Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 36.1918

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vorgehoben, baß die Kirche in Weilheim
bei HechingM von Christian Groß-
bayer 1768 erstellt wurde, lieber Grvtz-
bayer hat erstmals Professor Lanr, der
Konservator für Hohenzollern, näher
berichtet (Die Kunstdenkmäler der Stadt
Haigerloch, 1913, Stuttgart, Meyer-
Jlschen). Großbayer, geboren am 1. Ja-
nuar 1718 zrl Haigerloch, war kein
Künstler, wenn er auch eine große Tä-
tigkeit an den Kirchenbauten zu Hai-
gerloch, Sigmaringen (Stadtkirche) und
Hechingen entfaltete. Auf ihn gehen
auch noch eine Reihe, anderer Kirchen-
banten zurück, in der Hauptsache geist-
lose Zopfkirchen, die an Stelle der go-
tischen und romanischen Kulturdoku-
mente von einst traten. Mit 25 Jah-
ren wurde er schon zum Bürgermeister
seiner Vaterstadt gewählt und der Fürst
von Hechingen verlieh ihm gar den Ti-
tel Bauinspektor! Für sein Ansehen
spricht auch, daß er nach Oberndorf be-
rufen wurde, woselbst die Augustiner-
klosterkirche während des Baues sich be-
deutend gesenkt hatte. Um 3700 Gul-
den übernahm Großbvyer die Fertig-
stellung der Kirche samt Kirchengewölbe
und Kirchturm. Er starb im Jahre
1782. Wir beklagen es heute, daß jene
Zeit so gar kein Verständnis für das
Ueberkommene hatte. Welche Schätze
verlorengingen, zeigen allein die prote-
stantischen spätgotischen Kirchen A!t-
württembergs.

Sicher hat auch anderwärts die Be-
schlagnahme der Zinnpseifen die Augen
aus bisher wenig beachtete Orgelwerke
gelenkt. Freilich, die Zeit hat auch
hier ihre Opfer gefordert. Wo sind
heute die Werke, die der Komburger
Mönch Aaron zu Ende «des 12. Jahr-
hunderts nach Konstanz und Petershau-
sen und sonstwo lieferte? Oder kam
noch etwas auf uns aus der Hand Mei-
ster Thomas, der 1488 die Werke in
Hall (Michaelskirche) aufstellte? Wo
sind die Werke des blinden Orgelbauers
Konrod Schott aus Stuttgart? (1692
ein Rückpositiv nach Hall in die Mi-
chaelskirche, 1596 eine Orgel nach Ulm.)
Schott dürste mich das Werk nach Schloß

Für letztere ist die seine Patina der alten
Zinnpfeife von ausschlaggebender Bedeutung."

Hellenstein geliefert haben, das Paul
Prescher von Nördlingen 1680 erneuerte.
In Ravensburg genoß im 16. Jahrhun-
dert Meister Jörg Ebtzrt weitverbrei-
teten Ruf. In Reutlingen besaß die
Marienkirche gleich zwei Orgeln, dar-
unter eine mit 16 Registern, aus 1669
bezw. 1692, die Johann Fizion nicht
genug loben kann, so schön hatte sie
Markus Astsalk aus Hall herausstasfiert
und Andreas Sarter erneuert (Gayler).
Ob der Kanzel hing die vorresornmto-
rische Orgel, „ein kleines, aber zierliches
Werk". Nach Johler war die Orgel in
der Haigerlocher Schloßkirche ein Werk
des „berühmten Silbermann". Abt Kon-
rad Frey (1571—91) zierte das Gottes-
haus Obermarchtal „mit einer schönen
pneumatischen Orgel"; Kaspar Eckstein
aus Weilderstadt liefert 1680—90 zwei
Orgelwerke nach Biberach (Gradmann-
Pseisfer); Simon Bacher aus Augsburg
zwei Orgeln nach Wolsegg-Waldsee und
repariert sie 1695 (Dr. Vochezer).

Das nur einige Stichproben. Sie
zeigen zur Genüge, daß wir nicht nach
bisherigem Rezept verfahren dürfen,
soll aus spätere Generationen noch etwas
von den jetzigen alten Oirgelschätzeu
kommen.

R o t t e n b u r g a. 9t.

A. Pfeffer.

Zur Baugeschichte der Kirche von
Bot bei Leutkirch.

Von Pros. I. Roh r, Tübingen.

Als Willebold Held
im Jahre 1782 zum Abt des Prämon-
stratenserklosters zn Rot gewählt wurde,
da übernahm er eine verfahrene Situa-
tion. Von seinem Vorgänger sagt der
Chronist H: ninltnin aeris .ailieni, exi-

E P. B. Stadelhofer Historia Collegii
Rolhensis in Suevia, vol. III, Manuskript-
band- des Landesarchivs ln Stuttgart. Letzte-
rem danke ich auch hier für sein gütiges Ent-
gegenkommen, das mir eine mehrwöchige Be-
nützung der Handschrift aus der hiesigen
Bibliothek ermöglichte. Weiteres in dem in
Anm. 2 genannten Aufsatz von Dr. Ad.
Feulner. Helds Vorgänger war Mauritius
Moriz, geb. 1717 zu Biberach, der sich in
seiner Amtsführung manche Mißgriffe zu-
schulden kommen ließ, aber doch ein lebhaftes
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