Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 36.1918

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An der einen Schmalseite baucht sich
über der Eingangstüre die herzogliche
Loge heraus mit dessen Monogramm,
an der anderen Schmalseite ist eine Em-
pore angebracht, sür die Musiker und
Sänger. An ihnen erheben sich auf
hohen Untersätzen je zwei, an den Lang-
seiten je süns Zwillingssäulen mit ko-
rinthisierendem Kapitäl, ans dem je ein
kurzer Architrav ruht. Ueber diesen
sitzen je zwei Engel von anmutigster
Bildung, Stellung und Haltung. Zwei
— ohne Zweifel Matthäus und Lukas
—• der Maler sind beschäftigt mit Malen
der heiligen Geschichte, zwei — es ist
Markus und Johannes — mit Schrei-
ben der Heiligen Schrift. Zwei halten
die Geißel, zwei die Dornenkrone, zwei
das Rohrzepter, zwei das Rohr mit deni
Schwamm, zwei die Nägel, zwei die
Stricke, zwei das Kreuz, zwei die Kreuz-
überschrist, zwei das Schweißtuch der
Veronika mit Christi Antlitz. Den freien
Zwillingssüulen entsprechen je zwei
flache Wandsäulen, zwischen ihnen sind
an der Wand abgebildet: der Abend-
inahlskelch mit Aehren und Trauben, die
Tauskanne, das Bilderbuch und andere
Embleme, alles in halb erhabener Stück-
arbeit. Ueber und neben den Fenstern
befinden sich Medaillons mit Engels-
köpsen in gleicher Weise. Das Spiegel-
gewölbe ist teilweise kassettiert, teilweise
glatt und hier mit je zwei Engeln,
welche die Bundeslade und den goldenen
siebenarmigen Leuchter tragen, in ganz
flacher, erhabener Arbeit. In der Mitte
der Kapelle ist die Auferstehung Christi
in Oel gemalt von Nikolaus Guibal
aus Nancy, dem Hofmaler des Herzogs.
In lichten Höhen schwebt der Auserstan-
dene zu den Engelsgruppen empor, und
zu dem darüber schwebenden Gottvater
und dem Sinnbild des Heiligen Geistes.
Am Grab fliehen zwei Soldaten in leb-
hafter Bewegung, zwei andere werden
geweckt von einem tief Erschrockenen, ein
Engel hält den Deckel des Grabes em-
por. In einer Ecke steht geschrieben, daß
Guibal das Bild gemalt hat. Noch
stehen aus der Solitude die Kapelle und
die sie umgebenden Gebäude, ein Denk-
mal herzoglicher Laune. Das Opern-
theater diente später als Militärhospital
und als Kaserne, der Kavalierbau,

einstens des Herzogs stolze Woh-
nung, ist jetzt ein Gasthaus. Die
dahinter stehende Hofkapelle wird
jetzt als Magazin benützt, die prachtvol-
len Gärten, einstens von europäischer
Berühmtheit, sind längst wieder stäm-
miger Wald geworden. Sic triamsit
g'loria xnundi!

Ex libris.

Von A. M a r q u a r t, Rechnungsrat,
Ludwigsburg.

Für die ältesten deutschen Exlibris
gelten: 1. ein Holzschnitt des H. Bran-
denburg aus Biberach, Mönch der K a r t-
h a u s e Buxheim bei Me m in i n-
gen; ein Engel mit Wappenschild um
1470 in Biberach oder Ulm entstanden;
2. ein Holzschnitt des Junkers W. von
Zell, ebenfalls aus dem Klo st e r B u x-
h e i m st a m m e n d, Ehewappen, gleich-
falls um 1470 (vergl. Warnecke, Exlibris-
buch S. 7 und 8, und v. Leiningen We-
sterburg S. 101).

Nun finde ich im „Archiv für christ-
liche Kunst" Nr. 1 von 1891 S. 7 fs.
Nachstehendes auf,geführt: An der Spitze
der deutschen datierten Holzschnitte steht
der viel besprochene Christophorus vom
Jahre 1423 — ein Holzschnitt, der in
den Buchdeckel einer Handschrift
des ehemaligen Karthäuserklosters Bux-
heim bei Memmingen e i n g e k l e b t ist
und sich gegenwärtig in der Sammlung
des Lord Spencer Althorp bei Nord-
hampton befindet. Der zweite Einband-
deckel desselben im Jahre 1417 geschrie-
benen Codex (Lobpreisung Mariä) trägt
als ebenbürtiges Gegenstück zii deni
hl. Christoph den offenbar aus der näm-
lichen Hand stammenden Holzschnitt einer
Verkündigung Mariä (vergl. auch Ge-
schichte des deutschen Kupferstichs und
Holzschnitts von Dr. Karl v. Lützoin
1891, S. 65 sf.). — Wir wären nun mit
besonderem Vergnügen bereit gewesen,
diese beiden Holzschnitte von 1417 und
1423 als die ältesten deutschen Exlibris
zu bezeichnen, und zwar liegt die Ver-
suchung umso näher, als dieselben gleich-
falls aus dem lehemaligen Kloster Bux-
heim stammen und in die Buchdeckel
eines Codex eingeklebt sind. Auch wäre
es immerhin von großem Interesse,
wenn ein Exlibris aufgefunden würde,
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