Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 36.1918

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ein rotes Tuch; darüber liegt eine sil-
berne Krone und auf dieser steht ein
grauer Fischreiher mit einem Fisch im
Schnabel. Unter dem Postament steht
die Inschrift: St. Sigismund.

Wenn man die beiden beweglichen
Flügel, aus denen St. Veit und St. Si-
gismund sich befinden, nach innen klappt,
so erscheint auf zinnoberrotem Grund
(beim vorigen Bild ist der. Grund Gold-
grund) im oberen Teil aus beide Flügel
verteilt: Mariä Krönung, im unteren
Teil Mariä Verkündigung.

Bei der Krönung konnte nicht wie
sonst vielfach der Akt der Krönung dar-
gestellt werden (infolge der beweglichen
Flügel), sondern die Krönung ist be-
reits vollzogen. Christus und Maria
sitzen beide auf gotischen Steinsitzen,
deren architektonische Vorderseite mit
Maßwerksenstern verziert ist. In der
Linken hält Christus das Zepter; mit
dem erhobenen Zeige- und Mittelfinger

der Rechten erteilt er Ma-
ria den Segen. Sie hat
betend die Hände gefaltet.
Christus trägt rotbraunes
Untergewand und rotbrau-
nen, gelb gefütterten Man-
tel, Maria ein blaues Kleid
und blauen, grüngesütterten
Mantel.

Die Verkündigung weicht
vom sonstigen Typus in der
Hauptsache nicht ab. Aus
Raumrücksichrlen mußten
beide Personen stehend dar-
gestellt werden. Links steht
Maria mit gekreuzten Ar-
men, vor sich hinschauend;
vor ihr steht ein primitives
Betpult mit aufgeschlage-
nem Buch. Ihre Gewan-
dung ist dieselbe wie bei
der Krönung. Lange, blonde
Haarwellen fallen über die
Schultern. Rechts oben aus
den Wolken erscheint der
Heilige Geist in Gestalt der
Taube. In dem ausgeschla-
genen Buche stehen die
Worte: Vere aucilla do
mini Fiat micFi secudu
vlm tun. Rechts steht der
Engel, eine stiebliche Erschei-
nung, in der Hand wn Spruchband mit der
Inschrift: Ave . gra . plena . dus . tecu
Sein Kleid ist grün, der Mantel eben-
falls und rot gefüttert.

Links von beiden Mittelbildern aus
dem festen Flügel ist der Stifter darge-
stellt, kniend unter dem stehenden Chri-
stus als Schmerzensmann. Die obere
Fläche des Bildes ist von der unteren
durch einen Querstrich geteilt. Oben ist
ein „Erbärmdebild" dargestellt. Der
Schmerzensmann trägt aus dem Haupt
die Dornenkrone, in den gekreuzten Ar-
men hält er die Geißelungswerkzeuge,
an das ausgerichtete Kreuz gelehnt. Im
linken Querbalken des Kreuzes stecken
drei Nägel, am rechten hängt die Dor-
nenkrone. An dem mit Blutspuren be-
deckten Körper sind die Wundmale deut-
lich zu erkennen.

Unten kniet der Stifter Reinhart von
Mühlhausen, mit ausgesprochenen Por-
trätzügen. Er trägt einen rötlichen
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