Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 36.1918

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bensrohen und sarbenleuchtenden Stuk-
katuren, im Chore stehen sehen in ele-
ganter Einfachheit und seiner einfachen
und doch äußerst repräsentativen Ruhe.
In der Höhe mißt er 4 Meter 60 Zenti-
meter und in der Breite 4 Meter. Auf
drei Stufen steigen wir hinan zum Altar,
dessen kräftiger Oberbau uns sofort
zeigt, daß wir es hier mit einem soge-
nannten Sakramentsaltar zu tun haben,
daß also das ganze Werk sich in erster
Linie nur oder fast nur mit einem Ta-
bernakelausbau besaßt. Dieser Taber-
nakel ist demzufolge aber auch als Haupt-
und Glanzstück behandelt. Zwischen zwei
Paaren von elegant geschnitzten Säulen,
die seine, vergoldete Kannelierung aus-
weisen und von sehr reichen, korinthischen,
vergoldeten Kapitälen überdacht sind,
eingcschlossen wie in eine seine, duftig
und klassisch schöne Rahme, bietet sich
der Tabernakel uns dar in einem Dop-
pelausbau: den Anschluß und Uebergang
zur Altarplatte bildet unten der Taber-
nakel, der in sanfter Rundung sich gegen
den Beschauer auswölbt und aus den bei-
den Türflügeln in erhabener Arbeit je
eine Putte zeigt über reich geschnitztem
und glanzvergoldetem Gehänge von
Weintrauben und Weizenähren. Die
Köpfe selbst haben in zarter Abtönung
ihre Naturfarbe beibehalten und bilden
so einen seinen Gegensatz zu dem Gold
der Gehänge. Oberhalb der beiden Tür-
flügel öffnet sich dann, durch eine kleine
Verkröpfung vermittelt, die Aussetzungs-
nische. Durch die hier in entgegengesetz-
ter Richtung verlaufende Wölbung nach
innen hebt ein seines und lebhaftes Spiel
der Schatten an, das noch unterstützt
wird durch ein, sehr gefällig wirkendes,
ornamentales Teppichmuster, das einen
stimmungsvollen und doch nicht aufdring-
lichen Hintergrund darstellt. Seinen
oberen Abschluß leitet eine lebhaft wir-
kende, aber einfach, weiß und gold,
gehaltene Muschel ein, die an Wessobrun-
ner Arbeiten erinnert, um dann ober-
halb sich wieder der Tabernakelrundung
ganz einzureihen und mit einer reizen-
den Putte und Lorbeergewinden seinen
Abschluß zu finden. Der Tabernakel
macht einen wahrhaft majestätischen Ein-
druck und ist so regelrecht das Glanzstück
des ganzen Werkes.

Ueber frett Säulenpaaren erhebt sich
ein Architrav, der reiche Gliederung fin-
det in Zahnschnitt und Profilierung. In
der dem Auge abgewendeten Ecke des
Architravs steigt in stolzem Viertelbogen
als massige Abschlußrahme in noch rei-
cherer Profilbildung mit Zahnschnitt
und Eierstab eine seingeschwungene Li-
nie aus, die oberhalb der Expositions-
nische einen flachen Bogen bildet und sich
hier mitten über der Putte verkröpst.

Oberhalb dieses reichen Abschlusses
setzt die achteckige, einwärts >gedrückte
Kuppel an, die in zweimaligem Anlauf
und sanftem Schwünge endet in einem
Podium für ein in den Wolken thronen-
des Herz Jesu. Aus der unteren, grö-
ßeren Partie zeigt sich uns, mit Lorbeer-
gewinden umrahmt, das fürstlich Thurn
und Taxissche Wappen, das damit zum
Ausdruck bringt, daß die Kirche einen
hohen Patron hat, der schon des öfteren
mit freigebiger Hand beigesteuert hat
zur Verschönerung des Gotteshauses.

Die beiden Seitenteile des Altares
treten gegenüber dem Tabernakelbau
stark zurück, wenden sich aber in elegan-
tem Schwung dem Auge des Beschauers
wieder zu, um abgeschlossen zu werden
von einer von oben nach unten in sanf-
ter Linienführung verlausenden Volute,
die in viereckiger Zeichnung einen mar-
kanten Abschluß gibt und zugleich dient
als Sitz je eines echten, alten, das Auge
eines Kunstkenners bezaubernden Engels,
wie nur Rokoko und angehender Klassi-
zismus sie aus dem Holze hervorlocken
konnten. Ueberaus prächtig wirkt das
meisterhaft ausgesührte und lebenswahr
dargestellte Flügelpaar in seiner reichen
Glanzgoldpracht. Die Engel weisen mit
vornehmer Geste den Beschauer hin aus
den Mittelpunkt des Altares: aus Kreuz
oder Monstranz. Dadurch, daß sie eine
sitzende Stellung Haben, bringen sie den
Rhythmus der sich abwärtsschwingenden
Volute zur vollen Geltung.

Der Unterbau des Altars, das Anti-
pendium, gliedert sich in drei Abteilun-
gen, wovon die mittlere, dem Oberbau
entsprechend, etwas hervortritt und in
einfachem, stilisiertem Lorbeerkranz ein
„eisernes" Kreuz uns zeigt. Die beiden
Seitenteile tragen aus etwas vertieftem
Grunde die Doppelverse:
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