Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 36.1918

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marmore absoluta. Picturae altari-
bus antea perfectis inditae: S. Joan-
nem baptistam D. J. baptizantem
pinxit D. Januarius Zick Confluenti-
nus, Creationem Adami D. Chr.
Winck Monacensis; unicuique 150
floreni persoluti. Scamna in Eccle-
sia pro populo constituta. Dedicata
Ecclesia, capitulum provinciale Ab-
baturn, translata ossa eleganter exor-
nata S. Willeboldi Berkhemium cum
magna solemnitate. Vide protocollum
Conventus. Organum tandem ali-
quando a. D. Joanne Holtzhey insigni
artifice maximo simul cunctatore
perfectum 1!).

Die -katholische fjoffapclle auf der
3olitube*

Von Adolf Brinzinger,
Stadtpfarrer a. D.

Im Jahre 1763 errichtete Herzog Karl
Eugen von Württemberg auf der Soli-
tude, zwei kleine Stunden südwestlich
von Stuttgart entfernt, ein Schloß mit
verschiedenen Gebäuden. „Tranquilli-
tati sacrum voluit Carolus. Mode- l
ratore Carolo desertam solitudinem
labor improbus quadnennio vielt."
497 Meter hoch, ist das Schloß pracht-
voll gelegen inmitten von 250 Hektar
Waldfläche bei den sogenannten fünf
Eichen. Es bietet von feiner Terrasse
aus eine herrliche Rundsicht über das
Band, von der Alb bis zum Schwarz-
wald ltnb nördlich bis zum Odenwald.
Es ist nach dem Vorschlag des herzog-
lichen Kammerdieners und Baumeisters
I. I. Weyhing erbaut, mit einer Reihe
von Gebäuden und einem großen Schloß-
garten. Das Schloß selbst besteht aus
einem ovalen Saalbau mit Kuppel und
aus zwei Flügeln. Ringsum läuft eine
breite, von Arkaden getragene Galerie,
zu der eine großartige doppelte Frei-
treppe führt. Hinter dem Schloß int

") Zick erhielt 2600 ft., darunter 300 als
Präsent, sein Lehrling Brog 12 fl. Die Stuk-
katuren waren von F. 3t. Feuchtmayr (Mün-
chen) . Faßmaler war Bruder Martin Dreher
aus Wiblingen, sowie Wiltebold Denzel und
Srmpert Feuchtmayr. Die Gesamtkosten Ibe-
trugen etwas über 60 000 fl. (vergl. Feulner
a. a. O.) — im Vergleich mit dem, was da- |
für geleistet wurde, eine sehr niedrige Summe, l

Halbkreis und dann in gerader Linie
liegt der Kavalierbau, einst Wohnung
des Herzogs, dann das Opernhaus und
10 kleine Bauten mit Dienstwohnungen,
mit Hofhaltungs- und Wirtschaftsgelas-
sen und der große Marstall. Hinter
diesen Gebäuden liegt der 800 Morgen
große schöne Wald im Versailler Ge-
schmack, mit Lustgängen, Lauben, Lor-
beer, Feigen, Rosen, Blumen- und Irr-
gärten, mit Gewächs- und Vogelhäusern,
Springbrunnen, Seen und Inseln. Die
Orangerie zählte über 1000 Stöcke.
Alle diese Bauten wurden in der kurzen
Zeit von vier Jahren, 1763—1767, er-
richtet. 1770 gründete der Herzog hier
ein Militärwaisenhaus, das er 1771 in
eine Militärpflanzschule, 1773 in die be-
kannte, 1776 nach Stuttgart verlegte
ltnb dort 1781 zur Universität erhobene
Militärakademie verwandelte. Später
wurde das Schloß wiederholt, in den
Jahren 1796, 1813, 1866 und 1870, als
Militärhospital verwendet.

1770 wurde Hauptmann Christoph
Schiller, der Vater des Dichters, Ober-
aufseher der Gartenanlagen. Der Dich-
ter selbst studierte auf Andringen des
Herzogs die Rechtswissenschaft 1773 und
zog 1776 als Karlsschüler nach Stutt-
gart.

Eine von Oberbaurat Architekt Rein-
hard Fischer erbaute evangelische Kirche,
in der Nähe des Schlosses gelegen, wurde
1808—11 von Landbaumeister Karl Uber
in die untere Königstraße nach Stutt-
gart versetzt. Es ist die älteste und bis
1879, wo die Marienkirche von Ober-
baurat Joseph v. Egle an der Furtbach-
straße erbaut wurde, zugleich einzige ka-
tholische Kirche in Stuttgart, den: hl.
Eberhard geweiht, auf Wunsch des Kö-
nigs Friedrich. Auch der große Marstall
der Solitude wurde von Landbaurat
Karl Uber nach Stuttgart versetzt in die
untere Königstraße, wo er heute noch
steht.

Das Schloß hat eine einfache, edle An-
lage und ist mit schönen Stukkaturen
geschmückt, eines der schönsten Denk-
mäler maßvollen Rokokostils in Süd-
deutschland.

Die Schloßkapelle ist 11 Meter breit,
21,60 Meter lang und 7,60 Meter hoch.
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