Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 36.1918

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berühmte Kunststätven, die seinen von
Hans aus hellsehenden Blick für die
Schönheiten und Eigentümlichkeiten
der Kunst noch! mehr schärften, .feine
Kenntnisse bereicherten und für die Tä-
tigkeit in der Heimat fruchtbar machten.

Schöninger war auch ein feinsinniger
Sammler auf den: Gebiete der Kunst.
Sein Pfarrhaus in Söflingen und be-
sonders das hiefür hervorragend geeig-
nete Pfarrhaus in Haslach glich einem
Museum, in welchem der Kunstfreund
immer etwas Neues und Seltsames,
Eigenartiges und Intimes zu sehen und
51t kosten fand. Wenn er auch in den
letzten Jahren seines Lebens, in den
Tagen feiner Krankheit sich von man-
chem schönen Stiick trennte, so ist doch
bei seinem Tod noch viel Wertvolles
zurückgeblieben, was das Augenmerk
der Kenner und Sammler auf sich ziehen
kann.

Es wäre fast unbegreiflich, ivenn
Schöninger nicht auch zur Feder gegrif-
fen hätte, um sein Wissen. und Können
und seine Erfahrungen weiteren Krei-
sen mitzuteilen. Doch lag ihm die
schriftstellerische Tätigkeit nicht so sehr
und es brauchte schon viel, bis er sich
zum Schreiben bereit finden ließ. Als
Stadtpfarrverweser in Wildbad schrieb
er 1888 seinen ersten Artikel ins „Archiv
für christliche Kunst" (S. 14—18); „Der
Kirchenschatz der alten Reichsstadt Ulm".
Dann folgt 1888 S. 71: „Die Ruine'.!
des Klosters Herrenalb". Von Urach
aus sandte er den Artikel ein: „Inven-
tar einer alten Klosterkirche". Er ist
ein Zeichen seines ausgeprägten Hei-
matsinnes und der bei den Weilderstäd-
tern in besonderem Mäße hervortreten-
den Anhänglichkeit an ihre Vaterstadt,
mit der er hiemit eine Beisteuer lieferte
zur Geschichte des Augustinerklosters in
Weilderstadt. Ein allgemeineres Thema
behandelte er als Pfarrer in Baven-
dorf, wenn er a. a. O. 1895 S. 1. 12
über „Der Toten Ruhestatt" plaudert.
1898 S. 33 liefert er eine Fortsetzung
der Beschreibung von Kirchenrestaura-
tionen im „Gang durch restaurierte Kir-
chen". In den Jahrgängen 1899 S. 93.
101 und 1900 S. 1 erschien eine
Studie nach einem Vortrag über „Die
SpätgoUk in Schwaben". „Wanderun-

gen durch neue und restaurierte Kirchen"
finden sich 1910 S. 101. 113, 1911
S. 15. 48. „Ein Gang durch restau-
rierte Kirchen" 1914 S. 1. 13. 27 erhält
noch eine Fortsetzung in 1916 S. 2.
Derselbe Jahrgang enthält S. 57 den
letzten Aufsatz Schöningers über „Krieg
und Kunst". Daß er in den Kriegs-
jahren 1914 und 1915 zur Feder griff,
hat seinen Grund darin, daß er nach
Abberufung des Redakteurs Prof. L.
Baur ins Feld die Schriftleitung des
„Archivs" übernehmen mußte, die er
1916 auch zeichnete, aber nicht das ganze
Jahr führte. Infolge seiner Erkran-
kung übernahm Msgr. Kümmel, Chef-
redakteur, Stuttgart, die Redaktion des
„Archivs" bis zur Bestellurig eines neuen
Schriftleiters. Ein Zettel im Nachlaß
zeigt noch folgende Worte, die mit
„Kriegstinte" geschrieben sind: „An

Uttenweiler stehen geblieben. Dann
kommt Unterwachingen, Uigendorf, Göf-
fingen, Dürmentingen, Erdingen,
Frauenkapelle (Munderkingen), Scheer."
Ten Gang durch diese restaurierten
Kirchen hat sein Geist nicht mehr ge-
macht.

So ist es im großen und ganzen nicht
viel, was wir aus Schöningers Feder
besitzen, aber das Wenige ist Zeuge und
Zeichen eirres Geistes, der nne opfer-
freudige Begeisterung für seine Tätig-
keit mitbrachte und mit Verständnis
und Energie seine Aufgabe durchführte.
Als Leitsterne für seine praktische Ar-
beit in Restauration von Kirchen und
siir Beratschlagung bei Neuanschaffungen
oder Abänderungen usw. hat der Ver-
ewigte in meinem Artikel des „Archivs"
1910 S. 401 die Sätze aufgestellt:
1. Nichts entfernen, ioas Anspruch hat
auf Kunst- und! Altertumswert, mög-
lichst das Alte erhalten. Nticht selten
erhebt er Klage über die Ausmerzung
des Alten in den Machen. 2. In dem
Stil erneuern, dessen mlsgesprochenes
Gepräge die Kirchen tragen, aber nicht
zu radikal verfahren. 3. Auch die ver-
fehlten Werke von 1850—80 nicht ohne
weiteres verwerfen, sondern sie.anpassen
und beibehalten, bi§, etwas Besseres
kommt und die hohen Kosten verschmerzt
sind. 4. Dem künstlerischen Streben der
neueren Zeit, wo >es wahrhaft künst-
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