Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 36.1918

Seite: 49
DOI Heft: 10.11588/diglit.21063.11
DOI Artikel: 10.11588/diglit.21063.14
DOI Seite: 10.11588/diglit.21063#0051
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1918/0051
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
— 49 -

seitens der deutschen Heeresleitung so
sorgfältig als nur immer möglich die
Erhaltung der Kunstwerke betrieben,
um durch Entfernung derselben aus
bedrohten Gebieten zu retten, was nur
immer zu retten ist. Manche schöne
Stadt und manches Kunstheiligtum und
Kunstwerk haben inmitten der rauhen
Kriegesarbeit kunstverständige, liebevolle
Beschreibung und Bearbeitung erfah-
ren. Die Armeezeitungen geben ganze
Biicher und Broschüren heraus über die
Kunstwerke in Feindesland, z. B. die
Zeitung der 10. Armee eine Beschrei-
bung der Kirchen in Wilna (1918). Er-
innern wir uns dann nur an die gewal-
tige Tätigkeit auf dem Gebiete der
Kunst, die sich entwickelt mitten in Fein-
desland als Grabmalkunst auf den Toten-
seldern der Kampfgebiete.

In der Heimat hat gerade die Grab-
malkunst und die Kunst, die sich mit dein
Festhalten der Erinnerung an die gro-
ßen und grausigen Erlebnisse des Krie-
ges beschäftigt, eine umfassende Litera-
tur hervorgerufen. Man rüstet sich in
Kriegsgedächtniskirchen, Friedenskirchen
die Wege des Trostes, des Heiles und
der Gnade zu weisen. Die kirchliche
Glasmalerei ist emsig daran, all ihr
wunderbares Licht und alle ihre fein-
gestimmten Farben in den Dienst des
religiösen Denkens und Fühlens zu stel-
len. Die Malerei bestrebt sich, die blei-
benden Werte des Kriegserlebens zu er-
fassen und der kommenden Zeit zu über-
mitteln. wenn auch manche Arbeiten aus
diesem Gebiet dem Vorwurf der Effekt-
hascherei nicht entgehen können. Auch
die Kunstwissenschaft fehlt nicht, um
Krieg und Kriegsdarstellung retrospek-
tiv zu betrachten und mit den modernen
Darstellungen in lehrreichen Vergleich
zu bringen.

Letzteres geschieht in einem sehr Qnt
ausgestatteten Werke von Walter Ro-
thes: „Krieg und bildende Kunst" *).
In manchmal für neugierige und tiefer
suchende Leser fast zu kurzen Kapiteln
ziehen die einzelnen Kunstepochen mit
den aus Kampf und Krieg sich beziehen-

") Krieg und bildende Kunst von Wal-
ter Rothes, Verlag Parcus u. Co., München,
1917. 93 Seiten. Brosch. 12 Mark, gebd.
15 Mark.

den Bildern an uns vorüber. In der
antiken Kunst sind es besonders die
Aegypter und Assyrer, welche in Kriegs-
darstellungen schwelgten. Die ägypti-
schen Könige, so besonders Ramses II,
(1392—1326), schmückten die Wände der
Tempel, die sie ihren Göttern bauten,
mit Bildern, die bis ins einzelnste alles
auf ihre Kriege und Siege Bezügliche
schildern und ihre Erfolge mit großer
Ruhmredigkeit, die ja auch kriegsgemäß
ist, der fernen Nachwelt schildern.

In der griechischen Kunst sind es
hauptsächlich plastische Werke, die um die
Zeit der Perserkriege entstanden. All-
bekannt ist die Darstellung von Kämp-
fern am Athenetempel zu Aogina, jetzt
in München. Die Bronzestatnen des
P h i d i a s in Delphi zum Andenken
an den Sieg bei Marathon, seine Athene
Promachos, die , Athene Lemma als
Friedensgöttin und die chryselephantine
Athene des Parthenon mit der Nike aus
der rechten Hand sind erhabene Werke
der klassischen Kriegskunst. L y s i p -
Pos schuf 34 Bildnisstatuen zum An-
denken an die in der Schlacht am Gra-
nikos gefallene Reiterschar. Am Denk-
mal des ,H a r p a g o s in Lanthos
sind zlvei Zyklen mit Schlachtendarstel-
lungen angebracht. Kriegsgemälde brachte
hervor Euphranor von Sikyon,
der das Reitergefecht der Athener bei
Mantinea gegen Epaminondas malte.
Aristides von Theben malte eine
bei Erstürmung einer Stadt verwun-
dete Mutter, die sterbend ihren Säug-
ling von der Brust abhielt, damit er
nicht statt Milch Blut sauge. Der grie-
chische Malerfürst A p e l l e s zeichnet
Alexander als unüberwindlichen Feld-
herrn mit dem Blitz in der Hand. Die
Schule von Pergamos stellt die
Kämpfe der pergamenischen Könige At-
talas und Eumenes dar. Der „sterbende
Fechter", die Gruppe von „Pätus und
Arria" und der „borghesische Fechter"
gehören ebenfalls in die Reihe der Werke
der Kriegskunst.

In der römischen Kunst schildern die
Siegessäulen (Trajanssäule) und
die Triumphbögen die Kriege
ihrer Helden, und das große Mosaikbild
der Alexanderschlacht zu Pom-
peji ist eine interessante historische Korn-
loading ...