gott ver-
sinnbildend; zur Linken führt eine ju-
gendliche Gestalt mit Stab (der Schutz-
engel) eine jungfräuliche Gestalt mit
Lilienkrone und Lilie — die Reinheit

- heran, diese selbst geleitet eine zweite
weibliche Gestalt, die einen Zügel in
der Linken hält, herzu — die Abtötung
oder Buße; dies bedeutet Wohl die zwei
Wege zu Gott und zum Himmel: Rein-
heit und Buße.

Der geöffnete Himmel zeigt Maria
mit dem Jesuskinde, vor der Brust
Mariens schwebt der Heilige Geist, hin-
ter ihr thront Gott Vater, alles um-
geben von Engeln.

Das ganze Bild ist 23 Meter lang
und 13 Meter breit. Die beiden Chrono-
gramme am Wappen des Dompropst von
Eltz ergeben das Jahr 1772. Die Um-
gebung des Bildes ist belebt durch 20
Darstellungen von Tugenden. Die
Malereien über den Fenstern bieten
Szenen aus dem Leben von Heiligen
aus den Orden der Augustinerregel.
An den Wandpseilern des Schisses sieht
man noch Brustbilder der Kirchen-
lehrer, im Chor die der Evange-
llsten, grau in grau gemalt. An der
Brüstung der Orgelempore sind singende
und spielende Putten gemalt.
Unter der Orgelempore sind drei alt-

testamentliche Darstellungen: die Him-
melsleiter vom Traum Jakobs; die
Weihe des Steines, auf dem Jakob
ruhte; Jakobs Trankopfer auf dem Zuge
nach Bethel — drei Szenen, die sich
aus die Weihe und den Zweck des Got-
teshauses beziehen.

So zeigt auch diese Arbeit den Mei-
ster auf der Höhe seiner Kompositions-
krast, die in allen seinen Werken so glän-
zend sich offenbart.

Uebersicht

über den L e b e n s g a n g des Ma-
lers I. B. E n d e r l e.

1726 Juni 15. Geburt in Söflingen.
1742 (?) in Günzburg bei Maler Anton
Enderle.

1746 Klingenstein, Altarbild (Leinw.i.
1753 in Donanwörth bei Maler Rsiß-
miiller.

1753 Kirchdorf bei Wörishofen, Fresken.

1754 Söflingen, Altarbild in St. Leon-

hard.

1754 Herbertshosen, Fresken.

1755 Heirat mit Maria Theresia Beck,

verwitwete Reißmüller, in Do-
nauwörth.

1755 Donauwörth, St. Anna, für das
Kapuzinerkloster.

1755 Glenderkingen, Fresken.

1756 Donauwörth, Arbeiten für das

heilige Grab.

1756 Söflingen, 15 Stationen aus Lein-
wand.

1756 Söflingen, Pate bei einem Kinde

des Klosterarztes Ehr. Schwarz.

1757 Söflingen, Pate bei einem Kinde

des Klosterarztes Chr. Schwarz.

1758 Söflingen, Pate bei einem Kinde

des Klosterarztes Chr. Schwarz.

1768 Ketterschwang, Fresken.

1759 Schwabmiihlhausen, Fresken.

1769 Theklaberg bei Weiden, Fresken.
1762 Donauwörth, Kreuzaltar.

1762 Schwabmühlhausen, Altarbild St.
Martinus.

1762 Söflingen, Altarbild Joh. Baptist.

1763 Hammerstekten, Fresken.

1764 Hammerstekten, Fresken.

1765 Hammerstekten, Hochaltarbild.

1765 Donauwörth, heiliges Grab.

1765 Eggelhos, Fresken.

1766 Fünsstetten, Fresken.
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