Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 36.1918

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das fünfzig Jahve alkir wäre, als das
bislang als ältestes bekannte. Allein
bei näherer Betrachtung bestehen Be-
denken, daß die beiden fraglichen Holz-
schnitte auch wirklich Exlibris sind. Der
Ilmstand allein, daß diese Blätter innen
auf die Deckel eines Buches geklebt sind,
macht sie noch nicht zu Exlibris. Ex-
libris sind Blätter, welche zum Zwecke
der Sicherung des Eigentumsrechts in
ein Buch eingeklebt zu werden pflegen;
wichtiger ist für ein solches Blatt, daß
der Namen oder das Wappen des Eigen-
tümers angegeben ist. Die beiden von
Warnecke und Lüningen oben als älteste
Exlibris bezeichneten Blätter sind wirk-
liche Bucheignerzeichen, denn sie tragen
den Namen oder das Wappen des Be-
sitzers deutlich angegeben. Den beiden
Holzschnitten von 1417 bezw. 1423 fehlt
ein Hinweis, der sie als Bucheignerzei-
chen charakterisieren könnte. Es ist be-
dauerlicherweise im Gegenteil anzuneh-
men, daß das Christophorusbild aus
einem ganz anderen Grunde in das Buch
auf die Innenseite des Vorderdeckels
geklebt worden ist. Wenn ich nämlich
den unter dem Bilde stehenden Spruch
richtig übersetze, verheißt er demjenigen,
der das Bild ansieht, für den Tag, an
dem er es angesehen hat, daß er nicht
eines schlechten Todes sterben wird —
illa nempe die morte mala non ino-
riens. Der fromme Besitzer hat daher
das Bild vorn in das Buch eingeklebt,
damit sein Blick sofort beim Aufschlagen
des Buches auf das Christophorusbild
fallen und ihm damit die Gewähr ver-
heißen sollte, an dem betreffenden Tage
keines schlechten Todes zu sterben. Auch
hiebei handelt es sich natürlich nur um
eine Vermutung, aber ich glaube, daß
sie jedenfalls mehr Wahrscheinlichkeit
für sich hat, als die Annahme, es handle
sich bei diesem Christophorusbild um ein
wirkliches Exlibris. Wie es sich mit
dem Holzschnitt der Verkündigung Ma-
riä näherhin verhält, kann um dessent-
willen nicht näher angegeben werden,
weil derselbe in den mir bekannten Bü-
chern über Kunstgeschichte nirgends re-
produziert ist. Von vornherein ist die
Annahme umso naheiliegender, auch die-
sen Holzschnitt für ein Exlibris anzu-
sprechen, als auch dieser, wie die beiden
ältesten, am Eingang erwähnten Buch-

zeichen — wie bereits gesagt — aus
dem Kloster Buxheim stammt. Die Kart-
hausie Buxheim ist, nebenbei gesagt, im
Jahre 1402 entstanden, bekanntlich leben
die Karthäuser jeder für sich in einem
besonderen Häuschen, das von einem
Gärtchen umgeben ist; eine Bauart,
welche noch heute in Buxheim unver-
sehrt erhalten ist. Vorstehende Aus-
führungen sind teilweise ein neuer Be-
weis dafür, daß in den Klöstern die
ersten Büchersammlungen angelegt wur-
den, und auch die Sitte, Exlibris in
die geschriebenen Codices oder gedruckten
Bücher zur Sicherung des Eigentums
oder zur Zierde der Bücher in die In-
nenseite der Buchdeckel mnAukleben, ist
Wohl auf die Klöster zurückzuführen.
Der hohe Wert der Bücher veranlaßte
die Klöster, dieselben sorgsam zu behü-
ten; man legte sie, damit sie nicht ge-
stohlen würden, an Ketten. Aus eben
diesem Grunde wurden auch die Buch-
eignerzeichen in die Bücher eingeklebt.
Das Exlibris war zur Zeit seiner Ent-
stehung zumeist aus dem Grunde heral-
dischen Charakters, weil das in den An-
fängen der Buchdruckerkunst > kostbare
Buch meist nur von den höheren Stän-
den, also dem Adel und den Klöstern,
an deren Spitze vielfach adelige Aebte
standen, erworben werden konnte. Der
Adel aber bediente sich begreiflicher-
weise der Wappenexlibris und ebenso
bedienten sich die Klöster heraldischer
Buchzeichen, und zwar vielfach der Wap-
pen ihrer adeligen Aebte oder derer
ihrer frommen, adeligen Stifter. Erz-
bischöfe, Bischöfe und Aebte pflegten in
früherer Zeit in ihren Wäppeniexlibris
hinter dem Schilde das erzbischöfliche
und bischöfliche Kreuz und den Bischofs-
oder Hirtenstab mit abhängender Fahne
entweder stehend oder geschrägt zu füh-
ren. Diese geistlichen Würdenträger
pflegten auch Hüte und Mützen als
Amts- und Würdez-eichen in ihren Wap-
penexlibris zu führen. Diese Hüte mit
Schnüren und Quasten bildeten ein Un-
terscheidungsmerkmal des Ranges dieser
Würdenträger, der rote Hut der Kar-
dinäle hatte 15 Quasten, der grüne der
Erzbischöfe 10 Quasten usw. Außerdem
haben Erzbischöfe, Bischöfe und Aebte
ihre besonders geformten Mützen meist
aus weißem Brokat mit Goldborten be-
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